Satellitenaufnahme des Tarimbeckens mit der Taklamakan-Wüste; im Südwesten Ausläufer des Himalaya. Das Tian-Shan-Gebirge befindet sich im oberen Bildteil nördlich des Tarimbeckens. In der linken oberen Bildecke der Yssyk-Köl-See. (NASA/MODIS/Blue Marble)
Satellitenaufnahme des Tarimbeckens mit der Taklamakan-Wüste; im Südwesten Ausläufer des Himalaya. Das Tian-Shan-Gebirge befindet sich im oberen Bildteil nördlich des Tarimbeckens. In der linken oberen Bildecke der Yssyk-Köl-See. (NASA/MODIS/Blue Marble)
Der Name des Gebirges lautet „Himmlisches Gebirge“ oder sinngemäß „Göttliche Berge“ – chinesisch天山, PinyinTiān Shān, genauer 天山山脉, Tiān Shān Shānmài–„Himmelsgebirge“. Diese Bezeichnung wird je nach Sprache direkt übernommen: kirgisischТян Шан(Tjan Schan), russischТянь Шань(Tjanj Schanj) wie auch deutschTienschan– oder es wird übersetzt: uigurischتەڭرىتاغTəngritaƣ/Täŋritağ („Gottes Berg“), englischCelestial Mountains („Himmlische Berge“).
Der Tian Shan ist rund 2450km[2] lang, etwa 400km breit und bis zu 7439m hoch.
Im Südwesten schließt sich, getrennt durch das Ferghanatal, die langgestreckte Gebirgskette des Alai an. Der Tian Shan verläuft von den früheren Sowjetrepubliken Tadschikistan, Usbekistan und Kirgisistan im Wesentlichen in Ost-West-Richtung bis weit nach China hinein, wo er in den Ebenen der Wüste Gobi endet.
Der chinesische Tian Shan wird geographisch entlang der Straße, die von Ürümqi nach Korla verläuft, in West-Tian Shan und Ost-Tian Shan aufgeteilt. Der Ost-Tian Shan erstreckt sich in Richtung Osten und wird dabei tektonisch in drei weitere Berggürtel aufgespalten, von denen der nördlichere nach 700km mit dem Bergkamm Karlik Shan endet, unweit zur mongolischen Grenze, inmitten der Wüste Gobi, zwischen dem Dzungarischen Becken im Norden und dem Turfan-Hami-Becken im Süden.[3]
Die höchsten Berge des Tian Shan sind Dschengisch Tschokusu (kirg.Жеңиш Чокусу; chin.托木尔峰Tuōmù'ěr Fēng; rus.Пик ПобедыPik Pobedy „Gipfel des Sieges“) mit 7439m und Khan Tengri (rus.Хан Тенгры „Herr der Geister“) mit 7010m. Im weitverzweigten Firnbecken zwischen diesen beiden Bergen hat auch der Südliche Inyltschek-Gletscher, mit einer Länge von 60Kilometern einer der größten außerpolaren Talgletscher der Welt, seinen Ursprung.
Zwischen den Bergketten des Kungej-Alatau und des Terskej-Alatau liegt auf kirgisischem Staatsgebiet auf 1609m Höhe der Hochgebirgssee Yssyk-Köl. Der Kölsuu befindet sich weiter südlich, im Kokschaal-Tau.
Als wichtige Flüsse entspringen im Tian Shan unter anderem der Ili, der Syrdarja und der Tarim mit seinen Zuflüssen Konqi und Aqsu.[4]
Auf der Südseite des Gebirges verläuft die Seidenstraße mit ihren verschiedenen Zweigrouten, wobei einzelne Routen das Gebirge auch durchquerten oder es im Norden umgingen.
2016 nahm die UNESCO auch Teile des Tian Shan in Zentralasien unter der Bezeichnung Westliches Tian-Shan-Gebirge in die Liste des Weltnaturerbes auf.[7] Zu dieser Naturerbestätte gehören insgesamt dreizehn Areale, davon sieben in Kasachstan, vier in Kirgisistan und zwei in Usbekistan. Diese haben insgesamt einen Schutzbereich von etwa 500.000 Hektar.
Paläogeographie und Vorzeitklima – Tian Shan zur Eiszeit
Am Nordrand des Tarim-Beckens erstreckt sich zwischen der Gebirgskette des Kokschaaltoo im Süden und der Gebirgskette des Terskej-Alatau im Norden das 100 bis 120km breite Tian-Shan-Plateau mit seiner aufgesetzten Berglandschaft. Der Kokschaal-Tau setzt sich in einer Gesamtlänge von 570km von westlich des Pik Dankow (Dankowa, 5986m) bis nach Ostnordosten zum Dschengisch Tschokusu (Toumu'er Feng – englischTomur, 7439m) und darüber hinaus fort.[8] Sowohl dieser Gebirgszug wie auch der des 300km langen parallelen Gebirgszuges des Terskej-Alatau und das dazwischen liegende Tian-Shan-Plateau waren eiszeitlich von miteinander zusammenhängenden Eisstromnetzen sowie einem Plateaugletscher bedeckt. Den interglazialen Rest dieser Vergletscherung bildet der heute noch rund 60km lange Südliche Engiltschek-Gletscher. Die Auslassgletscherzungen des Plateaugletschers flossen nach Norden bis zum Yssyk-Köl-See in 1609m hinab und kalbten in diesen 160km langen See. Ähnlich stark vergletschert war der bis über 50km breite Hochgebirgsbereich des Kungej-Alataus, der nördlich des Yssyk-Köl anschließt und sich bis zum Gebirgsvorland bei Almaty erstreckt. Der Kungej-Alatau ist 230km lang. Vom Kungej-Alatau kalbten die Eiszeitgletscher ebenfalls in den Yssyk-Köl. Sein nach Westen verlaufendes Tschong-Kemin(-Tal) war bis zu seiner Einmündung in das Tschüi-Tal vergletschert.[9][10][11] Von der westlichen Verlängerung des Kungej-Alatau– das ist das Kirgisische Gebirge (42°25’N/74°–75°O)– flossen die eiszeitlichen Gletscher bis in das Gebirgsvorland auf 900m (nahe der Stadt Bischkek) hinab. Dort bildete unter anderem der Ak-Sai-Talgletscher einen Gebirgsvorlandgletscher aus.[9][11][12]
Insgesamt nahm die eiszeitliche Tian-Shan-Vergletscherung eine Fläche von etwa 118.000km² ein. Die Gletscherschneegrenze (Equilibrium Line Altitude, ELA), als Höhengrenze zwischen Gletschernährgebiet und Abschmelzzone, war um 1200Höhenmeter gegenüber heute abgesenkt. Hieraus ergäbe sich– unter der Bedingung vergleichbarer Niederschlagsverhältnisse– eine Absenkung der Jahresmitteltemperatur von 7,2 bis 8,4°C für die Letzte Kaltzeit (Last Glacial Period= MIS2) gegenüber heute.[9]
Eldridge M. Moores, Rhodes Whitmore Fairbridge (Hrsg.):Encyclopedia of European and Asian Regional Geology. Springer Netherlands, 1997, ISBN 0-412-74040-0 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche – Geologie des Tian Shan).
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X. Chen, L. Shu, M. Santosh, X. Zhao: Island arc-type bimodal magmatism in the eastern Tianshan Belt, Northwest China: geochemistry, zircon U–Pb geochronology and implications for the Paleozoic crustal evolution in Central Asia. In: Lithos. Band 168, 2013, S. 48–66. (researchgate.net, PDF).
↑Robert W. McColl (Hrsg.):Encyclopedia of World Geography. Band1. Golson Books, 2005, ISBN 0-8160-5786-9, S.898 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑englischXinjiang Tianshan, deutsche Übersetzung entsprechend Welterbeliste.In:Unesco.de.Abgerufen am 7.Februar 2017.
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M. Kuhle: New Findings on the Ice-cover between Issyk-Kul and K2 (Tian Shan, Karakorum) during the Last Glaciation. In: Zheng Du, Zhang Qingsong, Pan Yusheng (Hrsg.): Proceedings of the International Symposium on the Karakorum and Kunlun Mountains (ISKKM), Kashi, China, June 1992. China Meteorological Press, Beijing, S. 185–197.
↑
M. G. Grosswald, M. Kuhle, J. L. Fastook: Würm Glaciation of Lake Issyk-Kul Area, Tian Shan Mts.: A Case Study in Glacial History of Central Asia. Kuhle, M. (Hrsg.): Tibet and High Asia. Results of the Sino-German and Russian-German Joint Expeditions (III). In: GeoJournal. 33, (2/3), Kluwer, Dordrecht/Boston/London 1994, S. 273–310.
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M. Kuhle: The High Glacial (Last Ice Age and LGM) glacier cover in High- and Central Asia. Accompanying text to the mapwork in hand with detailed references to the literature of the underlying empirical investigations. In: J. Ehlers, P. L. Gibbard (Hrsg.): Extent and Chronology of Glaciations. Vol.3: Latin America, Asia, Africa, Australia, Antarctica. Elsevier B.V, Amsterdam 2004, S. 175–199.
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M. Kuhle, N. Schröder: New Investigations and Results on the Maximum Glaciation of the Kirgisen Shan and Tian Shan Plateau between Kokshaal Tau and Terskey Alatau. In: W. Zech (Hrsg.): Pamir and Tian Shan. Contribution of the Quaternary History. International Workshop at the University of Bayreuth. Abstracts. University Bayreuth, Bayreuth 2000, S.8.