Trolleit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt überwiegend massige bis schuppige Aggregate mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Das Mineral ist in reiner Form farblos und durchsichtig. Aufgrund von Fremdbeimengungen ist es jedoch von überwiegend blassblauer bis blassgrüner Farbe.
Das Typmaterial wird im Mineralogischen Museum des Instituts für Geowissenschaften der Universität Breslau (englischMineralogical Museum of the Institute of Geological Science, University of Wracłav; MMUWr[8]) unter der Sammlungsnummer MMWr II-9575 aufbewahrt.[9]
Da der Trolleit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Trolleit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[2] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Trolleit lautet „Tll“.[1]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Trolleit die System- und Mineralnummer 41.11.01.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit verschiedenen Formeln“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 41.11.01.
In der (theoretisch) idealen Zusammensetzung von Trolleit (Al4(PO4)3(OH)3) besteht das Mineral im Verhältnis aus je vier Teilen Aluminium (Al), drei Teilen Phosphor (P), 15 Teilen Sauerstoff (O) und drei Teilen Wasserstoff (H) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Stoffmengenverhältnis (Gewichtsprozent) von 24,32Gew.-%Al, 20,93Gew.-%P, 54,07Gew.-%O und 0,68Gew.-%H[11] oder in der Oxidform 45,94Gew.-%Aluminiumoxid (Al2O3), 47,97Gew.-%Phosphorpentoxid (P2O5) und 6,09Gew.-%H2O.[4]
Die Analyse natürlicher Mineralproben am Typmaterial aus der Grube Västanå ergab dagegen eine leicht abweichende Zusammensetzung von 43,26Gew.-%Al2O3, 46,72Gew.-%P2O5 und 6,23Gew.-%H2O sowie Fremdbeimengungen von 2,75Gew.-%Eisen(III)-oxid (Fe2O3) und 0,97Gew.-%Calciumoxid (CaO).[6]
Bei einer chemisch ähnlichen Mineralprobe vom Hökensås (auch Hökensäs) in der Gemeinde Tidaholm (ebenfalls Schweden) ergab die Analyse eine Zusammensetzung von 43,87Gew.-%Al2O3, 48,00Gew.-%P2O5 und einen ermittelten Wassergehalt von 7,77Gew.-% bei nur geringen Beimengungen von 0,34Gew.-%Fe2O3 und 0,02Gew.-%CaO.[6]
Die Kristallstruktur besteht aus zwei flächenteilenden Al[6]-Oktaedern, die Al2O6(OH)3-Dimere bilden und über gemeinsame Ecken zu Doppelketten parallel der c-Achse [001] verbunden sind. Diese werden wiederum durch PO4-Tetraeder zu einem dreidimensionalen Gerüst verknüpft.[3]
Als seltene Mineralbildung konnte Trolleit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2024).[13] Außer in der Eisengrube Västanå fand sich Trolleit in Schweden nur noch im Steinbruch Hålsjöberg in der Gemeinde Torsby und am Hökensås in der Gemeinde Tidaholm.
Innerhalb von Europa kennt man das Mineral bisher nur aus der Chizeuil Mine bei Chalmoux in der französischen Region Bourgogne-Franche-Comté, aus einem pyrophaltigen Aufschluss südlich von Case Parigi in der Gemeinde Martiniana Po (Piemont) in Italien sowie vom Cap de Creus und aus El Port de la Selva in der spanischen Provinz Girona (Katalonien).
Trolleite search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 11.Februar 2024(englisch).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.446 (englisch).
123456Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
1234567
Trolleite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 11.Februar 2024]).
123456Trolleite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 11.Februar 2024(englisch).
↑Michael Fleischer, J. A. Mandarino, Hugo Strunz, F. Cech:New mineral names. New Data. In: American Mineralogist. Band50, 1965, S.261–268 (englisch, rruff.info[PDF; 571kB; abgerufen am 13.Februar 2024]).
↑Localities for Trolleite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 14.Februar 2024(englisch).
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Fundortliste für Trolleitebeim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 11. Februar 2024.