Telemonitoring
Unter Telemonitoring versteht man die Fernuntersuchung, -diagnose und -überwachung des Patienten von seinem behandelnden Arzt. Der Patient kann dabei sein normales Leben weiterführen. Das Telemonitoring ist ein noch sehr junger Teilaspekt der Telemedizin.
Patienten werden mit Geräten zur Messung von Vitaldaten ausgestattet (z. B. Gewicht, Blutdruck, Herzfrequenz), die in der Lage sind, diese Daten direkt zu einem medizinischen Betreuer zu übertragen. Das kann der Hausarzt sein, ein Facharzt oder auch ein telemedizinisches Zentrum. Bei lebensbedrohlichen Zuständen kann eine automatische Alarmierung des Arztes erfolgen, so dass unter Umständen lebensrettende Hilfe veranlasst werden kann. Zusätzlich kann es ein Kommunikationsgerät im Telemonitoring für den Patienten geben, z. B. ein speziell ausgestattetes Mobiltelefon oder einen Personal Digital Assistant (PDA). Auf dieses Gerät können im Telemonitoring automatisch Informationen und Rückmeldungen des Arztes übertragen werden, z. B. Erinnerungen an Medikamenteneinnahme, durchzuführende Messungen oder auch eine Information über den aktuellen Status der Messwerte.
Telemonitoring bedingt besondere medizinische, technologische, logistische, datensicherheitstechnische und rechtliche Voraussetzungen. Gebiete, in denen das Telemonitoring bereits zum Einsatz kommt, sind z. B. die Diabetologie, die Pulmologie sowie etwa die Kardiologie. Aktuelle Begriffe in diesem Zusammenhang sind auch Smart Home Care, Remote physiological monitoring, Remote Monitoring und Patientenmonitoring. Die Firma Biotronik nennt ihr System «Home Monitoring».
Telemonitoring in der Kardiologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Kardiologie findet Telemonitoring bereits breit Anwendung - sowohl bei Patienten mit aktiven Implantaten wie Herzschrittmachern als auch bei herzkranken Patienten ohne Implantate. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hat im Jahr 2005 erstmals eine Arbeitsgruppe Telemonitoring gegründet und 2013 eine Leitlinie zum Telemonitoring bei Patienten mit implantierten Herzschrittmachern, Defibrillatoren und kardialen Resynchronisationssystemen (CRT-Systeme) herausgegeben.[1]
Die aktuellen ESC-Leitlinien für Herzinsuffizienz aus dem Jahr 2021 empfehlen Telemonitoring für Patienten mit Herzinsuffizienz.[2] Die Empfehlungen basieren vor allem auf den beiden randomisierten Studien IN-TIME und TIM-HF-2, die einen signifikanten Nutzen von Telemonitoring bei Patienten mit Herzinsuffizienz gezeigt haben.[3][4]
Auf Grund der sehr guten Studienlage übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen seit 2022 bei bestimmten Indikationen die Kosten für das Telemonitoring bei Herzinsuffizienz (TmHi) sowie für die Routinenachsorgen von Patienten mit bestimmten aktiven kardiologischen Implantaten aus der Ferne.[5] Zudem können Ärzte seit Juli 2025 die Transmitter-Kosten über eine neue Kosten-Pauschale direkt abrechnen.[6]
Inzwischen werden über 12.000 Patienten mit Herzinsuffizienz in Deutschland telemedizinisch betreut.[7]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Stephan Metzger, Rechtliche Aspekte und Perspektiven der Telemedizin – Unter besonderer Betrachtung des Vertragsrechts, Helbing&Lichtenhahn, Basel 2009, ISBN 978-3-7190-2880-0.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ A. Müller, K. Rybak, T. Klingenheben et al. (2013) Empfehlungen zum Telemonitoring bei Patienten mit implantierten Herzschrittmachern, Defibrillatoren und kardialen Resynchronisationssystemen Kardiologe 7:181–193
- ↑ 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Friedrich Koehler et al.: Efficacy of telemedical interventional management in patients with heart failure (TIM-HF2): a randomised, controlled, parallel-group, unmasked trial. In: The Lancet. Band 392, Nr. 10152, September 2018, ISSN 0140-6736, S. 1047–1057, doi:10.1016/s0140-6736(18)31880-4.
- ↑ Gerhard Hindricks et al.: Implant-based multiparameter telemonitoring of patients with heart failure (IN-TIME): a randomised controlled trial. In: The Lancet. Band 384, Nr. 9943, August 2014, S. 583–590, doi:10.1016/S0140-6736(14)61176-4 (elsevier.com [abgerufen am 21. November 2025]).
- ↑ KBV - Telemonitoring Herzinsuffizienz. Abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ KBV - Transmitter für Telemonitoring und telemedizinische Funktionsanalyse: Abrechnung ab Juli über den EBM möglich. Abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ Telemonitoring auf dem Vormarsch: Wachsende Zahl von Herzinsuffizienz-Patienten profitiert von der Plattform inCareNet HF | Biotronik. Abgerufen am 21. November 2025.