Zum Inhalt springen

The Cost of Knowledge

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

The Cost of Knowledge ist eine 2012 von dem Mathematiker William Timothy Gowers initiierte Boykott-Initiative gegen den Wissenschaftsverlag Elsevier. Gowers rief alle Wissenschaftler dazu auf, die Zeitschriften der Elsevier-Gruppe zu boykottieren.[1] Daraufhin startete der Mathematik-Doktorand Tyler Neylon Anfang 2012 eine Website unter dem Titel The Cost of Knowledge, angeregt von einem Blog-Beitrag von Gowers.[2][3] Auf dieser Plattform können Wissenschaftler unterzeichnen, dass sie den Boykott unterstützen.

Kritisiert wurden vor allem die sehr hohen Subskriptionspreise sowie Elseviers Praxis, wissenschaftliche Zeitschriften nur im Paket (Bundle) zu verkaufen. Die Hauptabnehmer der Journale, Bibliotheken, werden durch diese Bündelung gezwungen, neben den gewünschten Journalen auch solche zu beziehen, die für sie nicht von Interesse sind. Ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt war, dass Elsevier ein massives Lobbying gegen den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen (Open Access) betrieb. Der Verlag unterstützte beispielsweise die geplante US-Gesetzgebung SOPA. Der Research Works Act (RWA) hätte öffentlichen US-Forschungseinrichtungen verboten, Open Access für ihre Publikationen obligatorisch zu machen.[4] Elsevier sei nicht der einzige Verlag, der sich „schuldig“ mache, so Gowers. Das Verlagshaus sei aber der worst offender, also derjenige Verlag, der die schädlichen Praktiken am aggressivsten anwende.[5]

Kritik an Elsevier und seinen Geschäftspraktiken gab es schon vorher, so trat 2006 das Editorial Board der Fachzeitschrift Topology wegen zu hoher Subskriptionspreise zurück.[6]

Resonanz und Reaktionen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Initiative haben sich mehr als 21.000 (Stand Dezember 2025)[7] Wissenschaftler verschiedener Disziplinen selbstverpflichtet, nicht in Fachzeitschriften von Elsevier zu publizieren, oder als Herausgeber bzw. Gutachter zu arbeiten. Der Boykott löste ein breites Medienecho aus, auch in der deutschsprachigen Presse.[8]

Neben Tim Gowers unterzeichneten die Mathematiker Ingrid Daubechies, Marie Farge, Juan J. Manfredi, Terence Tao, Wendelin Werner, Scott Aaronson, László Lovász und John Baez den Aufruf.[9] Auch Mathematik-Professoren aus Deutschland (Martin Grötschel, Folkmar Bornemann, Günter Ziegler) gehörten zu den frühen Unterstützern des Boykotts.[8]

Der Österreichische FWF – Österreichischer Wissenschaftsfonds hält das Anliegen der Initiative grundsätzlich für berechtigt, ergänzte aber vier Punkte:

  1. Verlage, auch die kommerziellen, leisten einen wichtigen Dienst für die Qualitätssicherung in der Forschung, der auch adäquat bezahlt werden muss. Entscheidend ist allerdings, dass einerseits eine ausreichende Diversität und damit Wettbewerb von Verlagen gesichert bleibt und andererseits wissenschaftliche Erkenntnisse als „öffentliches Gut“ für alle frei zugänglich gemacht werden.
  2. Die kritisierten Verkaufspraktiken beträfen nicht nur Elsevier, sondern eine Reihe von kommerziellen Verlagen und Fachgesellschaften.
  3. Kritik an den Verlagen allein wird nicht ausreichen. Daher unterstützte der FWF seit Jahren eine Umstellung des Finanzierungsmodells: vom Subskriptionssystem von Fachzeitschriften hin zu Open-Access-Zeitschriften, die unter anderem durch Autor, Forschungsinstitutionen, Fachgesellschaften oder Fördergeber finanziert werden.
  4. Letztlich läge es auch in der Hand der Wissenschaftler, als Autoren, Editoren und Gutachter das Publikationsmodell zu ändern. Ideen und Vorbilder für erfolgreiche Open-Access-Modelle gäbe es bereits.

Im Mai 2012 verkündete die mathematische Fakultät der TU München, ab 2013 keine Zeitschriften des Verlages Elsevier mehr zu beziehen.[10]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Ulrich Herb: Mobilmachung gegen Elsevier? Wissenschaftler drohen mit Boykott des Wissenschaftsverlages. Telepolis vom 27. Januar 2012, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  2. Timothy Gowers: Elsevier — my part in its downfall Gowers's Weblog vom 21. Januar 2012, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  3. Ulrich Herb: Mobilmachung gegen Elsevier? Wissenschaftler drohen mit Boykott des Wissenschaftsverlages. Telepolis vom 27. Januar 2012, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  4. 112th Congress (2011-2012): H.R.3699 — Research Works Act. Abgerufen am 5. Dezember 2025
  5. Elsevier boycott gathers pace nature.com, 9. Februar 2012
  6. Gary Shapiro: A Rebellion Erupts Over Journals Of Academia. The New York Sun vom 26. Oktober 2006.
  7. Der aktuelle Stand wird auf der Homepage der Initiative angezeigt.
  8. a b Heinz Pampel: Stimmen zum Elsevier-Boykott wisspub.net, Gemeinschaftsblog zu wissenschaftlicher Kommunikation im Netz, vom 23. Februar 2012, abgerufen am 6. Dezember 2025.
  9. The Cost of Knowledge (Memento vom 21. März 2017 im Internet Archive), 9. Februar 2012.
  10. Aufstand gegen Großverlag: TU München bestellt Elsevier-Paket ab. In: Spiegel Online, 10. Mai 2012.