Temuco
| Temuco | |||
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| Koordinaten | 38° 44′ 0″ S, 72° 36′ 0″ W | ||
| Basisdaten | |||
| Staat | Chile | ||
| IX (La Araucanía) | |||
| Provinz | Cautín | ||
| Stadtgründung | 24. Februar 1881 | ||
| Einwohner | 236.377 (2017) | ||
| – im Ballungsraum | 278.513 | ||
| Stadtinsignien | |||
| Detaildaten | |||
| Fläche | 464 km² | ||
| Bevölkerungsdichte | 530 Ew./km2 | ||
| Höhe | 360 m | ||
| Gewässer | Río Cautín | ||
| Postleitzahl | 4780000 | ||
| Vorwahl | 45 | ||
| Zeitzone | UTC−4 | ||
| Website | |||
Temuco (aus dem Mapudungun: temu „Myrtenart Temu cruckshanksii“ + ko „Gewässer“) ist eine Stadt in Südchile. Sie ist ein Zentrum der Mapuche (Araukaner), aber auch der Deutsch-Chilenen. Die schachbrettartig angelegte Stadt hat 236.377 Einwohner (Stand: 2017) und ist Hauptstadt der Región de La Araucanía im Kleinen Süden. Der Temu ist eine Heilpflanze der Myrtengewächse.
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Temuco liegt etwa 670 km südlich von Santiago de Chile und 107 m über dem Meeresspiegel. Der Pazifik ist etwa 80 km weiter westlich.
Das Klima ist mit dem Deutschlands vergleichbar. Besonders im dortigen Winter regnet es sehr viel, Schneefälle sind eher selten. Östlich und südlich der Stadt fließt der Fluss Río Cautín, der dann zum Meer hin Río Imperial heißt. Östlich der Stadt liegen mehrere aktive große Vulkane, wie zum Beispiel der Villarrica mit 2840 m Höhe und der Llaima mit 3125 m Höhe. Der Vulkan Llaima brach zuletzt im Januar 2008 aus.
| Temuco | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Klimadiagramm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Temuco
Quelle: wetterkontor.de
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Geschichte
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1552 erreichte Pedro de Valdivia die Gegend um Temuco, doch die Gründung von Siedlungen im Gebiet der Mapuche erwies sich als fatal. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen kamen viele Siedler und Soldaten um; Pedro de Valdivia starb 1553 in der Schlacht von Tucapel. Als 1597 Pelantaro zum neuen Toqui der Mapuche gewählt wurde, wurden sämtliche Siedlungen südlich des Flusses Bío Bío zerstört. Ab 1602 zogen sich die Spanier aus dem Gebiet zurück.
Nach der chilenischen Unabhängigkeit wurde am 24. Februar 1881 offiziell die Festung Temuco gegründet, um gerade erobertes Mapuchegebiet besser kontrollieren zu können. Ab den 1880er-Jahren setzte in Temuco und der umliegenden Region eine verstärkte europäische Besiedlung ein. In diesem Zusammenhang ließen sich insbesondere Einwanderer aus der Schweiz, aus Deutschland, Frankreich und Italien in der Stadt und ihrem Umland nieder. Diese Zuwanderung beeinflusste die demografische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Temucos nachhaltig und wirkte sich unter anderem auf Handwerk, Handel sowie landwirtschaftliche und industrielle Tätigkeiten aus.[1]
Der deutsche Ingenieur Theodor Schmidt Weichsel legte 1881 mit seinen topografischen Arbeiten und dem ersten Grundriss des militärischen Vorpostens am Fluss Cautín die städtebauliche Basis für die spätere Stadt Temuco, indem er die wichtigsten Achsen und öffentlichen Räume definierte. Christian Sommermeier erweiterte diese frühe Struktur, als er 1892 den ersten vollständigen Stadtplan der Siedlung erstellte, der ein reguliertes Straßennetz, Platzanlagen und eine kohärente urbane Ordnung festlegte. Gemeinsam prägten beide die anfängliche Stadtentwicklung Temucos und schufen das Fundament für ihr späteres Wachstum.[2]
Eine historische Eisenbahnbrücke mit 11 Bögen von 35 m überquert den Fluss Río Cautín Richtung Süden. Sie wurde vom belgischen Ingenieur Gustave Verniory (ein Schüler von Gustave Eiffel) baulich betreut. Die Brücke war ab 1896 für Bauarbeiten befahrbar, wurde im Mai 1898 fertiggestellt und von Präsident Federico Errázuriz Echaurren am 13. November 1898 eingeweiht und dem Verkehr übergeben.
Am 22. Mai 1960 wurde Chile vom bisher schwersten bekannten Erdbeben der Welt mit Stärke 9,5 getroffen, dem Erdbeben von Valdivia. Noch in der Stadt Temuco wurde die Stärke 8,0 erreicht.
Nach dem Militärputsch 1973 setzte die Pinochet-Diktatur auch in Temuco auf Gewalt gegen politisch andersdenkende. So wurde am 7. November 1973 Juan Carlos Ruiz Mancilla,[3] ein 21-jähriger Student des Ingenieurwesens, aus dem Haus seiner Eltern in Punta Arenas verschleppt, per Flugzeug nach Temuco gebracht und in der Kaserne des Regiments Tucapel ermordet.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Stadt Temuco
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Markt mit großer Markthalle im Zentrum der Stadt ist für Kunsthandwerk bekannt.
Die Kultur der Mapuche wird im Mapuchemuseum (Araukanermuseum) vermittelt.
Die Stadt hat einen kleinen Zoologischen Garten mit rund 6 Hektar Fläche und ca. 80 Tierarten.
Auch Spuren deutschsprachiger Einwohner sind z. B. an Firmenbezeichnungen noch gut zu erkennen. Es gibt sogar eine deutsche Schule, welche im Jahr 1887 gegründet wurde.
Eisenbahnmuseum: Im Jahre 2004 wurde in Temuco auf dem Gelände der ehemaligen Lokomotivwerkstätte (mit Drehscheibe) das Nationale Eisenbahnmuseum eingerichtet, wo alte Dampflokomotiven, Waggons sowie die Zugkompositionen der 1960er Jahre besichtigt werden können. Die Lokomotiven und Zugkompositionen, die in Chile ihren Dienst versahen, stammen vor allem aus den USA, Italien und Deutschland.
In der Umgebung von Temuco
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Gebiet um Temuco gibt es Vulkane, ausgedehnte Seenlandschaften weiter im Süden und Nationalparks. Temuco dient als gut geeigneter Ausgangspunkt.
Ins Gebiet zwischen Temuco und der Pazifikküste wurden um 1900 die Mapuche von den spanischen Kolonialisten planmäßig zwangsumgesiedelt. Hier – zwischen Temuco und den Ortschaften wie Nueva Imperial oder Cholchol oder am Lago Budi („Budi-See“) am Pazifik – kann man noch die alte Hausform (Ruka) finden. In den größeren Orten funktionieren auch interkulturelle Spitäler (zweisprachige Spitäler mit Naturheilkunde, Naturheilern und Geistheilern der Mapuche).
In der Nähe der Stadt liegt der Nationalpark Conguillío. Das nationale Naturmonument Cerro Ñielol mit rund 89 Hektar Wald lädt zu Picknicks und Wanderungen ein. Es wurde 1881 von den Mapuche am Ort La Patagua an die Siedler übergeben, um Temuco zu gründen.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Moderne Geschäfte befinden sich in der Stadt, aber auch Landwirtschaft im Gebiet um die Stadt.
Die Stadt liegt an der Panamericana. Der Flughafen La Araucanía liegt rund 20 km südlich der Stadt an der Ruta 5 (Panamericana).
Seit Februar 2014 besteht mit einer täglichen Verbindung wieder Personen-Zugverkehr von Victoria, CL nach Temuco.
Söhne und Töchter der Stadt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Touristeninformation Temuco (spanisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Félix Rojo-Mendoza, Javier Hernández Aracena, Félix Rojo-Mendoza, Javier Hernández Aracena: Colonization and new territory: the formation of the commercial elite of Temuco, 1885-1913. In: Revista de geografía Norte Grande. Nr. 73, September 2019, ISSN 0718-3402, S. 185–209, doi:10.4067/S0718-34022019000200185 (scielo.cl [abgerufen am 7. Januar 2026]).
- ↑ Rayen Ivette Provoste Marilaf: Centro Cívico Temuco : Región de la Araucanía. In: Repositorium der Universidad de Chile. 2021 (spanisch, uchile.cl [abgerufen am 8. Januar 2026]).
- ↑ Philippe Sands: 38, rue de Londres : De l’impunité, Pinochet et le Nazi de Patagonie. Traduit par Christophe Beslon. Hrsg.: Hélène Monsacré. Éditions Albin Michel, Paris 2025, ISBN 978-2-226-49344-6, S. 189.




