Trench Group
| Trench Group GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Sitz | Berlin, Deutschland |
| Leitung | Bahadir Basdere (CEO) |
| Mitarbeiterzahl | ca. 3.000 (2026) |
| Umsatz | 906,5 Mio. € (2025) |
| Branche | Elektrotechnik |
| Website | trench-group.com |
Trench Group GmbH ist ein Hersteller von Hochspannungskomponenten mit Sitz in Berlin und war bis April 2024 Teil des Siemens-Energy-Konzerns. Das Unternehmen produziert Durchführungen (Bushings), Messwandler (Instrument Transformers) und Luftspulen (Coils) für Hochspannungsübertragungsnetze und beliefert Netzbetreiber sowie Systemlieferanten weltweit.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Unternehmen blickt auf eine über 125-jährige Geschichte zurück. Der Name geht auf den kanadischen Ingenieur Tony (Anthony) Trench zurück, der in den frühen 1960er Jahren mit der Herstellung von feststoff-isolierten Luftspulen (Dry Type Air Core Reactors) für Hochspannungsanlagen begann.
Im Jahr 2004 kaufte Siemens die Trench Group mit 1.800 Mitarbeitern. Der Kaufpreis betrug 285 Millionen Euro. Trench produzierte zu der Zeit in Europa neben dem deutschen Standort in Bamberg noch in Österreich, in der Schweiz, in Großbritannien und Frankreich. Weltweit produzierte die Gruppe in China, Brasilien und Kanada.[1] Nach der Abspaltung von Siemens Energy im April 2020 wurde Trench Teil der Siemens Energy.
Bis April 2024 war die Trench Group Teil des Siemens Energy-Konzerns. Im Oktober 2023 gab Siemens Energy bekannt, das Geschäft im Rahmen eines Carve-out an den Finanzinvestor Triton Partners zu veräußern. Der Kaufpreis lag im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Siemens Energy sicherte sich im Zuge der Transaktion einen langfristigen Liefervertrag, da die Hochspannungskomponenten der Trench Group weiterhin für eigene Transformatoren und Schaltanlagen benötigt werden. Die Transaktion wurde im April 2024 vollzogen.[2][3]
Produkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Durchführungen
(engl. Bushings) verbinden Überlandkabel mit Transformatoren und isolieren den Strom bei Höchstspannungen von 380 Kilovolt und mehr. Die Bauteile sind zwischen einem und fünfzehn Metern lang und können einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen. Der Kern wird aus dünnen Aluminiumfolien gefertigt, die abwechselnd mit Papierlagen aufgebaut und anschließend in Kunstharz eingebettet werden.[3][4]
- Messwandler
(engl. Instrument Transformers) messen Strom und Spannung in Umspannwerken bei Spannungen von bis zu über einer Million Volt. Im Bereich der Hochspannungs-Messwandler gilt Trench als Technologieführer.[3][4]
- Luftspulen
(engl. Coils) stabilisieren Spannung und Frequenz im Stromnetz. Sie haben einen Durchmesser von bis zu fünf Metern.[3][4]
Unternehmensstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Unternehmenssitz befindet sich in Berlin. Die Trench Group unterhält elf Produktionsstandorte in acht Ländern, darunter Werke in Deutschland (Bamberg und Troisdorf, unter der Marke HSP Hochspannungsgeräte GmbH), Kanada, China, Österreich sowie in Frankreich, Italien und Bulgarien.
Ende Februar 2026 nahm ein neu errichtetes Werk der Tochtergesellschaft HSP USA im US-Bundesstaat North Carolina (Charlotte) den Montagebetrieb auf; die offizielle Eröffnung ist für Juli 2026 geplant. Die Investitionssumme beläuft sich auf rund 60 Millionen US-Dollar.[2][5]
CEO ist Bahadir Basdere, promovierter Maschinenbauingenieur, der das Unternehmen seit 2019 leitet und zuvor zwanzig Jahre bei Siemens tätig war.[2]
Akquisitionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im September 2025 übernahm die Trench Group das australische Technologieunternehmen H Nu und erweiterte damit ihr Portfolio um faseroptische Messwandler-Technologie (Fiber Optic Current Sensors). Die Technologie bietet besondere Vorteile bei der Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HVDC) und soll als künftiger Standard für Hochspannungsmessungen qualifiziert werden. Es war die erste Akquisition in der Unternehmensgeschichte der Trench Group.[6]
Im Dezember 2025 schloss die Trench Group eine Vereinbarung mit Maschinenfabrik Reinhausen über den Erwerb der Composite-Isolator-Produktionsanlagen von Reinhausen Power Composites (RPC). Die Transaktion umfasst Maschinen, Anlagen, Software sowie geistiges Eigentum für die Fertigung von Hohlkern-Verbundisolatoren (Hollow-Core Composite Insulators) bis 800 kV. Die Anlagen sollen ab Sommer 2026 in das Trench-Werk in Bamberg überführt werden.[3][7]
Im März 2026 schloss die Trench Group die Übernahme des italienischen Herstellers Enerlux Power SRL ab (Wirksamkeit: 2. März 2026). Enerlux mit Sitz in Viadana produziert Kondensatoren und Systeme zur Leistungsfaktorkompensation für Mittel- und Hochspannungsanwendungen und wird in die Business Unit Grid Reliability der Trench Group integriert.[8]
Kunden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Trench Group beliefert Netzbetreiber wie TenneT, 50Hertz und Amprion sowie internationale Systemlieferanten, darunter Siemens Energy, GE Vernova und Hitachi Energy. Einige dieser Systemlieferanten sind zugleich Wettbewerber im Markt für Hochspannungskomponenten.[2][4][8][9]
Wirtschaftliche Kennzahlen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Umsatz stieg von rund 500 Millionen Euro (2022/23) auf 906,5 Millionen Euro (2025), ein Zuwachs von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 683,6 Mio. €). Der Auftragsbestand beläuft sich auf rund 1,8 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 3.000 Mitarbeiter (Stand Anfang 2026), gegenüber rund 2.500 zum Zeitpunkt des Carve-out 2023/24.[2][3][8][10]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Siemens Dialog: Siemens PTD kauft Trench Group. Abgerufen am 16. Mai 2023 (deutsch).
- 1 2 3 4 5 Annette Becker: Extremes Wachstum fordert Trench Group heraus. In: Börsen-Zeitung. 8. April 2026, abgerufen am 13. Mai 2026.
- 1 2 3 4 5 6 Clara Thier: Energiewende: „Wenn wir nicht expandieren, verlieren wir Marktanteile“. In: WirtschaftsWoche. 5. April 2026, abgerufen am 13. Mai 2026.
- 1 2 3 4 Axel Höpner, Arno Schütze: Siemens Energy: Krisenkonzern verkauft Hochspannungs-Sparte Trench an Triton. In: Handelsblatt. 13. Oktober 2023, abgerufen am 13. Mai 2026.
- ↑ Trench Group commits to America's Grid transformation: 765 kV Instrument Transformer Project Awarded for Texas buildout, $60M U.S. Factory Grand Opening July 2026. In: AP News. 4. Mai 2026, abgerufen am 13. Mai 2026 (englisch).
- ↑ Trench Group übernimmt australisches Technologieunternehmen H Nu / Optische Messwandler der nächst. In: Pressemitteilung auf ad-hoc-news.de. Abgerufen am 13. Mai 2026.
- ↑ Trench Group to Acquire Composite Insulator Assets from Reinhausen Power Composites. In: Transformer Technology. 18. Dezember 2025, abgerufen am 13. Mai 2026.
- 1 2 3 Laura Peichl: Trench Group schließt Übernahme von Enerlux Power ab. In: i-Magazin. 4. März 2026, abgerufen am 13. Mai 2026.
- ↑ Björn Hartmann: Ohne diese Firma bliebe vieles dunkel – das steckt hinter Trench. In: Berliner Morgenpost. 13. Juli 2025, abgerufen am 13. Mai 2026.
- ↑ Geschäftsjahr 2025: Trench Group setzt Wachstumskurs fort, Umsatz steigt um mehr als 30 Prozent. 16. Dezember 2025, abgerufen am 13. Mai 2026.