Utsjoki
| Wappen | Karte | |||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Basisdaten | ||||||||||||||||
| Staat: | ||||||||||||||||
| Landschaft: | Lappland | |||||||||||||||
| Verwaltungsgemeinschaft: | Nordlappland | |||||||||||||||
| Geographische Lage | 69° 52′ N, 27° 0′ O | |||||||||||||||
| Fläche: | 5.371,81 km²[1] | |||||||||||||||
| davon Landfläche: | 5.144,29 km² | |||||||||||||||
| davon Binnengewässerfläche: | 227,52 km² | |||||||||||||||
| Einwohner: | 1.137 (31. Dez. 2024)[2] | |||||||||||||||
| Bevölkerungsdichte: | 0,2 Ew./km² | |||||||||||||||
| Gemeindenummer: | 890 | |||||||||||||||
| Sprache(n): | Finnisch, Nordsamisch | |||||||||||||||
| Website: | utsjoki.fi | |||||||||||||||
| Jahr | 1980 | 1985 | 1990 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2016 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 1.479 | 1.548 | 1.514 | 1.568 | 1.555 | 1.521 | 1.457 | 1.412 | 1.394 | 1.401 | 1.402 | 1.385 | 1.367 | 1.363 | 1.361 | 1.241 |
Samen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Utsjoki gehört zum Siedlungsgebiet des indigenen Volks der Samen. 70 % der Einwohner sind ethnische Samen.[7] Damit ist Utsjoki die einzige Gemeinde Finnlands, in der die Samen die Bevölkerungsmehrheit stellen. Allerdings sprechen nur 46 % Samisch als Muttersprache.[8] Die Gemeinde gehört zum gesetzlich festgelegten samischen „Heimatgebiet“ (kotiseutualue), in dem den Samen besondere Minderheitenrechte zustehen. So hat die in Utsjoki verwendete Variante des Samischen, die nordsamische Sprache, in der Gemeinde neben dem Finnischen einen offiziellen Status und darf im Umgang mit den Behörden verwendet werden. Der Samenrat, eine länderübergreifende Nichtregierungsorganisation der Samen aus Finnland, Schweden, Norwegen und Russland, hat in Utsjoki seinen Sitz.
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verwaltung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wie allgemein in den ländlichen Gegenden Finnlands ist auch in Utsjoki die Zentrumspartei die stärkste politische Kraft. Bei der Kommunalwahl 2008 erhielt fast die Hälfte der Stimmen. Im Gemeinderat, der höchsten Entscheidungsinstanz bei lokalen Angelegenheiten, stellt sie acht von 15 Abgeordneten. Die beiden anderen großen Parteien des Landes spielen in Utsjoki dagegen eine untergeordnete Rolle: Die Nationale Sammlungspartei ist nur mit zwei, die Sozialdemokratische Partei mit einem Abgeordneten im Gemeinderat vertreten. Zweitstärkste Kraft im Gemeinderat ist indes die lokale samische Wahlliste Ohcejoga Sámit (Samen von Utsjoki) mit vier Sitzen.
| Partei | Wahlergebnis 2008[9] | Sitze |
|---|---|---|
| Zentrumspartei | 47,7 % | 8 |
| Ohcejoga Sámit | 25,5 % | 4 |
| Nationale Sammlungspartei | 16,1 % | 2 |
| Sozialdemokratische Partei | 5,7 % | 1 |
Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Wappen von Utsjoki wurde von Gustaf von Numers entworfen. Es zeigt im schwarzen Feld ein Polarlicht, darüber einen vierstrahligen Stern, beides in Silber. Das Polarlicht und der Stern symbolisieren den Winter in Lappland.
Städtepartnerschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Utsjoki unterhält seit 1970 eine Städtepartnerschaft mit der norwegischen Nachbarkommune Tana.
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Tenojoki gilt als einer der lachsreichsten Flüsse Europas und zieht daher viele Angeltouristen in die Gegend. Auch der Tagestourismus von Norwegern, die im preiswerteren Nachbarland Finnland einkaufen, ist von großer Bedeutung. Neben dem Tourismus ist auch die Rentierzucht der oft noch halbnomadisch lebenden Samen einer der Haupterwerbszweige.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Wegen der extrem geringen Bevölkerungsdichte sind weite Teile Utsjokis wegelos, seit den 1970er Jahren sind aber sämtliche Siedlungen auf dem Straßenweg erreichbar. Die größte Verkehrsader ist die Staatsstraße 4, die wichtigste Nord-Süd-Verbindung Finnlands, die über Inari aus Südfinnland kommend in Nord-Süd-Richtung durch Utsjoki bis zur norwegischen Grenze beim Kirchdorf Utsjoki führt. Die Hauptstraße 92 zweigt in Kaamanen in der Gemeinde Inari von der Staatsstraße 4 ab und führt ins Dorf Karigasniemi in Utsjoki. Die Regionalstraße 970 folgt dem rechten Ufer des Tenojoki und führt von Nuorgam über Utsjoki nach Karigasniemi. Sie setzt sich als unbefestigte Landstraße 9704 ins Dorf Angeli in der Gemeinde Inari fort. Von Nuorgam führt ferner die kleinere Straße 19999 zum Pulmankijärvi-See. In Utsjoki gibt es drei Grenzübergangsstellen nach Norwegen: In Utsjoki führt die 1993 erbaute Brücke Saamen silta über den Tenojoki auf das gegenüberliegende norwegische Ufer, wo sich die Europastraße 75 fortsetzt. Karigasniemi ist ebenfalls über eine Brücke über den Tenojoki mit dem norwegischen Karasjok verbunden. In Nuorgam besteht ein Grenzübergang nach Polmak in Norwegen.
Utsjoki wurde erst sehr spät ans Straßennetz angebunden. Zuvor waren die Siedlungen nur per Boot über den Tenojoki erreichbar, wobei die Boote teilweise an Stromschnellen vorbeitransportiert werden mussten. Im Winter konnte der zugefrorene Tenjoki auch mit dem Auto befahren werden. Die erste Straßenverbindung von Kaamanen nach Karigasniemi entstand während des Zweiten Weltkrieges, die Straße von Kaamanen nach Utsjoki wurde 1957 eröffnet. Ursprünglich bildete der Abschnitt von Kaamanen nach Karigasniemi das Schlussstück der Staatsstraße 4, erst nach Fertigstellung der Brücke Saamen silta 1993 wurde die Staatsstraße 4 nach Utsjoki umgeleitet und die Strecke Kaamanen-Karigasniemi in die Hauptstraße 92 umgewandelt. Als letzte Siedlung wurde Nuorgam erst 1971 an das Straßennetz angebunden. 1983 entstand schließlich die Querverbindung von Karigasniemi nach Utsjoki.
Von Ivalo aus bestehen Busverbindungen über Utsjoki nach Nuorgam sowie nach Karigasniemi. Nach Norwegen verkehren Busse von Karigasniemi nach Karasjok sowie von Nuorgam nach Tana. An das Eisenbahnnetz ist Utsjoki nicht angebunden, die nächsten Bahnhöfe sind Kolari 386 km südwestlich und Rovaniemi 453 km südlich. Die nächsten Flughäfen befinden sich in Lakselv, Vadsø und Kirkenes in Norwegen bzw. auf finnischer Seite in Ivalo.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Tal des Flusses Utsjoki gehört offiziell zu den finnischen „Nationallandschaften“. Dies verdankt das Flusstal neben seiner landschaftlichen Schönheit einem kulturgeschichtlich wertvollen Ensemble, das sich am Ufer des Utsjoki durchflossenen Sees Mantojärvi sechs Kilometer südlich des Gemeindezentrums erhalten hat. Die Kirche von Utsjoki steht auf einem kleinen Hügel oberhalb des Sees. Der Granitbau wurde 1850–1853 nach Plänen von Ernst Bernhard Lohrmann erbaut. Der hölzerne Vorgängerbau wurde nach Fertigstellung der neuen Kirche abgetragen, von ihm ist nur noch die gezimmerte Sakristei aus dem Jahr 1776 erhalten. Gegenüber der Kirche am Ufer des Mantojärvi stehen 14 historische Kirchenstuben. Die Holzbauten stammen aus dem frühen 19. Jahrhundert und dienten bis in die 1930er Jahre dazu, weit angereiste Kirchenbesucher unterzubringen. Ebenfalls nahe der Kirche befindet sich das repräsentative Pfarrhaus, das 1843 von Carl Ludwig Engel im Stil des Klassizismus entworfen wurde. Angeschlossen sind einige falunrot gestrichene Wirtschaftsgebäude, deren älteste aus dem 18. Jahrhundert stammen.

Neben der Kulturlandschaft von Mantojärvi hat sich in Utsjoki auch an einigen anderen Stellen alte Bausubstanz erhalten. Hierzu gehören alte Fischerhütten aus dem 19. Jahrhundert auf der Flussinsel Lohisaari im Tenojoki, das frühere samische Winterdorf Talvadas am Ufer des Tenojoki sowie die Gebäudeensembles von Mieraslompolo am Utsjoki und Välimaa am Tenojoki.
Am Ufer des Tenojoki zwischen Utsjoki und Nuorgam befindet sich eine alte Schotterstraße von Nivajoki nach Alajalve. Sie diente ursprünglich dazu, Boote an den unpassierbaren Alaköngäs-Stromschnellen des Tenojoki vorbeizutransportieren. 1928 wurde der sechs Kilometer lange Weg in das öffentliche Straßennetz integriert, obwohl er keine Verbindung zum übrigen Straßennetz hatte. Nach der Fertigstellung der Straßenverbindung nach Nuorgam wurde die parallel verlaufende alte Straße in eine Museumsstraße umgewandelt. Eine zweite Museumsstraße findet sich am Ufer des Utsjoki. Es handelt sich um einen ebenfalls sechs Kilometer langen Abschnitt des historischen Postwegs nach Utsjoki.
Söhne und Töchter der Gemeinde
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eino Guttorm (1941–2005), Schriftsteller
- Rauni Magga Lukkari (* 1943), Schriftstellerin
- Rauni Manninen (* 1946), Schriftstellerin
- Jovnna-Ánde Vest (* 1948), Schriftsteller
- Inger-Mari Aikio (* 1961), Schriftstellerin
- Anne Nuorgam (* 1964), Politikerin
Quellen und weiterführende Informationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Maanmittauslaitos (finnisches Vermessungsamt): Suomen pinta-alat kunnittain 1. 1. 2010. (PDF-Datei; 194 kB)
- ↑ Statistisches Amt Finnland: 11ra -- Key figures on population by region
- ↑ Stand 2004, Gemeinde Utsjoki: Tenonjoen kehittämissuunnitelma ja rantaosayleiskaavat (Entwicklungs- und Uferflächennutzungsplan für den Tenojoki) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive ), S. 14.
- ↑ Gemeinde Utsjoki: Tenonjoen kehittämissuunnitelma ja rantaosayleiskaavat (Entwicklungs- und Uferflächennutzungsplan für den Tenojoki) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive ), S. 15.
- ↑ Tilastokeskus (finnisches Statistikamt) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )
- ↑ Tilastokeskus (finnisches Statistikamt) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )
- ↑ Stand 2000, Finnisches Sozial- und Gesundheitsministerium ( vom 17. Januar 2008 im Internet Archive)
- ↑ Stand 2006, Tilastokeskus (finnisches Statistikamt) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive )
- ↑ Finnisches Justizministerium: Ergebnis der Kommunalwahlen 2008