Thénardit entwickelt in der Regel körnige Aggregate und Krusten von weißer Farbe mit einem Stich ins Bläuliche. Auch farbloser Thenardit ist bekannt. Größere Kristalle sind ebenso wie beim Mirabilit selten.
In älteren Publikationen ist der Mineralname in der Schreibweise Thenardit[9][3] (ohne Akut über dem e), was allerdings nicht den Vorgaben zur Mineralbenennung der IMA entspricht[10], nach der beispielsweise bei Mineralen, die nach einer Person benannt wurden, darauf geachtet werden muss, dass die Schreibweise des Namens übernommen wird (Ausnahmen sind lediglich Leerzeichen und Großbuchstaben, die beim Mineralnamen beseitigt werden). Die bei vielen Mineralen uneinheitliche Schreibweise ihrer Namen wurde zunächst mit der 2008 erfolgten Publikation „Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks“[11] bereinigt und unter anderem für den Thénardit 2014 im 20. Newsletter der IMA/CNMNC nachgeholt.[12] Seitdem wird Thénardit international in der Schreibweise mit dem zugehörigen Akut geführt.[1]
In der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Thénardit zur Mineralklasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ (einschließlich einiger Selenate und Tellurate) und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Sulfate ohne fremde Anionen“, wo er als einziges Mitglied eine nach ihm benannte Gruppe mit der Systemnummer VI/A.05 bildete.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/A.07-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Sulfate [SO4]2−, ohne fremde Anionen“, wo Thénardit zusammen mit Arcanit und Mascagnin eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/A.07 bildet.[4]
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Thénardit die System- und Mineralnummer 28.02.03.01. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung der „Sulfate“. Hier ist er als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 28.02.03 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Säuren und Sulfate (A+)2XO4“ zu finden.
Thénardit wird typischerweise in Evaporiten unter ariden Bedingungen gebildet. Weiterhin kommt es als sekundäres Mineral in der Form von Ausblühungen an diversen Gesteinen oder Mineralien vor. Thenardit kommt typischerweise vergesellschaftet mit Blödit, Epsomit, Glauberit, Gips, Mirabilit, Soda und Steinsalz vor. Ein chemisch ähnliches in der Natur vorkommendes Natriumsulfat ist Mirabilit. Hierbei handelt es sich um das entsprechende Decahydrat des Thenardit. Da sich diese Mineralien nur durch die Menge des Kristallwassers unterscheiden, sind die entsprechenden Pseudomorphosen zwischen ihnen möglich.
Als eher seltene Mineralbildung kann Thénardit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2011) rund 200 Fundorte.[7]
Weiterhin kann sich Thénardit als Ausblühungen, wie auch die anderen Sulfate (Pentahydrit, Hexahydrit, Epsomit), an vulkanischen Fumarolen bilden. Bekannte Fundstellen sind der Vesuv und der Ätna in Italien. Über Fumarolentätigkeit abgeschiedenes Thénardit, wurde erstmals 1855 von Scacchi beschrieben. Er bezeichnete das Mineral als Pyrotechnit.[17]
J. L. Casaseca:Thenardite. In: The Annals of Philosophy. Band12, 1826, S.312–314 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 3. September 2024 im Internet Archive) [PDF; 281kB; abgerufen am 26.April 2026]).
1234567Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.366 (englisch).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
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Thénardite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 53kB; abgerufen am 26.April 2026]).
123456Thénardite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 26.April 2026(englisch).
↑J. L. Casaseca:Analyse d'une nouvelle Substance minérale (la thenardite). In: Annales de chimie et de physique. Band32. Crochard, 1826, S.308 (französisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche [abgerufen am 3.März 2019]).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4., durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.666.
↑Ernest H. Nickel, Joel D. Grice:The IMA Commission on New Minerals and Mineral Names: Procedures and Guidelines on Mineral Nomenclature, 1998. In: The Canadian Mineralogist. Band36, Nr.3, 1998, S.913–926, General Guidelines for Mineral Nomenclature (englisch, cnmnc.units.it[PDF; 336kB; abgerufen am 26.April 2026]).
↑Ernst A. J. Burke:Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks. In: Mineralogical Record. Band39, Nr.2, 2008, S.131–135 (englisch, Digitalisat (Memento vom 25. Juli 2025 im Internet Archive) [PDF; 751kB; abgerufen am 26.April 2026]).
↑P. A. Williams, F. Hatert, M. Pasero, S. J. Mills:IMA Commission on new minerals, nomenclature and classification (CNMNC) Newsletter 20. New minerals and nomenclature modifications approved in 2014. In: Mineralogical Magazine. Band78, 2014, S.549–558 (englisch, rruff.info[PDF; 106kB; abgerufen am 26.April 2026]).
↑Peter Tarassoff, László Horváth, Elsa Pfenninger-Horváth:Famous mineral localities: The Francon Quarry, Montreal, Quebec, Canada. In: Mineralogical Record. Band37, Nr.1, 2006, S.5–60 (englisch).
↑Charles Palache, Harry Berman, Clifford Frondel:The System of Mineralogy of James Dwight Dana and Edward Salisbury Dana. Band2. Yale University, New Haven 1951, S.406 (englisch).
↑M. Naze-Nancy Masalehdani, Florias Mees, Michel Dubois, Yvan Coquinot, Jean-Luc Potdevin, Michel Fialin, Marie-Madeleine Blanc-Valleron:Condensate minerals from a burning coal-waste heap in Avion, Northern France. In: The Canadian Mineralogist. Band47, Nr.3, 2009, S.573–591, doi:10.3749/canmin.47.3.573 (englisch).
↑Adolf Kenngott:Uebersicht der Resultate Mineralogischer Forschungen in den Jahren 1856 und 1857. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig 1859, S.28 (online verfügbar bei archive.org– Internet Archive).