The Language of Post-Modern Architecture
The Language of Post-Modern Architecture ist ein architekturtheoretisches Buch des US-amerikanischen Architekten Charles Jencks, das 1977 in London und in New York veröffentlicht wurde. Das Buch, in dem Jencks zum ersten Mal den in Literatur und Philosophie etablierten Begriff Postmoderne im Zusammenhang mit zeitgenössischer Architektur anwendet, entwickelte sich zu einem internationalen Bestseller und wurde vielfach in der Fachliteratur und in den Medien diskutiert.
Jencks interpretiert in seine Untersuchung „die Architektur als ein der Sprache analoges Phänomen, wobei die Kommunikationsfähigkeit zur wesentlichen Eigenschaft eines postmodernen Gebäudes erklärt wird“.[1]
Entstehung und Publikationsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Jencks soll das Buch auf Anregung von Haig Beck (* 1944)[2], einem australischen Architekten und seit 1976 Mitherausgeber des Architekturmagazins Architectural Design (AD), geschrieben haben. Das Magazin befand sich seit 1976 im Besitz der Unternehmers Andreas Papadakis, der in seiner Reihe Architecturial Monographs als erster Verleger in den USA Monographien über führende zeitgenössische Architekten publizierte. 1977 veröffentlichte Jencks im Architectural Design seinen Essay „Isozaki and Radical Eclecticism“,[3] und Beck empfahl ihm, das angerissene Thema weiter auszuarbeiten. Das Buch entwickelte sich nach Erscheinen 1977 rasch zu einem internationalen Bestseller, bereits 1978 erschien eine überarbeitete und erweitere Ausgabe. Das Buch erreichte zwischen 1978 und 2002 sechs Neuauflagen, die jeweils von Jencks neu bearbeitet, erweitert und, um neue Beispiele und Abbildungen ergänzt, herausgegeben wurden.[4][5] Jede Auflage unterscheidet sich außerdem von der vorhergehenden durch ein neues Buchcover. Jencks selbst kommentiert die wechselnden Buchcovers in der Einleitung zur letzten Ausgabe von 2002 und schreibt: „Each one of these buildings, and editions of the book, is a modification of a previous position and in this sense a ceaseless critical dialogue with the immediate past.“[6] Hilde Heynen, Professorin für Architektur an der Katholieke Universiteit Leuven, schätzt die Ausgabe von 1987 als interessanteste ein, da Jencks hier den Begriff Postmoderne auf einen Neuklassizismus (New classicism) einenge.[7]
Die letzte Ausgabe von 2002 hat Jencks komplett neu geschrieben, sie enthält zwei neue Kapitel „The New Paradigm I“ und „The New Paradigm II“ und wurde unter dem Titel The New Paradigm in Architecture: The Language of Post-modernism von der Yale University Press herausgebracht.[4]
Die deutsche Übersetzung durch Nora von Mühlendahl-Krehl erschien 1978 unter dem Titel Die Sprache der postmodernen Architektur: Entstehung und Entwicklung einer alternativen Tradition in der Deutschen Verlagsanstalt in Stuttgart.
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Charles Jencks habe definitiv seine Spuren in der Geschichte der postmodernen Architektur hinterlassen, schreibt Elie Haddad im Britischen Journal of Architecture. Für einige Historiker und Kritiker gehöre er jedoch wegen seines Mangels an Konsistenz eher in die Kategorie der Sensationsreporter als in die seriöser Historiker. Sein „Lesen von Architektur“ beschränke sich auf ein rein visuelles Dekodieren, ignoriere Aspekte von Konstruktion und Technik und lasse eine Menge zu wünschen übrig. Sein Hang zu Vorahnungen und der Wunsch, sich in der Avantgarde historischer Entwicklungen zu befinden, sei möglicherweise der „fatale Grund“ seiner ständigen Wechsel, die man als Zeichen von Oberflächlichkeit lesen könne [...].[8]
Daniel Krause stellt in seinem Überblicksartikel über Venturi und Jencks in der Zeitschrift Medien Observationen die Frage, was der Anspruch der postmodernen Architektur war, ob er eingelöst wurde, ob sie „heute noch etwas zu sagen hat, oder war sie von Anfang an verfehlt?“ Er kommt dann zu folgendem Schluss: „Beide Autoren wenden sich gegen die Architektur der Klassischen Moderne, den Internationalen Stil. Beide legitimieren diese Aversion u. a. moralisch: Der Architektur kommt eine gesellschaftliche Verantwortung zu; der Internationale Stil – so meinen sie – „muss vor diesem Anspruch versagen“. Dieser Appell werde aber höchst unterschiedlich artikuliert: Jencks fordere, „große Erzählungen“ zu schaffen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Venturi wolle dagegen Architektur ihren Funktionen nach auf die „Vielfalt“, die „Widersprüchlichkeit“ moderner Lebenswirklichkeit abstimmen und diesen in architektonischen Formen zum Ausdruck verhelfen. Krause bezeichnet die Postmoderne als heute „verjährt“ [...] „wie Zeugen einer längst vergangenen Epoche.“[9]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Steffen Krämer: Charles Jencks und das Prinzip der Doppel-, Mehr- und Überkodierung. In: Kunstgeschichte. Open Peer Reviewed Journal. 2010, urn:nbn:de:0009-23-25309.
- Günther Fischer: Über den komplizierten Weg zu einer nichtfunktionalistischen Architektur, darin: Kritik der Jenckschen Postmodern, S. 7–14. In: Abschied von der Postmoderne. Beiträge zur Überwindung der Orientierungskrise. Birkhäuser, Stuttgart 2014. (Bauwelt Fundamente. 64.) ISBN 978-3-03560069-8
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hilde Heynen: Postmodernism, in: R. S. Sennott: Encyclopedia of twentieth century architecture. Vol.3 (P-Z). Fitzroy, Dearborn 2005.
- Philipp Sarasin: Charles Jencks und die postmoderne Architektur Geschichte der Gegenwart, 20. Oktober 2019
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ zitiert aus: Steffen Krämer: Charles Jencks und das Prinzip der Doppel-, Mehr- und Überkodierung. Schriften der Winkelmann Akademie. München 2014. S. 2.
- ↑ Andrew P. Steen: Radical Eclecticism and Post-Modern Architecture, Fabrications, Volume 25, 2015 - Issue 1, S. 42, abgerufen am 1. Juni 2026
- ↑ Architectural Desig, Januar 1977, S. 42–48.
- 1 2 Léa-Catherine Szacka: Writing ‘from the Battlefield’: Charles Jencks and The Language of Post-Modern Architecture The Cosmic House, 2022.
- ↑ Elie Hadad: Charles Jencks and the historiography of Post-Modernism The Journal of Architecture, Vol. 14. 2009, Issue 4 doi:10.1080/13602360902867434, abgerufen am 2. Juni 2026
- ↑ Zitiert nach: Léa-Catherine: Writing ‘from the Battlefield’: Charles Jencks and The Language of Post-Modern Architecture. 2022
- ↑ [Hilde Heynen: Postmodernism, in: R. S. Sennott: Encyclopedia of twentieth century architecture. Vol.3 (P-Z). Fitzroy, Dearborn 2005.
- ↑ Elie Haddad: Charles Jencks and the historiography of Post-Modernism The Journal of Architecture, Vol. 14, Issue 4. 2009, abgerufen am 5. Juni 2026
- ↑ Daniel Krause: [https://www.medienobservationen.de/artikel/architektur/krause_venturi.htmlWas heißt „komplexe Architektur“? Fragen an Robert Venturi) Medien Observationen, 15. Dezember 2025, abgerufen am 5. Juni 2026