Thronion
Thronion (altgriechisch Θρόνιον) war eine antike griechische Stadt in Ost-Lokris. Es war der ältere Hauptort der epiknemidischen Lokrer. Thronion befand sich am Nordostabhang des Berges Knemis am Rand der sich zum Malischen Golf hin öffnenden Ebene des Flusses Boagrios. Seine Lage wurde unweit des heutigen Palaiokastro von Pikraki, südwestlich der Ortschaft Kainourgio im Gemeindebezirk Kamena Vourla lokalisiert.[1]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Thronion war eine sehr alte, schon von Homer genannte Stadt. Sie soll nach der Quellnymphe Thronia, der Eponyme des Ortes, benannt sein.[2] Nach der griechischen Mythologie war es die Heimat des Aias.[3] Zur Zeit der frühen Kolonisation des Ägäischen Meeres war Thronion an der Gründung von Abdera[4] und vielleicht auch von Kyme[5] beteiligt.
Zu Beginn des Peloponnesischen Kriegs wurde Thronion 431 v. Chr. von den Athenern eingenommen.[6] Durch das starke Erdbeben im Golf von Euböa 426 v. Chr. wurde der Ort fast völlig zerstört.[7] Der phokische Feldherr Onomarchos eroberte Thronion 353 v. Chr. im Verlauf des Dritten Heiligen Krieges und verkaufte die Einwohner in die Sklaverei.[8] Bei der Beendigung dieses Kriegs 346 v. Chr. erhielt der makedonische König Philipp II. die Stadt, nachdem die Phoker die Anträge von Athen und Sparta, Thronion zu okkupieren, zurückgewiesen hatten.[9]
Später war Thronion Mitglied des Aitolischen Bundes und wurde 208 v. Chr. vom Makedonenkönig Philipp V. erobert.[10] Kurz danach kam es wieder unter ätolische Herrschaft. Während des Zweiten Makedonisch-Römischen Kriegs fanden die etwa im November 198 v. Chr. geführten erfolglosen Friedensverhandlungen zwischen Philipp V. und dem römischen Konsul Titus Quinctius Flamininus in Nikaia und an der Küste bei Thronion statt.[11] Zu Beginn seines entscheidenden Feldzugs gegen König Philipp V. zog Flamininus etwa im März 197 v. Chr. durch Thronion und die Nachbargemeinde Skarpheia in Richtung der Thermopylen.[12] Zur Zeit der Schlacht bei den Thermopylen (191 v. Chr.) verweilte ein Teil der Flotte des Seleukidenkönigs Antiochos III. im Hafen von Thronion.[13] In der Folge bezeugen mehrere Inschriften heftige Konflikte zwischen Thronion und dem aufstrebenden Skarpheia. In diesen Streitigkeiten obsiegte Skarpheia, wonach Thronion stark zurücktrat und seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. aus der Geschichte verschwand.[14]
Thronion hatte seinen eigenen Kalender und war eine jener Städte, die Proxenie gaben. In der Stadt gab es einen Kult für Poseidon und Apollon. Sie prägte seit der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die ältesten bekannten lokrischen Münzen. Es wurden auch aus Thronion stammende Kupfermünzen des 2. Jahrhunderts v. Chr. gefunden. Geringe Überreste der hellenistischen und römischen Siedlung sowie einer Festungsanlage blieben erhalten.[15]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- William Abbott Oldfather: Thronion. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VI A,1, Stuttgart 1936, Sp. 609–613.
- Giovanna Daverio Rocchi: Thronion. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 12/1, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01482-7, Sp. 503.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thronion bei ToposText
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Jose Pascual, Maria-Foteini Papakonstantinou: The Universidad Autónoma de Madrid and Fourteenth Ephorate Epicnemidian Locris Project – FINAL REPORT. S. 6f. (PDF), abgerufen am 8. Mai 2026.
- ↑ Scholion D zu Homer, Ilias 2, 533.
- ↑ Homer, Ilias 2, 533; Euripides, Iphigenie in Aulis 262 ff.
- ↑ Pindar, Fragment 52b 1.
- ↑ Strabon, Geographika 13, 3, 3.
- ↑ Thukydides, Peloponnesischer Krieg 2, 26, 2; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 12, 44.
- ↑ Demetrios von Kallatis, Fragmente der griechischen Historiker (FGrH) Nr. 85, F 6 bei Strabon, Geographika 1, 60.
- ↑ Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 16, 33, 3.
- ↑ Aischines, Orationes 2, 132 ff. und 2, 140.
- ↑ Titus Livius, Ab urbe condita 28, 7, 10 ff.
- ↑ Polybios, Historíai 18, 1, 5; 18, 7, 7; 18, 9, 3; Livius, Ab urbe condita 32, 32, 9; 32, 35, 6; 32, 36, 3.
- ↑ Livius, Ab urbe condita 33, 3, 6.
- ↑ Livius, Ab urbe condita 36, 20, 5.
- ↑ William Abbott Oldfather: Thronion. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VI A,1, Stuttgart 1936, Sp. 609–613, hier: Sp. 612.
- ↑ William Abbott Oldfather: Thronion. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VI A,1, Stuttgart 1936, Sp. 609–613 (hier: Sp. 612-613).