Ursulasried
Ursulasried Stadt Kempten (Allgäu) | |
|---|---|
| Koordinaten: | 47° 45′ N, 10° 19′ O |
| Höhe: | 660 m ü. NN |
| Postleitzahl: | 87437 |
| Vorwahl: | 0831 |
Filialkirche St. Ursula in Ursulasried | |
Ursulasried ist ein Ortsteil, Kirchdorf und ausgedehntes Gewerbegebiet der kreisfreien Stadt Kempten (Allgäu). Der Ort gehört zur Gemarkung Sankt Mang.[1]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Archäologische Funde belegen eine frühe Besiedlung des Areals. 1913 wurden römische Objekte entdeckt, in den 1990er-Jahren bestätigten Grabungen der Kemptener Stadtarchäologie die Überreste eines Siedlungsplatzes.[2] In der amtlichen Denkmalliste ist eine villa rustica (Bodendenkmal D-7-8227-0166) verzeichnet.[3]
Eine erste urkundliche Erwähnung stammt von 1378, als eine Kapelle „zu den 11 000 Mägten ze Ried“ genannt wird.[4] 1432 setzte die Reichsstadt Kempten nach Streitigkeiten mit dem Fürststift einen Heiligenpfleger für die Kapelle ein.[5] Im Bauernkrieg 1525 erlitt Ursulasried Brandschäden, 1530 verlor die Reichsstadt infolge der Reformation das Patronatsrecht über die Kapelle an das Bistum Augsburg.[4] 1640 wurde die verfallene Kapelle vom Fürststift erneuert.[4]
1802 fand in Ursulasried eine Vereinödung mit 17 Teilnehmern statt, dokumentiert im „Schätzungsrapular“ des Staatsarchivs Augsburg.[6] 1819 zählte das Kirchdorf 13 Häuser mit 63 Einwohnern und gehörte zur Hauptmannschaft Leubas.[7]
Am 1. Juli 1972 wurde die bis dahin eigenständige Ruralgemeinde Sankt Mang nach Kempten eingegliedert.[8] 1975 nahm das Müllheizkraftwerk Kempten den Betrieb auf.[8]
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Exakte Einwohnerzahlen nur für Ursulasried werden von der Stadt Kempten nicht veröffentlicht. Ursulasried ist im statistischen Bezirk 70 („Leubas/Ursulasried“) zusammengefasst. Dieser zählte zum 31. Dezember 2013 1.378 Einwohner[9] und zum 31. Dezember 2017 1.409 Einwohner.[10] Frühere Angaben nennen 134 Einwohner im Jahr 1954 sowie gemeinsam mit dem benachbarten Weiler Riederau 193 Einwohner im Jahr 1987.[11][12]
Religion und Bauwerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die römisch-katholische Filialkirche St. Ursula in Ursulasried gehört zur Pfarrei St. Magnus (Dekanat Kempten, Bistum Augsburg).[13][4] Das Kirchengebäude ist als Baudenkmal erfasst; als Bodendenkmal sind zudem Befunde im Bereich der Kirche gelistet (D-7-8227-0165).[3] Adresse: Ursulasrieder Straße 30.[14]
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ursulasried ist ein bedeutender Gewerbestandort Kemptens. Hier befinden sich u. a.:
- das Müllheizkraftwerk Kempten (MHKW);[15]
- die Fahrsicherheitsanlage des ADAC (Dieselstraße 44);[16]
- eine Niederlassung der BayWa (Ursulasrieder Straße 21–27);[17]
- die Firmenzentrale der Feneberg Lebensmittel GmbH (Ursulasrieder Straße 2);[18]
- die Liebherr-Verzahntechnik GmbH (Kaufbeurer Straße 141).[19]
Das Gewerbegebiet Ursulasried weist nach Angaben der Stadt Kempten einen Bodenrichtwert von 50 bis 90 Euro pro Quadratmeter auf.[20]
Auf dem Gelände der ehemaligen Deponie Ursulasried wurde 2011/2012 ein Solarpark als Bürgerbeteiligungsprojekt des Allgäuer Überlandwerks umgesetzt.[21][22][23]
Kultur / Museumsdepot
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Ursulasried entstand ein neues Museumsdepot für die Sammlungen des Stadtmuseums Kempten. Der Bau begann 2020 und kostete rund 6,2 Millionen Euro. Es bietet Platz für etwa 40 000 Kunst- und Kulturobjekte.[24][25]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Heinrich Uhlig: Sankt Mang. Geschichte einer Allgäuer Gemeinde. Kempten 1955, S. 471–473.
- Gerhard Weber: Ein neuentdeckter römischer Siedlungsplatz in Ursulasried; Stadt Kempten, Allgäu. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 1994. 1995, S. 116–118.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Zweckverband Abfallwirtschaft Kempten (ZAK): 40 Jahre ZAK (1972–2012). S. 9 u. Umschlag (Standort MHKW im Gewerbegebiet Ursulasried. zak-kempten.de PDF), abgerufen am 20. August 2025.
- ↑ Gerhard Weber: Ein neuentdeckter römischer Siedlungsplatz in Ursulasried; Stadt Kempten, Allgäu. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 1994. 1995, S. 116–118 (bayerische-bibliographie.de), abgerufen am 20. August 2025.
- 1 2 Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Kempten (Allgäu) – Bodendenkmäler. S. 39–40 (D-7-8227-0165/-0166 „St. Ursula“/„Villa rustica“. geodaten.bayern.de Liste PDF, Stand 25. Juli 2025), Abgerufen am 20. August 2025.
- 1 2 3 4 Pfarreiengemeinschaft Kempten-Ost: St. Ursula (Ursulasried/Leubas). Abgerufen am 20. August 2025: pg-kempten-ost.de
- ↑ Inventar Reichsstadt Kempten, Ratsprotokolle 1431/32, Stadtarchiv Kempten, Signatur RAK 1432/I. Abgerufen am 20. August 2025: stadtarchiv-kempten.de
- ↑ Staatsarchiv Augsburg: Schätzungsrapular zur Vereinödung von Ursulasried, September 1802. Signatur: Fürststift Kempten, Hofkammer, Rep. 11, Nr. 187. Abgerufen am 20. August 2025: gda.bayern.de
- ↑ Statistische Erhebung 1819, Regierungsblatt für den Kreis Schwaben und Neuburg, S. 214. Digitalisat Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 20. August 2025: digitale-sammlungen.de
- 1 2 Stadt Kempten (Allgäu): Zeittafel – von der Antike bis in die Gegenwart. Eintrag 1972. Abgerufen am 20. August 2025: kempten.de
- ↑ Stadt Kempten (Allgäu): Jahresbericht 2013, Kapitel III – Statistik, „Räumliche Verteilung und Struktur der Gesamtbevölkerung“, S. 89. PDF, abgerufen am 20. August 2025: kempten.de
- ↑ Stadt Kempten (Allgäu): Jahresbericht 2017, Kapitel III – Statistik, „Räumliche Verteilung und Struktur der Gesamtbevölkerung“, S. 82–84. PDF, abgerufen am 20. August 2025: kempten.de
- ↑ Heinrich Uhlig: Sankt Mang. Geschichte einer Allgäuer Gemeinde. Verlag des Heimatpflegers von Schwaben, Kempten (Allgäu) 1955, S. 471–473.
- ↑ Stadt Kempten (Allgäu): Statistik 1987. Zitiert nach Kreisbote, 12. Juni 1987, S. 5.
- ↑ Bistum Augsburg: Dekanat Kempten (Allgäu) – Pfarreien. Abgerufen am 20. August 2025: bistum-augsburg.de
- ↑ Denkmal-Atlas Bayern, Objekt „St. Ursula“, Aktennr. D-7-63-000-284. Abgerufen am 20. August 2025: geoportal.bayern.de
- ↑ Zweckverband Abfallwirtschaft Kempten (ZAK): ZAK-Journal 2021, S. 8 f. (MHKW im Gewerbegebiet Ursulasried; Netzausbau seit 1996). PDF, abgerufen am 20. August 2025: zak-kempten.de
- ↑ ADAC Fahrsicherheitszentrum Kempten: Standort & Kontakt. Abgerufen am 20. August 2025: fsz-kempten.adac.de
- ↑ BayWa AG: Standorte – Kempten (Allgäu), Ursulasrieder Str. 21–27. Abgerufen am 20. August 2025: baywa-baustoffe.de
- ↑ Feneberg Lebensmittel GmbH: Impressum. Abgerufen am 20. August 2025: feneberg.de
- ↑ Liebherr-Verzahntechnik GmbH: Standort Kempten (Allgäu). (liebherr.com) Abgerufen am 20. August 2025.
- ↑ Stadt Kempten (Allgäu): Zahlen · Daten · Fakten 2024/2025. Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung, S. 5 (kempten.de PDF) Abgerufen am 20. August 2025.
- ↑ Stadt Kempten (Allgäu): Bebauungsplan „Solarpark – Deponie Ursulasried“ (Begründung, 16.09.2011kempten.de PDF), abgerufen am 20. August 2025.
- ↑ Kempten – Bürgerbroschüre Masterplan 2050 (Stadt Kempten), S. 18. PDF, abgerufen am 20. August 2025: lebenswertes-kempten.de
- ↑ Kreisbote: Ein Solarpark für alle (8. Februar 2011). Abgerufen am 20. August 2025: kreisbote.de
- ↑ Ralf Lienert: Hier entsteht eine neue Heimat für 40.000 Kunstschätze. In: Allgäuer Zeitung. 29. Oktober 2020 (allgaeuer-zeitung.de) Abgerufen am 20. August 2025.
- ↑ Klaus-Peter Mayr: Neues Museumsdepot in Kempten: Endlich ist die Schatzkammer fertig. In: Allgäuer Zeitung. 26. Mai 2023 (allgaeuer-zeitung.de) Abgerufen am 20. August 2025.
