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Uvula

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Mund mit Gaumen und Uvula
Uvula

Die Uvula (Diminutiv zu lateinisch uva „Traube“, also etwa „Träubchen“), im Deutschen auch Zäpfchen und im Lateinischen auch Uvula palatina (deutsch Gaumenzäpfchen) genannt, ist Teil des Gaumensegels (Palatum molle, auch weicher Gaumen) und befindet sich in dessen Mitte. Sie wird auch Halszäpfchen oder Staphyle genannt (aus dem Griechischen σταφυλή für „Weintraube“); daher auch Staphylitis für eine Entzündung der Uvula. Diese Uvulitis wurde auch Kionitis genannt[1][2] (aus dem altgriechischen κίων kíōn = Säule, Pfeiler, in medizinischen Wortbildungen auch Gaumenzäpfchen).[3]

Die Grundlage der Uvula bildet ein Muskel, der Musculus uvulae, der das Zäpfchen verkürzt. Der Muskel wird vom Nervus vagus, dem X. Hirnnerven, mit Reizen versorgt (innerviert) und ist von verschieblicher, nicht fixierter Schleimhaut (Mucosa) bedeckt. Bei Berührung der vom Hinterrand des weichen Gaumens herunterhängenden Uvula kann ein Würgreflex ausgelöst werden, der insbesondere bei empfindlichen Personen in Erbrechen übergehen kann.

„Der weiche Gaumen zieht vom hinteren Rande des harten Gaumens nach hinten unten und trägt in der Mitte eine Verlängerung, das Zäpfchen, Uvula (palatina).“[4]

Rolle bei der Artikulation von Sprachlauten

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Manche Konsonanten des Deutschen können neben anderen Varianten auch durch Luftreibung an der Uvula oder Vibration der Uvula artikuliert werden, so gibt es etwa eine uvulare vibrierende Form des r-Lauts oder seine geriebene Variante, daneben kann auch der „Ach-Laut“ uvular gebildet werden. In anderen Sprachen, beispielsweise im Französischen und Arabischen, gibt es Konsonanten, die grundsätzlich mit Hilfe der Uvula gesprochen werden; im Englischen hingegen fehlen solche Laute ganz.

Klassifikation nach ICD-10
Q35.7 Uvula-Spalte
K12.28 Uvulitis
J39.2 Uvula-Ödem
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)
Uvula-Ödem

Durch eine Entzündung oder eine mechanische Irritation (etwa durch Schnarchen) kann ein Ödem des Gaumenzäpfchens (Uvulaödem, Uvulitis) auftreten, eine starke und bisweilen sehr unangenehme Anschwellung. Es besteht jedoch in der Regel keine Erstickungsgefahr und die Schwellung geht im Laufe eines Tages von selbst zurück.

Eine Operation mit Verkürzung der Uvula zur Behandlung des Schnarchens wird als Uvulovelopharyngoplastik bezeichnet;[5] sie erfolgt oft anlässlich einer Uvulopalatopharyngoplastik (Abkürzung UPPP oder UP3). Man spricht bei dieser Teilentfernung oder Totalentfernung des Zäpfchens auch von einer Uvulotomie oder von einer Uvulektomie mit einem Uvulamesser (Uvulotom).[6]

Gaumensegelschiefstand Hirnnervenschädigung
Gauemsegelparese Kulissenphänomen

Bei einem Hirnstamminfarkt oder bei einer vaskulären Kompression, die das Kerngebiet des Nervus glossopharyngeus oder den Nervus Vagus betrifft, oder bei peripherer Schädigung des Nerven (Glossopharyngeusparese) kann es zu einer Lähmung des Gaumensegels der betroffenen Seite kommen. Kennzeichnend sind eine Abweichung der Uvula (Uvuladeviation) bei der Phonation zur gesunden Seite (Kulissenphänomen) und ein abgeschwächter Würgreflex.

Während der embryonalen Entwicklung kann es im Mutterleib zu einer medialen Längsspaltung des Gaumenzäpfchens kommen, was als Uvulaspalte (lateinisch Uvula bifida; bi- = zwei-, doppelt; findere = spalten; bifida = zweigeteilt) bezeichnet wird. Die Diagnose eines gespaltenen Gaumenzäpfchens kann auf eine Genmutation hinweisen,[7] die eine verminderte oder fehlende Bildung des Enzyms Phosphoglucomutase 1 (PGM 1) zur Konsequenz hat.

Eine gespaltene Uvula kann also zusammen mit weiteren klinischen Auffälligkeiten ein Hinweis auf einen Mangel an Phosphoglucomutase 1 sein. Die dadurch verursachte seltene autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung PGM1-CDG wird durch verschiedene krankheitsverursachende Varianten im PGM1-Gen hervorgerufen und kann unter anderem Lebererkrankungen, Hypoglykämien, Muskelerkrankungen und eine lebensbedrohliche Kardiomyopathie verursachen. CDG steht hier für Congenital Disorders of Glycosylation, auf deutsch etwa angeborene Störungen der Glykosylierung.

Eine Behandlung mit dem Zucker D-Galactose kann zahlreiche dieser Krankheitserscheinungen bessern.

Chirurgische Uvula-Verkürzungen (Uvulotomien) wurden schon im 12. Jahrhundert beschrieben. Der Militärchirurg Jan Yperman aus Ypern[8] zitierte dazu (um 1400) einen mittelniederländischen Text von Johannes Platearius dem Jüngeren: „dits die beste raet die icker toe can gegeuen genomen vte platearise.“ In modernem Niederländisch bedeutet das ungefähr: »Dit is de beste raad die ik ertoe kan geven, genomen uit Platearius.« Und auf Deutsch: „Dies ist der beste Rat, den ich dazu geben kann, entnommen aus Platearius.“[9]

Der österreichische Anatom Felix Sieglbauer nannte das Zäpfchen kurz Uvula palati (palati = Genitiv Singular von palatum „Gaumen“).[10]

Historische Literatur

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Wiktionary: Uvula – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. ↑ Otto Dornblüth: Klinisches Wörterbuch. 4. Auflage. Veit & Comp., Leipzig 1911, ISBN 978-3-11-131898-1, S. 142.
  2. ↑ Duden: Wörterbuch medizinischer Fachbegriffe. 10. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-411-04837-3, S. 439.
  3. ↑ Walter Guttmann: Medizinische Terminologie. Urban & Schwarzenberg, Berlin/Wien 1902, Spalte 501.
  4. ↑ Friedrich Wilhelm Kopsch (Hrsg.): Rauber's Lehrbuch der Anatomie des Menschen. 9. Auflage, Verlag von Georg Thieme, Abteilung 4: Eingeweide, Leipzig 1911, S. 74; identisch auch in der 14. Auflage, Lehrbuch und Atlas der Anatomie des Menschen. 4. Abteilung, Georg Thieme, Leipzig 1936, S. 72.
  5. ↑ DocMedicus: Uvulovelopharyngoplastik.
  6. ↑ Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 6. Ordner (S–Zz), München/Berlin/Wien 1974, ISBN 3-541-84006-4, S. U 50 f.
  7. ↑ Gespaltenes Zäpfchen verrät seltene Erkrankung. Welt Online; abgerufen am 4. Dezember 2014
  8. ↑ Jan Yperman, auch Jehan oder Johan Yperman, war ein flämischer Wundarzt und medizinischer Schriftsteller des frühen 14. Jahrhunderts. Er wurde vermutlich um 1260–1265 geboren und starb wahrscheinlich um 1330–1332. Über seine Person ist nur wenig sicher bekannt, weil die mittelalterlichen Stadtarchive von Ypern im Ersten Weltkrieg weitgehend zerstört wurden.
  9. ↑ Gundolf Keil, unter Mitwirkung von Herwig Deumens: „dits die beste raet die icker toe can gegeuen genomen vte platearise“. Quellenkundliche Anmerkungen zu Ypermans Medicine. In: Herwig Deumens, Ria Jansen-Sieben (Hrsg.): Geneeskunde in Nederlandstalige teksten tot 1600. Handelingen van het zesde symposium „Geschiedenis der geneeskundige wetenschappen“, ingericht door de Koninklijke Academie voor Geneeskunde van België op 20 maart 2004 (= Academia Regia Belgica Medicinae. Dissertationes. Series historica. Nr. 12). Koninklijke Academie voor Geneeskunde van België, Brüssel 2012, ISBN 978-90-75273-29-8, S. 93–137, hier: S. 134.
  10. ↑ Felix Sieglbauer: Lehrbuch der normalen Anatomie des Menschen. 8. Auflage, Urban & Schwarzenberg, München/Berlin 1958, Register S. 851.