Zum Inhalt springen

Villa Kippenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Villa Kippenberg (um 1930)

Die Villa Kippenberg in Leipzig-Gohlis war für 35 Jahre die Heimstatt des Verlegerehepaares Anton und Katharina Kippenberg. Das Haus führte auch den von Gästen geprägten Spitznamen „Palazzo Chippi“.

Lage und Gestalt

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Villa Kippenberg stand im heutigen Leipziger Ortsteil Gohlis-Süd an der Richterstraße 27/Ecke Ulrichstraße auf einem 1480 [1] großen Grundstück und war von einem gepflegten Garten umgeben. Das Gebäude war zweigeschossig auf einem hohen Sockelgeschoss. Das Dachgeschoss unterm Satteldach war ausgebaut und die Vorderfront mit Efeu bewachsen.

Das Grundstück ist heute unbebaut, von Bäumen bestanden und zur Straße von einer Mauer begrenzt.

In den 1870er Jahren besaß der Leipziger Kaufmann Julius Gottschald ein Landhaus in der Gohliser Sidonienstraße 2[2] 1877 übernahm es dessen Schwiegersohn, der Direktor des Statistikamtes Leipzig Ernst Hasse, und ließ es zur Villa ausbauen. 1908 verkaufte seine Witwe die Villa an das Gohliser Baugeschäft Naumann & Mette.

Im Dezember 1905 hatten der Leiter des Insel-Verlags Anton Kippenberg und seine Frau Katharina geheiratet und 1909 zogen sie als Mieter in das Haus in der Richterstraße, das sie 1910 samt Grundstück kauften. In der Folgezeit wurde die Villa zu einem bedeutenden Kulturzentrum. Zahlreiche Autoren des Insel-Verlages waren im Hause zu Gast. Dazu zählten unter anderem Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig, Johannes R. Becher, Romain Rolland und Gerhart Hauptmann. Eine besondere Stellung nahm Rainer Maria Rilke als zeitgenössischer Hauptautor des Insel-Verlags ein, der 1910 einige Wochen bei den Kippenbergs wohnte, wo er seinen Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge vollendete.[3]

Anton Kippenberg war ein glühender Goethe-Verehrer und -Sammler. Das reichte bis in die teilweise Möblierung der Villa im Empirestil der Goethezeit. Seine Goethe-Sammlung – die größte private Goethe-Sammlung der Welt – umfasste 1928 bereits 8000 Stücke. 1938 war sie so angewachsen, dass ein Anbau an die Villa, das Goethezimmer, notwendig wurde.[4]

Die Villa wurde am 27. Februar 1945 bei einem Bombenangriff auf Leipzig zerstört. Die Kippenbergs waren nicht anwesend, und die Goethe-Sammlung war ausgelagert. Noch 1945 gingen die Kippenbergs mit der Sammlung nach Marburg. Seit 1956 bildet sie den Grundstock des Goethe-Museums in Düsseldorf.

  • Werner Mars: Die Villa Kippenberg in Gohlis. Leipzig, Druck Repromedia, 2001
  • Werner Mars: Palazzo Chippi. In: Leipziger Blätter, Heft 36, 2000, S. 36–37
  • Sabine Knopf: Viel ist gerettet, viel verloren …. In: Leipziger Blätter, Heft 48, 2000, S. 10–11
Commons: Villa Kippenberg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. gemäß amtlichem Leipziger Stadtplan Flurstück 138
  2. 1896 umbenannt in Richterstraße 2, 1913 umnummeriert zu Nr. 27
  3. Horst Nalewski: Rainer Maria Rilke und sein Leipziger Verlag. In: Leipzig-Lese =. Abgerufen am 2. Juni 2026.
  4. Leipzig-Lese

Koordinaten: 51° 21′ 32,9″ N, 12° 22′ 10,8″ O