Der Weltpostverein (WPV; englischUniversal Postal Union, französischUnion postale universelle, kurz UPU) wurde 1874 gegründet und regelt bis heute die internationale Zusammenarbeit der Postunternehmen bzw. -behörden und die Rahmenbedingungen des grenzüberschreitenden Postverkehrs. Der Hauptsitz des Weltpostvereins ist seit der Gründung in Bern in der Schweiz. Er hat seit dem 4. Oktober 2011 insgesamt 192 Mitgliedstaaten. Hauptrechtsgrundlagen des Vereins sind die Satzung (Constitution) vom 10. Juli 1964, ergänzt durch die Allgemeine Verfahrensordnung (Règlement général), sowie der Weltpostvertrag(Convention postale universelle).[1]
Auf dem Weltpostkongress in Wien 1891 wurden alle bestehenden Verträge erneuert. Die Änderungen traten am 1. Juli 1892 in Kraft, das neu hinzugekommene Postzeitungsabkommen am 1. Januar 1893. Die auf dem Kongress in Washington 1897 erzielten Verbesserungen traten am 1.Januar 1899 in Kraft.
Am 4. Juli 1947 wurde der Weltpostverein eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Er ist mit 192 Mitgliedstaaten das internationale Forum für die Kooperation zwischen Postverwaltungen (oder den entsprechenden Postministerien und Regulierungsbehörden) und Postunternehmen.
Sonderbriefmarke zum 50-jährigen Bestehen des Weltpostvereins 1924 zeigt den Mitbegründer Heinrich von Stephan.75 Jahre Weltpostverein mit einer Abbildung von Stephans, Erstausgabe am 9. April 1949
Von Bern aus wird alle vier Jahre (bis 2004 betrug das Intervall durchweg fünf Jahre) der Weltpostkongress organisiert. Generaldirektor des Internationalen Büros des Weltpostvereins war von 2013 bis 2021 Bishar Hussein aus Kenia.[4] Seit dem 1. Januar 2022 bekleidet der japanische Politiker Masahiko Metoki den Posten des Generaldirektors.[5]
An die Bedeutung der Stadt Bern für das weltweite Postwesen erinnert das dortige Weltpost-Denkmal.
Seit 1969 findet jährlich am 9. Oktober, dem Jahrestag der Gründung des Weltpostvereins, der Weltposttag statt.
Der Weltpostvertrag von 1874 regelt die internationale Zusammenarbeit der Postunternehmen und -behörden, die Rahmenbedingungen des grenzüberschreitenden Postverkehrs und die Abrechnung der dabei anfallenden Postgebühren.[6] Bis heute besteht die Hauptaufgabe des Weltpostvereins in der Sicherstellung einer weltumspannenden, zeitnahen Zustellung von Briefen und Paketen über Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Die Notwendigkeit einer koordinierenden Instanz wie des Weltpostvereins wird deutlich angesichts der Zahlen, die das weltweite Postwesen beschreiben (Stand 2014)[7]:
7,4 Milliarden Pakete (davon 101 Millionen grenzüberschreitend)
Zahlreiche Übereinkommen (Arrangements) zum Weltpostvertrag wurden bei den Weltpostkongressen beschlossen. Auf dem Kongress 1999 in Peking wurde z.B. das Postzahlungsdienste-Übereinkommen verabschiedet, welches das Postgiroübereinkommen, das Postanweisungsübereinkommen und das Postnachnahmeübereinkommen zusammenfasst.
Praktische Bedeutung für den einzelnen Postkunden hatte der Weltpostverein vor allem bei Verlust von Sendungen. So richtete sich beispielsweise der Entschädigungsbetrag für eine verlorene Einschreibsendung zunächst nach dem Goldfranken (für eine Einschreiben-Sendung gab es 75 Goldfranken), später nach Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds, wobei immer eine Umrechnung in die Währung des Landes des Absenders stattfand.
Der Weltpostverein gibt auch den Internationalen Antwortschein(Coupon-réponse international) heraus. Dieser Kupon kann in jedem Land der Welt in Briefmarken umgetauscht werden, deren Nennwert dem billigsten Auslandsbrief entspricht. Auf diese Weise kann ein Absender die Kosten für einen Antwortbrief übernehmen. Die von den Postverwaltungen in Briefmarken umgetauschten Antwortscheine werden an den Weltpostverein gesandt, mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Antwortscheinen der jeweiligen Postverwaltung verrechnet und gegebenenfalls Mehrausgaben erstattet.
Die ersten neun Direktoren (bis 1966) stammten alle aus der Schweiz und wurden vom Bundesrat gewählt. Danach lag die Wahl in der Kompetenz der Weltpostkongresse.
Anfang August 2012 wurde die Top-Level-Domain.post in die Root-Zone der ICANN eingetragen.[8] Der Weltpostverein tritt dabei als sogenannter Sponsor der generischen Domain auf und ist auch für deren Vergabe an dritte Personen und Unternehmen verantwortlich. Allerdings gibt es aufgrund der absehbar hohen Anforderungen an Registrare derzeit keine Provider, die eine Registrierung von .post-Domains ermöglichen.[9]
Französisch ist die offizielle Sprache des Weltpostvereins. 1994 wurde Englisch als Arbeitssprache hinzugefügt. Der Großteil der Dokumente und Veröffentlichungen ist in den Amtssprachen der Vereinten Nationen zuzüglich Portugiesisch verfügbar.[10] Als Übersetzungshilfe für Fachbegriffe des Postwesens stellt der Weltpostverein die Datenbank Termpost zur Verfügung.
Fritz Koller, Hans Friedrich Leinung: 40 Jahre Vollzugsrat des Weltpostvereins, in: Jahrbuch der Deutschen Bundespost 1987 S.9–100.
Marc Moser: 100 Jahre Weltpostverein. (Fortsetzungsartikel) In: Archiv für deutsche Postgeschichte 1974 Nr.1 S.3–26 und 1975 Nr.1 S.21–78.
Hans Paikert, Armin Gasser, Dietrich Oldenburg: Union Postale Universelle UPU. Die UPU-Studie. Philatelistische Belege zum Thema Weltpostverein, Düsseldorf 1979.
O. Veredarius: Das Buch von der Weltpost, Berlin 1885.
100 Jahre Weltpostverein. In: Sammler Express Ausgabe Nr. 17/1974, S.390f
Moussibahou Mazou, L'Union postale universelle – Passé, présent et avenir, Maisonneuve & Larose / Servedit, Paris 2004