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Violet Gibson

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Violet Gibson (* 31. August 1876 in Dublin; † 2. Mai 1956 in Northampton)[1] verübte am 7. April 1926 ein Attentat auf Benito Mussolini.[2]

Herkunft und Leben

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Violet Gibson wuchs in einer wohlhabenden Adelsfamilie auf. Ihr Vater war Edward Gibson, 1. Baron Ashbourne, ein anglo-irischer Politiker und mehrfacher Lordkanzler von Irland. Die Familie lebte abwechselnd in Dublin und London und hatte gute Verbindungen zur britischen Krone – so nahm Violet beispielsweise als 18-Jährige am Debütantinnenball für Queen Victoria teil.[3] In ihren Zwanzigern konvertierte sie zum Katholizismus und entwickelte ein Interesse an Fragen sozialer Gerechtigkeit.[4] Ihre Jugend war beschwert, da Gibson häufig an körperlichen Erkrankungen wie Scharlach, Röteln, Pleuritis und Peritonitis litt.[3] Nach dem Tod ihres Vaters 1913, einer von vielen Verlusten in Gibsons Leben, wanderte sie nach Paris aus, um dort für eine pazifistische Organisation zu arbeiten. Zuvor hatte sie sich vom evangelischen Glauben ihres Vaters abgewandt, später schloss sie sich einem Jesuitenorden an. Ein Jahr nach dem Tod eines Bruders hatte Violet Gibson einen mentalen Zusammenbruch und wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.[3] Die bereits zuvor von ihr aufgenommenen intensiven Auseinandersetzungen mit dem christlichen Glauben und der Bibel setzte sie auch nach Entlassung aus der Klinik fort. Sie mündeten in dem Wunsch „für Gott zu sterben“ und einem überlebten Suizidversuch, bei dem sie sich selbst in die Brust schoss, ihr Herz aber verfehlte. Nach dem Aufenthalt in der Klinik zog Violet Gibson nach Rom, wo sie im März 1926 von dem Tod ihrer Mutter erfuhr.[3]

Attentat auf Mussolini

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Verhaftungsfotos von Violet Gibson nach dem Attentat auf Mussolini (1926)

Am Vormittag des 7. Aprils 1926 schoss Gibson mitten auf der Piazza del Campidoglio auf Mussolini.[2] Dieser hatte dort eine Kampfrede vor einem internationalen Chirurgenkongress gehalten. Der Anschlag erfolgte drei Jahre nach Beginn von Mussolinis Herrschaft in Italien; Gibson war zu diesem Zeitpunkt 50 Jahre alt.[5][4] Gibson bewaffnete sich mit einer MAS M1892 und einem Stein, mit dem sie notfalls das gepanzerte Autoglas des Diktators einschlagen wollte. Sie näherte sich ihm in der Menschenmenge auf dem Kapitolsplatz an und kam aus geringer Entfernung zum Schuss. Trotzdem verfehlte sie seinen Kopf und ihr Schuss streifte lediglich Mussolinis Nase. Ungesichert ist, ob sie nicht genau zielte, oder ob Mussolini den Kopf in dem Moment des Schusses wegdrehte.[1] Ein zweiter Schuss blieb im Lauf des Revolvers stecken und an einem weiteren Versuch wurde Gibson von den umstehenden Menschen gehindert.[1] Von den vier Personen, die ein Attentat auf Mussolini verübten, kam Gibson seinem Tod am nächsten.[5]

Nach dem Attentat

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Die auf der Piazza präsente Polizei nahm Violet Gibson fest, bevor die Menschenmenge sie lynchen konnte. Bei der Vernehmung nannte sie keine Gründe für die Tat. In den Tagen nach dem Attentat gratulierte der Präsident des Exekutivrats des Irischen Freistaats, W. T. Cosgrave, Mussolini schriftlich zu dessen Überleben.[5] Mit Verweis auf ihren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik wurde sie in Öffentlichkeit und Presse als „verrückte“ und „verwirrte“ Einzeltäterin dargestellt. Diese Sichtweise wurde von Mussolini, Gibsons eigener Familie und den britischen Behörden gefördert und aufrechterhalten.[1] Die Theorie einer verrückten Einzeltäterin entsprach aber wohl kaum den historischen Gegebenheiten. Gibson war eine politisch interessierte Person, die in Gesprächen und Diskussionen mehrfach ihre antifaschistischen Überzeugungen zum Ausdruck gebracht hatte. Sie sammelte und studierte Zeitungsberichte über Mussolini und vernetzte sich mutmaßlich mit weiteren Gegnern des Diktators.[6][1] Nach einiger Zeit in italienischer Haft wurde sie ohne Gerichtsprozess nach England abgeschoben; dahinter stand vermutlich auch der Wunsch, einen öffentlichen Prozess in Italien zu vermeiden.[5][6] Dort wurde sie im St Andrew’s Hospital in Northampton untergebracht, in dem sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1956 blieb.[5] Von dort aus versuchte sie später mit nicht abgesandten Briefen an Winston Churchill und Prinzessin Elizabeth ihre Entlassung zu erreichen.[5]

Im Februar 2021 beschloss der Stadtrat Dublins, Violet Gibson mit einer öffentlichen Plakette als „überzeugte Antifaschistin“ zu ehren.[5] Im Oktober 2022 wurde die Gedenktafel an ihrem früheren Wohnhaus am 12 Merrion Square in Dublin enthüllt.[4]

Bereits 2014 erreichte Gibsons Geschichte durch eine Radiodokumentation von Siobhán Lynam für RTÉ ein breiteres Publikum.[5] Das spätere Doku-Drama The Irish Woman Who Shot Mussolini, bei dem Barrie Dowdall Regie führte, beruht auf dieser Radiodokumentation.[5] In dem Film wird Gibson von Olwen Fouéré dargestellt.[5]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 Liz Evers: Gibson, Violet Albina – Dictionary of Irish Biography – Cambridge University Press. Cambridge University Press, abgerufen am 23. Februar 2021 (englisch).
  2. 1 2 Freya Johnston: The Woman Who Shot Mussolini by Frances Stonor Saunders: review. telegraph.co.uk, 26. Februar 2010, abgerufen am 23. Februar 2021 (englisch).
  3. 1 2 3 4 Violet Gibson (1876–1956) Shot Mussolini. forgottennewsmakers.com, 17. Mai 2010, abgerufen am 23. Februar 2021 (englisch).
  4. 1 2 3 Plaque unveiled for Irish woman who shot Mussolini. In: BBC News. 21. Oktober 2022, abgerufen am 7. April 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Michael Sheils McNamee: Violet Gibson - The Irish woman who shot Benito Mussolini. In: BBC News NI. 21. Februar 2021, abgerufen am 7. April 2026 (englisch).
  6. 1 2 The Irish woman who shot Mussolini – inside the new film. rte.ie, 16. Oktober 2020, abgerufen am 23. Februar 2021 (englisch).