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Vegaphobie

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Vegaphobie[1][2][3][4] (englisch: vegaphobia oder veganphobia, deutsch auch Veganophobie) bezeichnete ursprünglich die pejorative mediale Darstellung von Veganern und Veganismus,[5] wird inzwischen jedoch auch in anderen Zusammenhängen als Begriff für die Ablehnung von Veganern und Vegetariern verwendet.[6]

Begriffsgeschichte

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Erstmals tauchte der Begriff vegaphobia[7] Anfang der 2010er-Jahre in der englischsprachigen Soziologie auf, im Deutschen in den späten 2010ern, zeitgleich mit einem Anstieg des Veganismus in den späten 2010ern. Matthew Cole und Karen Morgan verwendeten ihn 2011 in einer Studie, um Diskurse über Veganismus in britischen Zeitungen zu analysieren.[5] Spätere Autoren benutzten teils auch veganphobia.[8] Andere Forscher führten Begriffe wie vegephobia ein, die auch Abneigungen gegenüber Vegetariern umfassen.[9] Darüber hinaus prägte David Olivier den Begriff Veggiephobie.

Ausdrucksformen, Verbreitung und Ursachen

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Mehrere Studien belegen, dass es in westlichen Gesellschaften weit verbreitete Vorurteile gegenüber Vegetariern und Veganern gibt.[10] Typische Muster sind Lächerlichmachen, Gleichsetzung mit Askese oder Darstellung als unpraktisch.[11]

In 2007 veröffentlichten, britischen Tageszeitungen wurde Veganismus laut der 2011 von Cole und Morgan veröffentlichten Diskursanalyse zu 75 % negativ dargestellt. Die Autoren bewerteten die Pressedarstellungen als den Veganismus abwertend und aus ihrer Sicht negativ, wenn sie

  • Veganismus lächerlich machten oder/und
  • Veganismus als Askese charakterisierten oder/und
  • Veganismus als schwierig oder unmöglich zu leben beschrieben oder/und
  • Veganismus als Modeerscheinung beschrieben oder/und
  • Veganer als überempfindlich charakterisierten oder/und
  • Veganer als feindselig charakterisierten.[5]

Eine kanadische Studie zeigte, dass vegan lebende Menschen negativer beurteilt werden als Atheisten und Immigranten und nur knapp besser als Drogenabhängige.[12] Eine belgische Untersuchung unter Fleischkonsumenten stellte fest, dass Vegaphobie bei Männern häufiger vorkommt als bei Frauen, ebenso bei älteren und niedriger gebildeten Befragten.[13]

2014 veröffentlichte der Psychologe Hank Rothgerber eine fünfteilige Studie zu der Frage, wie „Fleischesser“ auf die „moralische Herausforderung“ durch Vegetarier reagieren – insbesondere, ob sie psychologische Abwehrmechanismen einsetzen, um kognitive Dissonanz zu reduzieren. Die Datenerhebung erfolgte per Online-Fragebogen. Die Teilnehmer wurden über Amazon Mechanical Turk rekrutiert und die Stichprobengröße schwankte in den Studienteilen zwischen 77 und 121 Teilnehmern. Aufgenommen wurden nur Personen, die angaben, Fleisch zu essen. Rothgerbers Ausgangspunkt war die Theorie vom Fleisch-Paradoxon. Nach dieser Theorie führt der Konflikt zwischen dem Wunsch der meisten Menschen, Tieren nicht zu schaden, und der Entscheidung für eine Ernährungsweise, die Tieren Schaden zufügt, zu kognitiver Dissonanz. Die Forschung zum Fleisch-Paradoxon geht davon aus, dass verschiedene Strategien „Fleischessern“ dabei helfen, diese angenommene kognitive Dissonanz zu reduzieren. Minson und Monin fanden 2012, dass fast die Hälfte ihrer fleischessenden Studienteilnehmer Vegetarier mit negativen Eigenschaften assoziierten, als sie gebeten wurden, über Vegetarier nachzudenken. Darüber hinaus fielen die Assoziationen bei jenen Studienteilnehmern negativer aus, die der Meinung waren, dass „Weltverbesserer“ sich selbst für moralisch überlegen gegenüber den Studienteilnehmern oder Nichtvegetariern im Allgemeinen hielten. Minson und Monin interpretierten diese Ergebnisse als eine reflexartige Abwehrreaktion auf die Gefahr, moralisch beurteilt und für unzulänglich befunden zu werden.[14] Rothgerber untersuchte bei seinen Studienteilnehmern das Leugnen der Empfindungsfähigkeit von Tieren, die Rechtfertigung des Fleischkonsums (als „natürlich“, „notwendig“ oder „normal“) sowie die Betonung des hedonistischen Werts von Fleischkonsum als Dissonanz-reduzierende Strategien. Die Stärke dieser Strategien maß er jeweils über Likert-Skalen. Die Auswertung der Fragebögen zeigte, dass die moralische Motivation bei Vegetariern, die Freiwilligkeit ihrer Entscheidung für Vegetarismus und die Konsequenz der vegetarischen Praxis bei den Studienteilnehmern jeweils zu stärkerer „moralischer Bedrohung“ und mehr psychologischen Abwehrreaktionen führten. Die wahrgenommene „moralische Herausforderung“ durch Vegetarier führte nach Autor-Interpretation bei den Studienteilnehmern auch zu negativen Emotionen wie Angst und Nervosität.[15]

Faktoren sind konservative oder rechtsgerichtete Überzeugungen, die Fleischkonsum als identitätsstiftend begreifen.[16] Auch der Eindruck moralischer Überheblichkeit von Veganern kann Abwehrreaktionen verstärken.[17]

Thematisierte Folgen

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Die Autoren Regine Bendl, Giuseppe Delmestri und Petr Kudelka sehen Vegaphobie als ein Hindernis für die Transformation zur Nachhaltigkeit. Als Konsequenz plädieren sie dafür, Veganismus nicht nur zu rehabilitieren, um vegan lebende Menschen vor Stigmatisierung und Diskriminierung zu schützen, sondern auch seine „positive Rolle für die Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und für eine gerechtere Gesellschaft darzulegen“. Ein Schutz von Veganismus auch durch die österreichische Gleichbehandlungsgesetzgebung würde in der Praxis eine klare Stärkung veganer Positionen bedeuten. Veganer dürften dann weder bei Bewerbungsgesprächen, noch bei den Arbeitsbedingungen oder bei der Gewährung betrieblicher Sozialleistungen diskriminiert werden. Außerdem wären Veganer auch vor Beleidigungen geschützt und könnten hier auf Schadenersatz klagen. Mit der Etablierung eines Verständnisses von ethischem Veganismus als Weltanschauung streben die Autoren auch an, dass Veganer zukünftig sowohl bei der Bildung als auch der Gesundheitsversorgung und der Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen besondere Berücksichtigung finden. So könnte zum Beispiel durchgesetzt werden, dass Veganismus als alternative Weltanschauung in bestehende schulische Curricula aufgenommen wird oder dass vegane Medikamente verfügbar gemacht werden. Nach Meinung der Autoren sollte Veganismus als Diversitätsdimension auch im Management von Unternehmen und Institutionen berücksichtigt werden.[18]

Der Philosoph und vegane Aktivist Oscar Horta verbindet Vegaphobie mit Diskriminierung gegenüber Veganern, was er unter anderem am Arbeitsplatz beobachtet.[19]

Situation in Österreich

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In Österreich gewinnt der Veganismus seit einigen Jahren immer mehr Anhänger. Schätzungen zufolge leben inzwischen rund 80.000 Menschen vegan. Unterstützt wird diese Entwicklung durch u. a. Tierrechtsorganisationen wie der Veganen Gesellschaft Österreich (VGÖ) oder dem Verein gegen Tierfabriken (VGT), die sich aktiv für Tierschutz und eine pflanzenbasierte Ernährung einsetzen.

Trotz dieser auch für die Nachhaltigkeit positiven Tendenzen erleben viele Veganer im Alltag immer wieder Ablehnung oder/und Benachteiligung. Laut einer Umfrage der VGÖ fühlten sich fast neun von zehn schon einmal wegen ihrer Ernährung diskriminiert und acht von zehn berichten, sie seien verspottet und/oder nicht ernst genommen worden. Besonders schwierig ist die Situation in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern, Universitäten oder Behörden, wo vegane Mahlzeiten meist nicht angeboten werden. Betroffene müssen sich dort oft selbst versorgen oder auf Beilagen und Obst ausweichen.

Hinzu kommen strukturelle Nachteile, weil pflanzliche Milchalternativen steuerlich schlechter behandelt werden als Kuhmilch und auch im Berufsleben kann die vegane Überzeugung Probleme bereiten, wenn etwa Bewerber wegen ihrer Lebensweise abgelehnt werden oder im Gastgewerbe Tätigkeiten mit Tierprodukten ausführen sollen.

Ein besonders aufsehenerregendes Ereignis war der Wiener Neustädter Tierschützerprozess. Mehrere Tierrechtsaktivisten, allesamt Veganer, wurden damals zu Unrecht der Bildung einer kriminellen Organisation beschuldigt. Der Prozess endete zwar mit Freisprüchen, jedoch gilt er bis heute als Symbol für staatliche und gesellschaftliche Vorurteile gegenüber Veganismus. Bendl spricht hier von einem Kulminationspunkt institutionalisierter Vegaphobie.

Insgesamt zeigt das Beispiel Österreich, dass vegane Lebensweisen zwar zunehmend bekannter und sichtbarer werden, viele Menschen aber weiterhin mit Vorurteilen und mangelnder Akzeptanz zu kämpfen haben.[20]

  • Regine Bendl, Giuseppe Delmestri, Petr Kudelka: Vegaphobie: Ein Hindernis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit. In: Fred Luks (Hrsg.): Chancen und Grenzen der Nachhaltigkeitstransformation. Springer, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-22437-0, S. 201–229, doi:10.1007/978-3-658-22438-7_12.
  • Matthew Cole, Karen Morgan: Vegaphobia: derogatory discourses of veganism and the reproduction of speciesism in UK national newspapers. In: The British Journal of Sociology. 62, 2011, S. 134–153, doi:10.1111/j.1468-4446.2010.01348.x.

Einzelnachweise

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  1. Regine Bendl, Giuseppe Delmestri, Petr Kudelka: Vegaphobie: Ein Hindernis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit Artikel in Chancen und Grenzen der Nachhaltigkeitstranformation. Ökonomische und soziologische Perspektiven Hrsg. Fred Luks, 1. Auflage: 2019 Springer Gabler, ISBN 978-3-658-22437-0, 235 Seiten (Vegaphobie-Artikel auf S. 201–229)
  2. Carmen Ferscha: Einstellungen der Großelterngeneration zur veganen Ernährungsweise ihres Enkels PDF Universität Wien 2023, S.16 - S.17 Obwohl fleischlose Ernährung immer populärer wird, zählen Vegetarierinnen und Veganer trotzdem noch zu einer Minderheit in der Bevölkerung. Vor allem in westlichen Gesellschaften werden sie häufig mit Stigmatisierung und daraus folgenden Diskriminierungsmechanismen konfrontiert. Als Fachbegriff für diese ablehnende und bisweilen diskriminierende Haltung gegenüber Veganern wird die Bezeichnung „Vegaphobie“ verwendet.
  3. greenpeace.deVegan 2022: Mensch/Tier-Verhältnis, Tiersensible Kommunikation Thema: Tiere anerkennen; Menschen anerkennen, die Tiere anerkennen (vs. Vegaphobie)
  4. Alina Trapphagen: Darstellung des Veganismus in den Medien.pdf, 12. Februar 2020, S.19 - S.20 In einer anderen Debatte darüber, dass vegane Produkte, laut Piers Morgan, keine “Fleischesser Sprache” mehr benutzen dürfen, sagte er den zwei veganen Gästen, dass sie “überraschend gesund aussehen”115. Dies beschreibt den weitverbreiteten Glauben, dass Veganer*innen keine gute Gesundheit hätten. Morgan wirft Veganer*innen vor, Fleischesser zu terrorisieren und sie als schlechte Menschen zu beschreiben. Mit 200.000 bis zu 900.000 Aufrufe dieser Debatten, könnte das Programm großen Einfluss auf omnivore Zuschauer nehmen. Laut der Vegaphobie-Studie zählen die untersuchten Debatten als negative Darstellungen von Veganismus.,
  5. a b c Matthew Cole, Karen Morgan: Vegaphobia: derogatory discourses of veganism and the reproduction of speciesism in UK national newspapers. In: The British Journal of Sociology. 62. Jahrgang, Nr. 1, März 2011, S. 134–153, doi:10.1111/j.1468-4446.2010.01348.x, PMID 21361905 (englisch).
  6. Shila Minari Hargreaves, António Raposo, Ariana Saraiva, Renata Puppin Zandonadi: Vegetarian Diet: An Overview through the Perspective of Quality of Life Domains. In: International Journal of Environmental Research and Public Health. 18. Jahrgang, Nr. 8, 12. April 2021, ISSN 1661-7827, S. 4067, doi:10.3390/ijerph18084067, PMID 33921521, PMC 8069426 (freier Volltext) – (englisch). Many of those who decide to adopt vegetarianism suffer rejection from others and are victims of stereotyping and discrimination. Such negative attitudes towards vegetarians and vegans are known as “vegaphobia” or “veganophobia”, a term already spread in the scientific literature. A possible explanation for the discrimination against vegetarians and vegans is related to the cognitive dissonance suffered by individuals who eat meat
  7. vice.com There’s a Term For Hating On Vegans And It’s Vegaphobia (englisch)
  8. Why do people hate vegans. In: The Guardian. 25. Oktober 2019, abgerufen am 24. September 2025 (englisch).
  9. Cara C. MacInnis, Gordon Hodson: It ain’t easy eating greens: Evidence of bias toward vegetarians and vegans from both source and target. In: Group Processes & Intergroup Relations. 20. Jahrgang, Nr. 6, 2017, S. 721–744, doi:10.1177/1368430215618253 (englisch).
  10. Madeline Judge, Marc S. Wilson: A dual-process motivational model of attitudes towards vegetarians and vegans. In: European Journal of Social Psychology. 49. Jahrgang, Nr. 1, 2019, S. 169–178, doi:10.1002/ejsp.2386 (englisch).
  11. Laura Wright: The Vegan Studies Project: Food, Animals, and Gender in the Age of Terror. University of Georgia Press, 2015, ISBN 978-0-8203-4856-8 (englisch).
  12. Cara C. MacInnis, Gordon Hodson: It ain't easy eating greens: Evidence of bias toward vegetarians and vegans from both source and target. In: Group Processes & Intergroup Relations. 20. Jahrgang, Nr. 6, 2017, S. 721–744, doi:10.1177/1368430215618253 (englisch).
  13. Frédéric Vandermoere, Robbe Geerts, Charlotte De Backer: Meat Consumption and Vegaphobia: An Exploration of the Characteristics of Meat Eaters, Vegaphobes, and Their Social Environment. In: Sustainability. 11. Jahrgang, Nr. 14, 2019, S. 3936, doi:10.3390/su11143936 (englisch).
  14. Julia A. Minson, Benoît Monin: Do-Gooder Derogation: Disparaging Morally Motivated Minorities to Defuse Anticipated Reproach. In: Social Psychological and Personality Science. Band 3, Nr. 2, 1. März 2012, ISSN 1948-5506, S. 200–207, doi:10.1177/1948550611415695.
  15. Hank Rothgerber: Efforts to overcome vegetarian-induced dissonance among meat eaters In: Appetite, Volume 79, 2014, S. 32–41. doi:10.1016/j.appet.2014.04.003. PMID 24727102.
  16. Kristof Dhont, Gordon Hodson: Why do right-wing adherents engage in more animal exploitation and meat consumption? In: Personality and Individual Differences. 64. Jahrgang, 2014, S. 12–17, doi:10.1016/j.paid.2014.02.002 (englisch).
  17. Julia A. Minson, Benoît Monin: Do-Gooder Derogation: Disparaging Morally Motivated Minorities to Defuse Anticipated Reproach. In: Social Psychological and Personality Science. 3. Jahrgang, Nr. 2, 2012, S. 200–207, doi:10.1177/1948550611415695 (englisch).
  18. Regine Bendl, Giuseppe Delmestri und Petr Kudelka: Vegaphobie: Ein Hindernis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit Artikel in Chancen und Grenzen der Nachhaltigkeitstranformation. Ökonomische und soziologische Perspektiven Hrsg. Fred Luks, 1. Auflage: 2019 Springer Gabler, ISBN 978-3-658-22437-0, 235 Seiten (Vegaphobie-Artikel auf S. 201–229)
  19. Oscar Horta: Discrimination Against Vegans. In: Res Publica. 24. Jahrgang, Nr. 3, 8. Oktober 2018, ISSN 1356-4765, S. 360, doi:10.1007/s11158-017-9356-3 (springer.com): „The fact that vegans are often considered worse than nonvegans epistemically, morally, and in general due to vegaphobia, explains some cases where they are intentionally treated worse, and also why vegans are in many cases pressed by others to quit veganism.“
  20. Fred Lukas: Chancen und Grenzen der Nachhaltigkeitstransformation Springer Gabler 2019, S.209 - S.211