Der weite Ritt
| Film | |
| Titel | Der weite Ritt |
|---|---|
| Originaltitel | The Hired Hand |
| Produktionsland | USA |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1971 |
| Länge | 93 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Produktionsunternehmen | The Pando Company |
| Stab | |
| Regie | Peter Fonda |
| Drehbuch | Alan Sharp |
| Produktion | William Hayward |
| Musik | Bruce Langhorne |
| Kamera | Vilmos Zsigmond |
| Schnitt | Frank Mazzola |
| Besetzung | |
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Der weite Ritt (Originaltitel: The Hired Hand) ist ein US-amerikanischer Western aus dem Jahr 1971 unter der Regie von Peter Fonda und mit einem Drehbuch von Alan Sharp. Die Hauptrollen spielen Peter Fonda, Warren Oates und Verna Bloom. Die Kameraführung übernahm Vilmos Zsigmond. Die stimmungsvolle Filmmusik komponierte Bruce Langhorne. Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach sieben Jahren, in denen er sich im Südwesten der USA mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten hat, zu seiner vorher verlassenen Frau zurückkehrt. Seine verbitterte Frau lässt ihn nur unter der Bedingung bleiben, dass er als Tagelöhner bei ihr einzieht.
Nach seiner Veröffentlichung erhielt der Film gemischte Kritiken und war ein finanzieller Misserfolg. 1973 wurde er in einer erweiterten Fassung auf NBC-TV ausgestrahlt, geriet aber bald in Vergessenheit. 2001 wurde eine vollständig restaurierte Fassung auf verschiedenen Filmfestivals gezeigt, erhielt viel Kritikerlob und wurde vom Sundance Channel auf DVD veröffentlicht. Heute gilt er als Westernklassiker seiner Zeit.[2]
Handlung
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Harry Collings und Arch Harris sind zwei Vagabunden, die seit sieben Jahren durch den amerikanischen Südwesten ziehen. Zusammen mit ihrem jüngeren Begleiter, Dan Griffen, finden sie beim Angeln die Leiche eines kleinen Kindes in einem Fluss. Harry wirft den Leichnam zurück ins Wasser, wo er von der Strömung fortgetrieben wird. Die drei machen Halt in Del Norte, einem heruntergekommenen Städtchen mitten im Nirgendwo, das – wie sie nicht ahnen – von einem korrupten Boss namens McVey kontrolliert wird. Arch und Dan unterhalten sich darüber, weiter nach Kalifornien zu reisen, um dort Arbeit zu suchen, als Harry ihnen mitteilt, dass er das ziellose Vagabundieren satt hat und plant, zu seiner Frau und seiner Tochter zurückzukehren, die er vor sieben Jahren verlassen hat. Dan lässt die beiden vor der Bar stehen und geht hinein, um sich eine weitere Flasche Alkohol zu kaufen. McVey hat es indes auf Dans Pferd abgesehen und schmiedet mit seiner Bande einen Plan, Dan zu erschießen, um das Pferd in seinen Besitz zu bringen. Dann ermordet McVey Dan, unbemerkt von Harry und Arch, und behauptet daraufhin, Dan sei ein Vergewaltiger gewesen. Harry und Arch geben nur vor ihm zu glauben und verlassen die Stadt, um ihren Freund zu begraben. Doch im Morgengrauen kehren sie zurück, um Rache zu nehmen. Harry schießt dem schlafenden Mörder McVey in beide Füße, der dadurch zum Krüppel wird. Harry und Arch fliehen mit Dans Pferd.
Nachdem Harry Hunderte von Kilometern zu seiner verlassenen Familie geritten ist, wird er von seiner Frau Hannah Collings kühl empfangen. Um bleiben zu dürfen, bieten er und Arch ihre Dienste als einfache „Gehilfen“ an. Hannah willigt ein und lässt sie alsbald für sich arbeiten. In einem unbeobachteten Moment deutet Arch sein Interesse an Hannah an. Allmählich schwinden das Misstrauen und die Unruhe, die die Jahre der Entfremdung hinterlassen haben, und das Ehepaar nähert sich wieder an. Zum ersten Mal ist Harry bereit, sich niederzulassen, doch Arch fühlt sich als Hindernis für das Glück des wiedervereinigten Paares und reist ab mit den Worten, er wolle „den Ozean sehen“.
McVey und seine Bande stören Harrys gerade erst wiederhergestelltes Familienleben. Als Harry von einem Boten McVeys erfährt, dass sie Arch entführt haben und ihn misshandeln, verlässt er Hannah erneut – diesmal, um seinen Freund zu retten. In einer brutalen Schießerei mit McVeys Bande werden alle Schurken getötet, doch auch Harry wird tödlich verwundet. In einer Epilogszene sieht Hannah, wie Arch allein mit einem zweiten, unberittenen Pferd im Schlepptau zur Farm reitet. Arch bringt die Pferde in den Stall und betritt das Haus, um dort weiter als Gehilfe zu leben.
Produktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Aufgrund des enormen finanziellen Erfolgs von Easy Rider (1969), bei dem Fonda als Co-Autor, Produzent und Hauptdarsteller mitwirkte, gewährte ihm Universal Studios volle künstlerische Freiheit für Der weite Ritt, seinem Regiedebüt. Dasselbe tat Universal im selben Jahr auch für Dennis Hopper mit The Last Movie, beide Filme waren Teil eines größeren Projekts des Studios, das jungen Filmemachern ein Budget von 1.000.000 US-Dollar und uneingeschränkte kreative Kontrolle bot (gleiches galt für Douglas Trumbull, der Lautlos im Weltraum drehte, Monte Hellman für Asphaltrennen und George Lucas, den Schöpfer von American Graffiti).
Der weite Ritt wurde im Sommer 1970 in New Mexico mit einem Budget von knapp einer Million Dollar gedreht. Wie Fonda später erzählte, wurde er als unerfahrener Filmemacher von einem Ensemble aus erfahrenen Charakterdarstellern, allen voran Warren Oates, unterstützt. Kameramann Vilmos Zsigmond lieferte zudem hochwertige, naturalistische Bilder. Zsigmond bezeichnete diesen Film als seinen ersten großen Auftrag im Spielfilmbereich: „Vor [‚Der weite Ritt‘] habe ich hauptsächlich Werbespots gedreht. ‚Der weite Ritt‘ war wahrscheinlich das erste Mal, dass ich [als Kameramann] eine wirklich dramatische Geschichte mit guten Schauspielern umsetzen konnte.“ Fondas Entscheidung, den damals noch unbekannten Bruce Langhorne als Filmkomponisten zu engagieren, zahlte sich aus, denn nahezu alle Kritiken lobten die Filmmusik als ungewöhnlich ausdrucksstark und schön. Frank Mazzola editierte den Film und verwendete dabei eine Reihe komplexer und poetischer Montagen mit aufwendigen Überblendungen, Zeitlupen und überlagerten Standbildern. Mazzolas Eröffnungsmontage wurde von mehreren Kritikern als die eindrucksvollste Sequenz des Films gelobt.
Release
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Fonda erinnerte sich: „Universal wollte eine Werbetafel am Sunset Boulevard aufstellen, die mich ohne Hemd, mit Cowboyhut und einer Pistole in der Hose zeigte. Auf der Tafel sollte in ungefähr stehen: ‚DER EASY RIDER REITET WIEDER!‘ Ich ging zu Universal und sagte: ‚Entweder ihr nehmt die Tafel ab, oder ich tue es. Ich wäre sogar bereit gewesen, sie mit Sprengstoff zu entfernen…‘ Sie hatten sich im Voraus eine saftige Summe für den Vertrieb meines Films ausgezahlt. Ich habe keinen Cent gesehen… Wenigstens habe ich sie dazu gebracht, die Werbetafel abzunehmen.“[3]
Kritiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der weite Ritt erhielt gemischte Kritiken. Einige Kritiker bezeichneten den Film, der an „Die Frau, die liebte“ von Janet Lewis erinnerte, als „Hippie-Western“.[4] Variety bemängelte die „zusammenhanglose Handlung, den weitgehend unsympathischen Helden und die aufdringliche Menge an filmischen Effekten, die die verworrenen Feinheiten der Geschichte verschleiern“.[5] Time nannte ihn „sinnlos, praktisch handlungslos, beinahe bewegungslos und eine Menge Kitsch“.[6] Roger Greenspun von der New York Times hingegen lobte ihn als „einen recht ambitionierten, einfachen Film mit einer recht ausgefeilten Technik und Bedeutungsebenen, die bis ins Mystische reichen, was sehr zur Zeit des alten Wilden Westen passen würde“.[7] Jay Cocks schrieb, der Film sei „ein feiner, elegischer Western“.[8] Trotz der Hoffnungen von Universal Studios auf einen weiteren Erfolg im Stil von Easy Rider floppte Der weite Ritt. Die Rechte wurden 1973 an NBC-TV für die Fernsehausstrahlung verkauft, wodurch die meisten Fans den Film zum ersten Mal sahen. Danach war er kaum noch zu sehen, wurde nur selten im Fernsehen wiederholt und lief über die Jahre nur noch sporadisch auf Filmfestivals.
Im Jahr 2001 wurde der Film vollständig restauriert und auf mehreren Festivals gezeigt, wo er überwiegend positive Resonanz erhielt. Im selben Jahr veröffentlichte der Sundance Channel eine DVD des Films in zwei verschiedenen Editionen. Der Film gilt heute als kleiner Westernklassiker und erreicht auf Rotten Tomatoes eine positive Bewertung von 91 % basierend auf elf Kritiken.[9] Bill Kauffman bezeichnete ihn als „eine wunderschöne Betrachtung über Freundschaft und Verantwortung, einen der unbekanntesten großen Filme jener wohl reichsten aller Kinoepochen, den frühen 1970er Jahren.“[10] Phil Hardys „The Aurum Film Encyclopedia: The Western“ lobte die „wunderschöne Kameraarbeit von Zsigmond … eine hervorragende Darstellung der Härten und der letztendlichen Ziellosigkeit des Lebens im Wilden Westen.“[11]
In einer positiven Retrospektive und einem Interview mit Hawk Koch zum 50. Jubiläum des Films auf Senses of Cinema stimmte Mark Lager der Einschätzung von Regisseur Martin Scorsese zu und lobte den Film als „kontemplativ, poetisch und reflektierend, der eine emotionale Tiefe und Reife aufweist, die im amerikanischen Western-Genre vor 1971 nicht vorhanden war.“[12]
Das Lexikon des Internationalen Films schreibt: „Ein ausgezeichnet fotografierter und stilistisch bemerkenswert konsequent entwickelter Erstlingsfilm, der die Handlung zu einer elegischen, thematisch ungewöhnlichen Western-Ballade verdichtet, der es nur gelegentlich etwas an klarer Motivierung mangelt.“[13]
TV-Version
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als NBC-TV Der weite Ritt 1973 erstmals ausstrahlte, fügte der Sender zwanzig Minuten Filmmaterial wieder ein, die Fonda zuvor als „überflüssig“ aus der Kinofassung entfernt hatte. Glenn Erickson argumentierte, dass diese zuvor fehlenden Szenen für die Handlung des Films von großer Bedeutung seien. Er merkte an, dass „Autor Alan Sharp einen dringenden Grund für Oates’ Weggang geschaffen hatte“ und führte weiter aus, dass diese zwanzig Minuten dazu beitrugen, Der weite Ritt stärker einem „klassischen Film mit Handlung, Ereignissen, Dialogen und Charakterinteraktionen“ anzugleichen.[14] Die umfangreichste Schnittfolge betraf den Tod von Ed Plummer (Michael McClure) und die anschließenden Mordermittlungen des örtlichen Sheriffs (Larry Hagman). Für die limitierte Kinoveröffentlichung im Jahr 2001 entfernte Fonda die Szenen erneut. Die ganzen rausgeschnittenen zwanzig Minuten sind aber als Bonusmaterial auf der DVD enthalten.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Freigabebescheinigung für Der weite Ritt. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, März 2007 (PDF; Prüfnummer: 44 039 DVD).
- ↑ Stephen Vagg: "Peter Fonda – 10 Phases of Acting". Filmink, 26. Oktober 2019, abgerufen am 26. Oktober 2019 (englisch).
- ↑ Lowell Goldmann: Peter Fonda: I Know What It's Like to Be Dead. Psychotronic Video, abgerufen am 30. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ J. Hoberman: 'The Hired Hand'. The Village Voice, archiviert vom am 12. Oktober 2007; abgerufen am 24. Februar 2007 (englisch).
- ↑ Unbekannter Rezensent: The Hired Hand, Variety.com, 1. Januar 1971. Abgerufen am 24. Februar 2007 (englisch).
- ↑ T.E. Kalem: A Lode of Pap ( des vom 8. April 2008 im Internet Archive), Time, 2. August 1971. Abgerufen am 14. März 2008 (englisch).
- ↑ Roger Greenspun: 'The Hired Hand':Peter Fonda Directs and Is Cast as Hero In: New York Times, 12. August 1971. Abgerufen im Oktober 2010 (englisch).
- ↑ Jay Cocks: Terminal Station ( des vom 14. Dezember 2008 im Internet Archive), Time, 3. Dezember 1973. Abgerufen im März 2008 (englisch).
- ↑ The Hired Hand. Rotten Tomatoes, abgerufen im September 2010 (englisch).
- ↑ Kauffman, Bill (1. September 2009) Bill Kauffman, "Wild Oates", The American Conservative, 1. September 2009
- ↑ Phil Hardy (editor). The Aurum Film Encyclopedia: The Western, Aurum Press, 1984. Wiedergedruckt als The Overlook Film Encyclopedia: The Western, Overlook Press, 1991, ISBN 978-0879516253
- ↑ Mark Lager: The Hired Hand - Peter Fonda's Mystical, Poetic Western 50 Years Later & An Interview With Hawk Koch - The Making of Peter Fonda's Hired Hand. In: Senses of Cinema. 2022, archiviert vom am 16. Februar 2023; abgerufen im Jahr 2022 (englisch).
- ↑ Filmkritik - Der weite Ritt. In: filmdienst. 2006.
- ↑ Glenn Erickson: The Hired Hand: Collector's Edition. DVD Savant, 21. Dezember 2003, abgerufen im Februar 2007 (englisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der weite Ritt bei IMDb
- The Hired Hand bei Turner Classic Movies (englisch, derzeit von Deutschland aus nicht zugänglich)
- The Hired Hand at Letterboxd