Warikahnit
| Warikahnit | |
|---|---|
![]() | |
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1978-038[1] |
| IMA-Symbol |
War[2] |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Phosphate, Arsenate und Vanadate |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VII/C.07-040 8.CA.35 40.03.01.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | triklin |
| Kristallklasse; Symbol | triklin-pinakoidal; 1[5] |
| Raumgruppe | P1 (Nr. 2)[5] |
| Gitterparameter | a = 6,710 Å; b = 8,989 Å; c = 14,533 Å α = 105,59°; β = 93,44°; γ = 108,68°[3] |
| Formeleinheiten | Z = 4[3] |
| Häufige Kristallflächen | {010}, {001}, {100} und {0kl} sowie eventuell {hkl}[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | ≈ 2 |
| Dichte (g/cm3) | ≥ 4,24 (gemessen); 4,29 (berechnet)[3] |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {001}, gut nach {010} sowie {100} |
| Bruch; Tenazität | nicht angegeben; nicht angegeben |
| Farbe | hellgelb bis farblos,[3] gelborange[6] |
| Strichfarbe | farblos,[3] also wohl weiß |
| Transparenz | wasserklar durchsichtig |
| Glanz | Glasglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,747[3] nβ = 1,753[3] nγ = 1,768[3] |
| Doppelbrechung | δ = 0,21 |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv[3] |
| Achsenwinkel | 2V = 75°[3] |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | löslich in heißer Salzsäure und Salpetersäure[3] |
Kristallstruktur von Warikahnit | |
| Kristallsystem | triklin |
| Raumgruppe (Nr.) | P1 (Nr. 2) |
| Gitterparameter | a = 6,710 Å; b = 8,989 Å; c = 14,533 Å;
α = 105,59°; β = 93,44° γ = 108,68° |
| Formeleinheiten | Z = 4 |
Warikahnit kristallisiert im triklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2) mit den Gitterparametern a = 6,710 Å; b = 8,989 Å; c = 14,533 Å; α = 105,59°; β = 93,44° und γ = 108,68° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Die Kristallstruktur des Warikahnits enthält trotz der einfachen chemischen Formel sechs symmetrisch unterschiedliche Koordinationspolyeder des Zinks (ein nahezu reguläres Oktaeder Zn(1)(H2O)2O4, ein stark deformiertes Oktaeder Zn(2)O6, ein schwach deformiertes Oktaeder Zn(3)(H2O)O5, eine stark deformierte trigonale Bipyramide Zn(4)(H2O)O4, eine deformierte trigonale Bipyramide Zn(5)(H2O)O4 und ein deformiertes Tetraeder Zn(6)O4) mit fünf verschiedenen Ligandenkombinationen und den Koordinationszahlen 6, 5 und 4. Die Kationen-Koordinationspolyeder sind zu einem weitmaschigen Gerüst verknüpft, in dem sich kleinere Gruppen durch eine Kantenverknüpfung auszeichnen.
Die Zn(1)-Koordinationspolyeder bilden über gemeinsame Kanten Zweier-Gruppen. An diese Zweier-Gruppen sind über weitere Kanten zwei Zn(3)-Koordinationspolyeder angeknüpft. Letztendlich entsteht eine gestreckte, kantenverknüpfte Sechser-Gruppe durch eine weitere Verknüpfung der Zn(3)- mit den Zn(5)-Koordinationspolyedern. Diese Sechser-Gruppen sind punktsymmetrisch zum Symmetriezentrum und mit keinem weiteren Koordinationspolyeder verbunden, dessen Kation innerhalb der gleichen Elementarzelle liegt.
Kantenverknüpfte Vierer-Gruppen entstehen um das Symmetriezentrum. An zwei Zn(2)-Koordinationspolyedern mit einer gemeinsamen Kante werden über Kanten zwei Zn(4)-Koordinationspolyeder angebunden. Die Sechser- und die Vierer-Gruppen benachbarter Elementarzellen bilden in der Ebene (010) über gemeinsame Ecken zickzackförmige Ketten in Richtung von [101]. Das lockere Gerüst aus Kationen-Koordinationspolyedern entsteht unter Einbeziehung der Zn(6)-Koordinationspolyeder, die drei gemeinsame Ecken mit den Zn(2)-, Zn(4)- und Zn(5)-Koordinationspolyedern besitzen. Auf diese Weise werden die Zickzackketten in Richtung der a- und b-Achse verbunden. Die vier symmetrisch unterschiedlichen, teilweise stark deformierten AsO4-Tetraeder stabilisieren die Gerüststruktur. Wasserstoffbrückenbindungen bewirken in der Kristallstruktur des Warikahnits nicht nur einen Ladungsausgleich für die Liganden, sondern auch für die Koordinationspolyeder selbst.[10]
Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Morphologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Warikahnit bildet in den ersten Funden von Tsumeb mehr oder weniger deutlich radialstrahlige bis subparallele Aggregate aus grobkörnigen, stark gestreiften, xenomorphen bis subidiomorphen Kristallen. Die Kristalle sind bis zu 3 × 0,5 × 0,5 mm groß, nach der a-Achse [100] gestreckt und nach dem Pinakoid {010} abgeplattet. An den Kristallen wurden die Flächenformen {010}, {001}, {100} und {0kl} sowie eventuell {hkl} beobachtet.[3] Erst beim 1984 gelungenen Fund wurden fünf Stufen mit deutlich ausgebildeten Kristallen geborgen. Die Kristalle weisen deutliche Streifung auf und erreichen Längen bis zu 2 cm. Auf der besten existierenden Stufe, abgebildet auf dem Titelbild des Mineralogical Record (Heft 4 von 2005), sind die Warikahnitkristalle zu einem weizengarbenähnlichen Aggregat von 3 cm Höhe und 1 × 1,8 cm im Querschnitt verwachsen.[6][11]
Physikalische und chemische Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kristalle des Warikahnits sind hellgelb bis farblos[3] bzw. gelborange.[6] Die Strichfarbe des Minerals wird in der Originalpublikation mit farblos angegeben. Da die Pulverfarbe eines Minerals (die der Strichfarbe entspricht) aber nicht farblos sein kann, dürfte Warikahnit einen weißen bis leicht gelblichen Strich besitzen. Die Oberflächen der wasserklar durchsichtigen Kristalle weisen einen glasartigen Glanz auf.[3][5]
Das Mineral besitzt eine vollkommene Spaltbarkeit nach {001} und zwei gute Spaltbarkeiten nach {010} sowie {100}. Mit einer Mohshärte von ≈ 2 gehört Warikahnit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Gips mit dem Fingernagel ritzen lassen. Die berechnete Dichte des Minerals liegt bei 4,29 g/cm³.[3]
Warikahnit löst sich in heißer Salzsäure und Salpetersäure auf.[3]
Bildung und Fundorte
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Das Mineral konnte bisher (Stand 2016) nur an seiner Typlokalität und zwei weiteren Fundpunkten gefunden werden. Als Typlokalität gilt die weltberühmte Cu-Pb-Zn-Ag-Ge-Cd-Lagerstätte der „Tsumeb Mine“ (Tsumcorp Mine) in Tsumeb, Region Oshikoto, Namibia. Weitere Funde gelangen am „Shaft No. 132“ der „Christiana Mine“ bei Agios Konstantinos (Kamariza) sowie in der „Plaka Mine No. 80“ (Filoni 80) bei Plaka, alle im Lavrion District, Region Attika, Griechenland.[12][13]
Warikahnit ist ein typisches Sekundärmineral und bildete sich in der Oxidationszone der in Dolomitsteinen sitzenden hydrothermalen polymetallischen Erzlagerstätte Tsumeb zusammen mit anderen zink- und arsenhaltigen Mineralen.
Der erste Fund gelang am E9 Pillar auf der 31. Sohle. Als Begleitminerale wurden hell giftgrüner, kupferhaltiger Adamin, blauer Stranskiit, weißer Koritnigit, Claudetit sowie etwas seltener gelblichgrüner Tsumcorit und brauner Ludlockit identifiziert. Der 1984 dokumentierte Zweitfund ereignete sich ebenfalls auf der 31. Sohle, jedoch am „O stope“. Hier wurde das Mineral ausschließlich von Quarz begleitet. Einige der in den späten 1980er Jahren und danach in den Handel gelangten „Warikahnite“ von Tsumeb (gelbe Prismen, vergesellschaftet mit kupferhaltigem Adamin sowie Olivenit-Aggregaten) haben sich als Willemit erwiesen.[14]
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit ZnO-Gehalten von rund 48 %[5] wäre Wahrikahnit ein reiches Zinkerz. Allerdings handelt es sich mit ca. zehn bekannten Stufen um eines der seltensten Sekundärminerale des Tsumeb Mine und ist daher ausschließlich für den Mineralsammler interessant.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Paul Keller, Heinz Hess, Pete J. Dunn: Warikahnit, Zn3(H2O)2[(AsO4)2], ein neues Mineral aus Tsumeb, Südwestafrika. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Band 9, 1979, S. 389–395.
- Warikahnit. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001. (PDF; 66 kB)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
- ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Paul Keller, Heinz Hess, Pete J. Dunn: Warikahnit, Zn3(H2O)2[(AsO4)2], ein neues Mineral aus Tsumeb, Südwestafrika. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Band 1979, Heft 9, 1979, S. 389–395.
- ↑ Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 473.
- 1 2 3 4 5 6 Warikahnite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 66 kB; abgerufen am 25. September 2017]).
- 1 2 3 4 5 William W. Pinch: Warikahnit: Some background on the cover specimen. In: Mineralogical Record. Band 36, Nr. 4, 2005, S. 315.
- ↑ Typmineral-Katalog Deutschland – Aufbewahrung der Holotypstufe Warikahnit
- ↑ Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
- ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
- ↑ H. Riffel, Paul Keller, Heinz Hess: Die Kristallstruktur von Warikahnit, Zn3[(H2O)2|(AsO4)2]. In: Tschermaks mineralogische und petrographische Mitteilungen. Band 27, 1980, S. 187–632.
- ↑ Georg Gebhard: Tsumeb. 1. Auflage. GG Publishing, Grossenseifen 1999, S. 255.
- ↑ Mindat – Anzahl der Fundorte für Wahrikahnit
- ↑ Fundortliste für Warikahnit beim Mineralienatlas und bei Mindat
- ↑ Mindat – Warikahnit
