Thometzekit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung PbCu2+2[AsO4]2·2H2O[1] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltigesBlei-Kupfer-Arsenat. Da bei natürlich vorkommenden Thometzekiten ein Teil des Kupfers durch Zinkersetzt (substituiert) sein kann, wird die Formel in verschiedenen Quellen mit Pb(Cu,Zn)2[AsO4,SO4]2·2(H2O,OH)[3] oder auch mit Pb(Cu,Zn)2[H2O|AsO4]2[4] angegeben.
Thometzekit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, entwickelt jedoch nur winzige, plättchen- bis keilförmige Kristalle von etwa 20 μm Länge und einem μm Dicke.[8] Meist findet er sich in Form von krustigen Überzügen auf anderen Mineralen. Thometzekit ist durchscheinend und von bläulichgrüner bis grüner oder grünlichgelber bis hellgrauer Farbe und wirkt in Krusten erdig matt. Gelegentlich können Thometzekitproben auch einen wachsartigen Glanz aufweisen.[7] Auf der Strichtafel hinterlässt Thometzekit einen weißen Strich. Mit einer Mohshärte von 4 bis 5 gehört Thometzekit zu den mittelharten Mineralen, das sich ähnlich wie die Referenzminerale Fluorit (Härte 4) und Apatit (Härte 5) leicht bis gerade noch mit einem Taschenmesser ritzen lässt.
Thometzekit ist aufgrund seiner farblichen und stofflichen Ähnlichkeit leicht mit Gartrellit zu verwechseln.[7]
Walter Thometzek während einer Haspel-Inspektion im Bergwerk Tsumeb (zwischen 1908 und 1914)
Erstmals entdeckt wurde Thometzekit in der bekannten „Tsumeb Mine“ (auch Tsumcorp Mine) nahe der gleichnamigen Stadt in der namibischen Region Oshikoto (Otjikoto). Die Erstbeschreibung erfolgte 1985 durch Karl Schmetzer, Bernhard Nuber und Olaf Medenbach, die das Mineral nach dem ehemaligen Generaldirektor der von der Otavi Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft betriebenen Tsumeb Mine Walter Thometzek benannten.
Das Typmaterial des Minerals wird im mineralogisch-petrologischen Institut der Universität Heidelberg unter der Katalog-Nr. HT: 10'11'19' (zwei Proben) aufbewahrt.[9]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Thometzekit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit großen und mittelgroßen Kationen; RO4: H2O = 1: 1“ zu finden, wo es zusammen mit Cabalzarit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit, Ferrilotharmeyerit, Krettnichit, Lotharmeyerit, Manganlotharmeyerit, Mawbyit, Mounanait, Nickellotharmeyerit, Nickelschneebergit, Schneebergit und Tsumcorit die „Tsumcoritgruppe“ mit der Systemnummer 8.CG.15 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Thometzekit die System- und Mineralnummer 40.02.09.03. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O)“ in der „Helmutwinklerit-Untergruppe“, in der auch Tsumcorit, Helmutwinklerit, Mawbyit, Rappoldit, Schneebergit, Nickelschneebergit und Cobalttsumcorit eingeordnet sind.
Sechs Mikrosondenanalysen ergaben eine durchschnittliche Zusammensetzung von 36,04% PbO, 0,18% CaO, 19,18% CuO, 5,63% ZnO, 0,30% FeO, 33,13% As2O5, 0,06% SiO2 und 4,9% H2O (ermittelt durch Thermogravimetrische Analyse). Der thermogravimetrische Verlust tritt in einem Bereich zwischen 350 und 500 °C auf. Die ermittelten Daten entsprechen der idealisierten Formel Pb(Cu,Zn)2(AsO4)·2H2O mit Cu>Zn. Das idealisierte zinkfreie Endglied mit der Formel PbCu2[AsO4]·2H2O enthält 34,44% PbO, 24,54% CuO, 35,46% As2O5 und 5,56% H2O (alle Angaben in Gewichts-%).[8]
Als seltene Mineralbildung konnte Thometzekit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2018) etwas mehr als 10 Fundorte dokumentiert sind.[11] Seine Typlokalität Tsumeb Mine ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Namibia.
In Deutschland konnte das Mineral bisher nur in der Grube Clara bei Oberwolfach und in den Stollen von Lisbühl westlich von Todtnau in Baden-Württemberg, in der Grube Wildermann bei Müsen (Kreis Siegen-Wittgenstein) in Nordrhein-Westfalen und bei Zinnwald-Georgenfeld im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge entdeckt werden.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind die Grube Les Montmins (Sainte Barbe filon) in der Gemeinde Échassières im französischen Département Allier, der Bergbaudistrikt Lavrio (Laurion) in der griechischen Region Attika, Dalnegorsk in der russischen Region Primorje, Moldava (deutsch Moldau) in der tschechischen Region Ústecký kraj sowie die Gold Hill Mine bei Gold Hill in den Deep Creek Mountains im Tooele County des US-Bundesstaates Utah.[12]
Karl Schmetzer, Bernhard Nuber, Olaf Medenbach:Thometzekite, a new mineral from Tsumeb, Namibia, and symmetry relations in the tsumcorite-helmutwinklerite family. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Band85, Nr.10, 1985, S.446–452.
John L. Jambor, Kenneth W. Bladh, T. Scott Ercit, Joel D. Grice, Edward S. Grew:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.927–935 (rruff.info[PDF; 879kB; abgerufen am 21.Mai 2018]).
Werner Krause, Klaus Belendorff, Heinz-Jürgen Bernhardt, Catherine A. McCammon, Herta Effenberger, Werner Mikenda:Crystal chemistry of the tsumcorite-group minerals. New data on ferrilotharmeyerite, tsumcorite, thometzekite, mounanaite, helmutwinklerite, and a redefinition of gartrellite. In: European Journal of Mineralogy. Band10, Nr.2, 1998, S.179–206, doi:10.1127/ejm/10/2/0179.
Ray L. Frost, Matt Weier:Raman and infrared spectroscopy of tsumcorite mineral group. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte. Band7, 2004, S.317–336, doi:10.1127/0028-3649/2004/2004-0317.
1234Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8.
12345Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.485.
12
Thometzekite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org[PDF; 65kB; abgerufen am 17.Mai 2018]).
12John L. Jambor, Kenneth W. Bladh, T. Scott Ercit, Joel D. Grice, Edward S. Grew:New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band73, 1988, S.927–935 (rruff.info[PDF; 879kB; abgerufen am 21.Mai 2018] Thometzekit ab S. 5).