Germer (Gattung)
| Germer | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Weißer Germer (Veratrum album) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Veratrum | ||||||||||||
| L. |
Die Germer (Veratrum) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Germergewächse (Melanthiaceae). Die etwa 25 Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel weitverbreitet.[1]
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Vegetative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Germer-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden als Überdauerungsorgane senkrechte Rhizome, die an der Oberseite mit Resten der Blattscheiden bedeckt sind. Die kräftigen Stängel sind einfach und beblättert. Die zahlreichen wechselständig und schraubig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert.[2] Die einfachen Blattspreiten sind schmal bis breit-kreisförmig[2] oder breit-elliptisch. Sie sind längs gefaltet, mehradrig.
Generative Merkmale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In rispigen Blütenständen stehen viele Blüten zusammen. Die dreizähligen Blüten sind meist zwittrig, die oberen eines Blütenstandes manchmal rein männlich. Die sechs haltbaren Blütenhüllblätter sind ausgebreitet, nicht verwachsen und von weißer, grünlicher, rötlich-brauner oder schwarzer Farbe. Es gibt sechs Staubblätter. Die drei freien Griffel sind kurz und haltbar.[3]
Die septiziden, dreifächrigen Kapselfrüchte enthalten in jedem Fruchtfach einige Samen. Die Samen sind abgeflacht und schmal geflügelt.[3]
Die Chromosomengrundzahl ist x = 9.[2]
Inhaltsstoffe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind verschiedenste Cerveratrum- und Jerveratrum-Alkaloide.[2]
Systematik und Verbreitung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Die Gattung Veratrum wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 1044 aufgestellt. Der Gattungsname Veratrum leitet sich von den lateinischen Wörtern vere für „echt“ und ater für „schwarz“ ab, dies bezieht sich auf die schwarzen Rhizome mancher Arten.[2] Synonyme für Veratrum L. nom. cons. sind: Acelidanthus Trautv. & C.A.Mey., Anepsa Raf., Evonyxis Raf., Helleborus Gueldenst. nom. illeg., Leimanthium Willd.,[4]
2007 gehörten etwa 27 Arten.[5] Vier nordamerikanische Arten, die manche Autoren in die Gattung Veratrum stellten, gehören aber nach Kim et al 2016 zur Gattung Melanthium J.Clayton ex L..[6][1]
Die Gattung Veratrum ist in den Gemäßigten Gebieten auf der Nordhalbkugel verbreitet. In China gibt es etwa 13 Arten, acht davon nur dort.[3] In Nordamerika kommen bis zu fünf Arten vor.[2]
Die Gattung der Germer (Veratrum) enthält etwa 27 Arten (Stand 2019):[1]
- Veratrum albiflorum Tolm.: Sie kommt in Russlands Fernem Osten vor.[4]
- Weißer Germer (Veratrum album L.): Er ist in den Gemäßigten Gebieten von Europa bis Russlands Fernem Osten weitverbreitet.[4]
- Veratrum anticleoides (Trautv. & C.A.Mey.) Takeda & Miyake: Sie kommt in Russlands Fernem Osten vor.[4]
- Veratrum californicum Durand: Sie ist in zwei Varietäten von den westlichen USA bis New Mexico und Mexiko verbreitet.[2][4]
- Veratrum dahuricum (Turcz.) O.Loes.: Sie kommt von Sibirien bis Korea und China (Heilongjiang, Jilin, Liaoning, vielleicht auch in der Inneren Mongolei) vor.[3][4]
- Veratrum dolichopetalum O.Loes.: Sie kommt in Russlands Fernem Osten, in China und Korea vor.[4]
- Veratrum fimbriatum A.Gray: Dieser Endemit kommt nur im nordwestlichen Kalifornien vor.[2]
- Veratrum formosanum O.Loes.: Dieser Endemit kommt nur in Taiwan vor.[3][4]
- Veratrum grandiflorum (Maxim. ex Miq.) O.Loes.: Sie kommt nur im südlichen China (Hubei, Hunan, Jiangxi, Sichuan, Yunnan, Zhejiang) in Höhenlagen zwischen 2600 und 4000 Metern vor.[3]
- Veratrum insolitum Jeps.: Sie kommt nur in Washington, Oregon und im nördlichen Kalifornien vor.[2]
- Veratrum lobelianum Bernh.(wird auch von manchen Autoren als Unterart Veratrum album subsp. lobelianum (Bernh.) Schübl. & G.Martens zu Veratrum album gestellt): Sie kommt vom östlichen Mitteleuropa bis zum Kaukasusraum und Russlands Fernem Osten vor.[3][4]
- Veratrum longebracteatum Takeda: Dieser Endemit nur auf der japanischen Insel Honshu vor.[4]
- Veratrum maackii Regel[3]: Es gibt drei Varietäten. Sie kommt von Nordchina (Heilongjiang, Jilin, Liaoning, Innere Mongolei, Shandong, vielleicht auch Hebei), in Korea und Japan bis zum äußersten russischen Ostasien vor.[3][4]
- Veratrum maximum (Nakai) M.N.Tamura & N.S.Lee: Diese erst 2014 in den Artrang erhobene Art kommt im nördlichen bis zentralen Japan vor.[4]
- Veratrum mengtzeanum O.Loes.: Sie kommt in zwei Unterarten[4] vom nordwestlichen Thailand bis China (Guizhou, Yunnan) vor.[3]
- Veratrum micranthum F.F.Wang & Tang: Sie kommt in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan vor.[3]
- Schwarzer Germer (Veratrum nigrum L.): Das Verbreitungsgebiet reicht von Mitteleuropa bis China und Korea.[3]
- Veratrum oblongum O.Loes.: Sie gedeiht in Höhenlagen von 1000 bis 2100 Metern in den chinesischen Provinzen Sichuan, Hubei sowie Jiangxi.[3]
- Veratrum oxysepalum Turcz. (Syn.: Veratrum alpestre Nakai): Sie kommt von Sibirien und China (Heilongjiang, Jilin, Liaoning) bis Japan, Korea und Alaska vor.[3][4]
- Veratrum parviflorum Michx.: Sie kommt nur von West Virginia bis ins nördliche Georgia vor.[4]
- Veratrum schindleri O.Loes.: Sie gedeiht in Höhenlagen von 700 bis 1400 Metern südöstlichen chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Guangdong, Guangxi, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi sowie Zhejiang.[3]
- Veratrum shanense W.W.Sm. (Syn.: Veratrum stenophyllum Diels, Veratrum yunnanense O.Loes.): Sie ist vom südlichen-zentralen China bis ins nördliche Myanmar verbreitet.[4][7]
- Veratrum stamineum Maxim.: Sie kommt von nördlichen bis ins zentrale Japan vor.[4]
- Veratrum taliense O.Loes.: Sie gedeiht in Höhenlagen um 2400 Metern in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie Yunnan.[3]
- Veratrum ×tonussii Poldini: Es handelt sich um eine Naturhybride aus Veratrum lobelianum × Veratrum nigrum, die in Europa vorkommt.[4]
- Veratrum versicolor Nakai: Sie kommt nur im nordöstlichen China und in Korea vor.[4]
- Veratrum viride Aiton: Sie kommt von Alaska bis nach Kanada und den USA vor.[2]
Nutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einige Arten wurden aufgrund ihres Alkaloidgehaltes medizinisch genutzt. Einige Arten sind außerordentlich giftig. Die Beobachtung der Giftwirkung von intravenös injiziertem Germerextrakt führte zur Entdeckung des Bezold-Jarisch-Reflexes.[8] Manche Germerarten werden als Zierpflanzen kultiviert.[2]
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Dale W. McNeal Jr., Aaron D. Shaw: In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales, Oxford University Press, New York und Oxford, 2002, ISBN 0-19-515208-5. Veratrum, S. 72 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
- Chen Xinqi, Hiroshi Takahashi: In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000, ISBN 0-915279-83-5. Veratrum., S. 82–85 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Changkyun Kim, Sang-Chul Kim, Joo-Hwan Kim: Historical Biogeography of Melanthiaceae: A Case of Out-of-North America Through the Bering Land Bridge. In: Frontiers in Plant Science, Volume 10, 2019, S. 1–12. doi:10.3389/fpls.2019.00396
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Dale W. McNeal Jr., Aaron D. Shaw: In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Orchidales, Oxford University Press, New York und Oxford, 2002, ISBN 0-19-515208-5. Veratrum, S. 72 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Chen Xinqi, Hiroshi Takahashi: In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000, ISBN 0-915279-83-5. Veratrum. S. 82–85 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Veratrum. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 25. Oktober 2026.
- ↑ W.-J. Liao, Y.-M. Yuan, D.-Y. Zhang: Biogeography and evolution of flower color in Veratrum (Melanthiaceae) through inference of a phylogeny based on multiple DNA markers. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 267, 2007, S. 177–190. doi:10.1007/s00606-007-0528-z
- ↑ Sang-Chul Kim, J. S. Kim, Mark W. Chase, Michael F. Fay, Joo-Hwan Kim: Molecular phylogenetic relationships of Melanthiaceae (Liliales) based on plastid DNA sequences. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 181, Issue 4, 2016, S. 567–584. doi:10.1111/boj.12405 online.
- ↑ N. Tanaka: Veratrum shanense W. W. Sm. (Melanthiaceae) - A review of its taxonomic and distribution range. In: The Journal of Japanese Botany, Volume 85, 2010, S. 137–147.
- ↑ Domingo M. Aviado, Domingo Guevara Aviado: The Bezold-Jarisch reflex. In: Annals of the New York Academy of Sciences. Januar 2006, doi:10.1111/j.1749-6632.2001.tb03666.x (englisch).