Thortveitit
| Thortveitit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Tvt[1] |
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/B.01 VIII/C.01-010 9.BC.05 55.02.01a.04 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m |
| Raumgruppe | C2/m |
| Gitterparameter | a = 6,65 Å; b = 8,616 Å; c = 4,686 Å β = 102,2° Bitte Quelle als Einzelnachweis ergänzen |
| Zwillingsbildung | häufig, senkrecht zu {110} |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 6 bis 7 |
| Dichte (g/cm3) | 3,27 bis 3,58 |
| Spaltbarkeit | vollkommen entlang {100} |
| Bruch; Tenazität | uneben bis muschelig |
| Farbe | braun, grauschwarz, schwarz, gräulich grün, blau |
| Strichfarbe | grau |
| Transparenz | halbtransparent |
| Glanz | glasartig |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,750 bis 1,756 nβ = 1,789 bis 1,793 nγ = 1,802 bis 1,809 |
| Doppelbrechung | δ = 65° 30' |
Thortveitit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralgruppe der Silikate und Germanate. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der idealisierten, chemischen Zusammensetzung Sc2Si2O7[2] und bildet prismatische, bis zu 35 cm große Kristalle von graugrüner bis schwarzer Farbe. Mitunter findet man auch farblose oder blaue Kristalle.
Etymologie und Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Mineral wurde 1911 vom norwegischen Mineralogen Olaus Thortveit in der Typlokalität Ljosland in der norwegischen Provinz Aust-Agder gefunden und von J. Schetelig beschrieben. Es ist nach Thortveit benannt.
Klassifikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Thortveitit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gruppensilikate (Sorosilikate)“, wo er gemeinsam mit Thalénit und Yttrialith-(Y) in der „Thortveitit-Thalénit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/B.01 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/C.01-010. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gruppensilikate“, wo Thortveitit zusammen mit Cervandonit-(Ce), Gittinsit, Keiviit-(Y), Keiviit-(Yb), Kristiansenit, Percleveit-(Ce) und Yttrialith-(Y) eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/C.01 bildet.[4]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[5] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Thortveitit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Gruppensilikate (Sorosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Si2O7-Gruppen ohne nicht-tetraedrische Anionen; Kationen in oktaedrischer [6]er- und/oder anderer Koordination“ zu finden, wo es zusammen mit Gittinsit, Keiviit-(Y), Keiviit-(Yb) und Yttrialith-(Y) die „Thortveititgruppe“ mit der Systemnummer 9.BC.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Thortveitit die System- und Mineralnummer 55.02.01a.04. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen, generell ohne zusätzliche Anionen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen, generell ohne zusätzliche Anionen und mit Kationen in [6]-Koordination“ in der „Thortveititgruppe“, in der auch Gittinsit, Keiviit-(Y) und Keiviit-(Yb) eingeordnet sind.
Modifikationen und Varietäten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Scandium kann in Thortveitit durch verschiedene andere Elemente ersetzt sein. Dazu zählen insbesondere, Yttrium, Lanthanoide wie Ytterbium und Lutetium, aber auch bis zu 10 % Thorium, Zirconium, Hafnium, Calcium oder Mangan können enthalten sein. Mangan ist für eine Blaufärbung des Thortveritits verantwortlich, den man im Granit von Baveno in Italien findet.[6]
Bildung und Fundorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Thortveitit bildet sich in granitischen Pegmatit-Gängen. Bei der Entstehung spielt wahrscheinlich die Komplexierung von Scandium mit Fluor als [ScF]2+ eine Rolle.[6] Das Mineral ist je nach Fundort vergesellschaftet mit Euxenit, Biotit, Oligoklas, Mikroklin und Quarz; Monazit, Fergusonit, Ilmenorutil, Beryll, Muskovit und Magnetit oder Kobeit, Perrierit, Turmalin, Euxenit, Monazit, Zirkon, Allanit, Magnetit und Ilmenit.
Ein weiteres Vorkommen sind einige Calcium-Aluminium-reiche Einschlüsse (CAI) von kohligen Chondriten. Im Murchison-Meteoriten tritt Thortveitit zusammen mit Panguit, Vanadium-reichen Davisit und Spinell auf. Es wird angenommen, dass Thortveitit während der Frühphase der Entstehung des Sonnensystems bei der Abkühlung des präsolaren Nebels zu den ersten Mineralen gehört, die aus der heißen Gasphase resublimieren.[7]
Es sind (Stand Februar 2010) 48 Fundorte für Thortveitit bekannt.[8] Neben der Typlokalität und weiteren Funden in den norwegischen Provinzen Aust-Agder, Finnmark und Telemark, findet man das Mineral unter anderem im Obersulzbachtal in Österreich, Paraíba in Brasilien, Marathon in Kanada, Linwu in China, Pello in Finnland, Luzenac in Frankreich, Thiemendorf in Deutschland, mehreren Orten in Italien, der Präfektur Kyōto in Japan, Befanamo in Madagaskar, Świdnica in Polen, dem Ural und der Kola-Halbinsel in Russland, mehreren Orten in Schweden sowie Ravalli County und Ogdensburg in den Vereinigten Staaten.
Kristallstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Thortveitit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 6,65 Å; b = 8,616 Å; c = 4,686 Å und β = 102,2° sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle. Die Si2O7-Anionen liegen in Form von eckenverknüpften Doppeltetraedern vor. Diese sind kantenverküpft mit ScO6-Oktaedern und kommen in Schichten in der Kristallstruktur vor.
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Thortveitit ist ein wichtiges Scandium-Mineral.[6]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thortveitit. In: Anthony et al.: Handbook of Mineralogy. Mineral Data Publishing, Tucson (AZ) 1990, Bd. 1, S. 101 (pdf).
- Eckard Amelingmeier: Thortveitit. In: Römpp Chemie-Lexikon. Thieme Verlag, Stuttgart (Stand Mai 2005).
- Lesley Smart, Elaine Moore: Einführung in die Festkörperchemie. (Übersetzung: Arno Martin) Vieweg Verlag, Braunschweig 1997.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
- ↑ a b Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
- ↑ Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X (englisch).
- ↑ Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
- ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
- ↑ a b c Eckard Amelingmeier: Thortveitit. In: Römpp Chemie-Lexikon. Thieme Verlag, Stand Mai 2005.
- ↑ Chi Ma, John R. Beckett, Oliver Tschauner and George R. Rossman: THORTVEITITE (Sc2Si2O7), THE FIRST SOLAR SILICATE? In: Meteoritics and Planetary Science. 46 (S1), 2011, S. A144 (caltech.edu [PDF; 96 kB; abgerufen am 20. Februar 2019]).
- ↑ Thortveitite bei mindat.org (engl.)
