Dieser Artikel behandelt das italienische Telekommunikationsunternehmen TIM, ehemals Telecom Italia. Für die damalige dazugehörige Tochtergesellschaft TIM siehe Telecom Italia Mobile.
Seit 2015 tritt das Unternehmen als TIM auf und vertreibt Mobilfunk-, Festnetz- und Breitbanddienste (ADSL, VDSL und FTTH); zuvor war dies ein Akronym für das eigenständige Tochterunternehmen Telecom Italia Mobile, das ausschließlich Mobilfunkdienstleistungen anbot. Businessdienste werden unter dem Markennamen TIM Business vermarktet.[3]
TIM verzeichnet Stand 2023 rund 30,3 Millionen Mobilfunk- (Marktanteil von 27,9%) und 8,1Millionen Festnetzanschlüsse (Marktanteil von 40,2%), davon 7,3Millionen Breitbandanschlüsse (Marktanteil von 38,4%).[4] Das Unternehmen steht in direkter Konkurrenz mit Vodafone Italia, Wind Tre sowie Iliad Italia.
Das Unternehmen entstand 1994 durch die Fusion von fünf Unternehmen (SIP, IRITEL, Italcable, Telespazio, SIRM) der ehemaligen StaatsholdingIRI-STET. In den Jahren danach kam es zu zum Teil drastischen Rationalisierungen, in deren Folge der Personalbestand mehrmals stark abgebaut wurde. Im Oktober 1997 begann die italienische Regierung mit der Privatisierung, wobei man sich für eine gewisse Zeit eine sogenannte „Golden Share“ erhalten konnte.
Im November 1998 wurde Franco Bernabè Geschäftsführer der Telecom Italia. Im Februar 1999 legten Bieter ein Übernahmeangebot für die Telecom Italia vor. Bernabè sprach sich gegen das Übernahmeangebot aus und erwog Gegenmaßnahmen (darunter eine Fusion mit der Deutschen Telekom). Im Mai begann die Übernahme, und Olivetti erlangte 51% der Aktien der Telecom Italia. Im Juni 1999 trat Bernabè zurück.
1999 erwarb Roberto Colaninno über eine komplexe Unternehmensverschachtelung rund um Olivetti eine Mehrheitsbeteiligung an der Telecom Italia. Heute befinden sich etwa 50% der Aktien im Besitz italienischer institutioneller Anleger (wobei Pirelli durch direkte und indirekte Beteiligungen die Kontrolle ausübt), etwa 25% sind in italienischem Streubesitz, den Rest halten überwiegend ausländische Investoren. Die Telecom Italia betreibt den weit überwiegenden Teil des italienischen Telefon-Festnetzes (mit Internetdiensten) und ist über den Markennamen TIM (bis 2015: Telecom Italia Mobile) der wichtigste Mobilfunkanbieter in Italien. Die Tochter Telecom Italia Media kontrolliert unter anderem die Fernsehsender La7 und MTV Italia sowie die NachrichtenagenturApcom. Über Olivetti ist die Telecom Italia auch im Bereich der Informationstechnologie tätig (Olivetti fusionierte 2003 mit Telecom Italia; der traditionsreiche Markenname wird nun für den IT-Bereich verwendet). Internetdienste wurden bis 2011 unter der Marke Alice angeboten.
Im Jahr 2001 hat sich das Forschungslabor CSELT in TILAB (Telecom Italia Lab) umbenannt.[5] Im September 2006 gerieten Mitarbeiter von der Telecom Italia in einen landesweiten Abhörskandal.[6]
Die Telecom Italia war eine der Hauptsponsoren der WeltausstellungExpo 2015 in Mailand und für die Internetversorgung zuständig. Sie deckte das gesamte Areal durch den Einsatz von 50Sendeanlagen mit LTE, GSM und UMTS ab, zudem installierte sie in Zusammenarbeit mit Cisco Systems mehr als 1800WLAN-Zugangspunkte, dieses Netz war für jeden Besucher der Expo frei zugänglich, hatte aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 5Mbit/s. Das Backbone-Netz der Expo bildete ein 300Kilometer langes Glasfasernetz sowie 2Serverzentren. Während der gesamten Expo wurden 1,1Petabyte an Daten transferiert.[8]
Im Jahr 2015 änderte Telecom Italia die Unternehmensstrategie und tritt ab 2016 nur noch mit dem Markennamen TIM auf dem italienischen Markt auf.[9][10]
Torre Telecom Italia in RomTorre Telecom Italia in Rozzano bei Mailand
Die Telecom Italia betreibt ein italienweites Mobilfunknetz, welches auf GSM, UMTS und LTE basiert. Das Netz wird primär unter der Marke der TIM vertrieben, wird aber auch von diversen Mobilfunkanbietern angemietet, mitunter von Tessellis, CoopVoce[11] und ehemals auch Fastweb. Die Mobilfunkdienste werden von mehr als 15.000[12] Sendestandorten abgestrahlt, darunter auch Fremdmasten (zum Beispiel von Sendestandorten der Rundfunkanstalt RAI oder in Südtirol diese der Rundfunk-Anstalt Südtirol RAS, von Vodafone, von Wind-Tre-Sendemasten uvw.).[13] Als Zulieferer für die Sendetechnik setzt Telecom Italia auf Nokia im Nordosten Italiens, auf Ericsson im Nordwesten und Huawei im Süden des Landes.
Das GSM-Netz erreicht 99,8% der Bevölkerung.[14] Genutzt werden dabei Frequenzbereiche bei 900MHz und 1800MHz,[15] die schrittweise deaktiviert werden, um für LTE-1800 mehr Bandbreite zu schaffen. GSM wird in den betroffenen Gebieten nur noch auf 900MHz und in seltenen Fällen auf zwei verbleibenden freien GSM-1800-Kanälen gesendet. Das gesamte GSM-Netz ist seit 2005 auf EDGE aufgerüstet.
Das HSDPA-Netz erreicht 96% der Bevölkerung, das schnellere HSPA+-Netz ca. 80,4%.[14] Für UMTS stehen Frequenzbereiche um 900MHz und 2100MHz zur Verfügung.[15] Das UMTS-Netz ist auf HSDPA aufgerüstet und erreicht Downloadgeschwindigkeiten bis zu 14Mbit/s im Download, via HSPA+ sind Downloadgeschwindigkeiten bis zu 42Mbit/s möglich.
Die Telecom Italia besitzt das zweitgrößte LTE-Netz in Italien mit einer Abdeckung von ca. 95% der Bevölkerung.[14] Für LTE werden folgende vier Frequenzbänder verwendet:[15]
Band 20 – 800MHz Trägerfrequenz mit 10MHz Bandbreite, erreicht eine Downloadgeschwindigkeit bis zu 75Mbit/s,
Band 3 – 1800MHz Trägerfrequenz mit 15MHz Bandbreite, erreicht eine Downloadgeschwindigkeit bis zu 112Mbit/s, seit 2016 wird das auf 1800MHz gesendete GSM-Netz abgeschaltet und die freiwerdenden Frequenzen werden für LTE B3 mit 20MHz Bandbreite genutzt, um 150Mbit/s im Download zu erreichen.
Band 7 – 2600MHz Trägerfrequenz mit 15MHz Bandbreite, erreicht eine Downloadgeschwindigkeit bis zu 112 Mbit/s.
Band 32 – 1500MHz Trägerfrequenz, nur für Carrier Aggregation, erreicht eine Downloadgeschwindigkeit bis zu 150 Mbit/s – besitzt keinen Upload.[16]
Der Ausbauplan zielt darauf, bis 2018 98% der Bevölkerung mit Highspeed LTE Funknetz abzudecken.[17] Am 26.November 2015 hat die Telecom Italia mitgeteilt, als erster Betreiber Italiens LTE mit Downloadgeschwindigkeiten bis zu 300MBit/s in Betrieb genommen zu haben, dabei werden mithilfe von „Three Carrier Aggregation“ drei verschiedene LTE-Frequenzbänder kombiniert.[18] Am 15.Dezember gab sie bekannt, den neuen 4.5G-Standard in Rom, Palermo und Sanremo in Betrieb genommen zu haben. Mithilfe des L-Bands (Band32), aggregiert mit den Bändern 800und 1800sowie der Verwendung von 256QAM, werden Downloadgeschwindigkeiten bis zu 500Mbit/s realisiert.[16] Die erste Anlage mit 500MBit/s wurde in Sanremo für das Festival provisorisch aufgebaut, Anfang 2017 werden dort für die Abstrahlung von 1500MHz LTE weitere Anlagen umgebaut. Die Antenne im Bild verfügt über Technik von Ericsson und einer Prototyp-Antenne von Kathrein. Der Cell Identifier der Anlage ist 201309. Mitte 2017 wurde diese Geschwindigkeit durch die 4-Carrier-Aggregation mit zusätzlich Band7 auf 700Megabyte erhöht.[19]
Mit der Privatisierung der SIP wurde das gesamte Netz, inklusive letzte Meile an die Telecom Italia übertragen. Diese bietet ADSL mit bis zu 20Mbit/s, FTTC bis zu 200Mbit/s Download und 20Mbit/s Upload und FTTH bis zu 1000Mbit/s download und 20Mbit/s upload sowie Telefon Services an.[20] Des Weiteren bietet Telecom Italia für spezielle Kunden Leitungen mit mehr Bandbreite an (bspw. große Schulen). Auch bietet sie sogenannte Normalpakete an, die mit erhöhten Preis erweitert werden können. Das Normalpaket für ADSL2+ ist 7Mbit/s und auf 10 und 20 erweiterbar. Das Normalpaket von FTTC ist 20Mbit/s kann jedoch auf bis zu 200Mbit/s erhöht werden. FTTH mit den FTTC-Gegebenheiten aber erweiterbar auf bis zu 1000Mbit/s.[21]
2003 übernahm Telecom Italia den Hamburger Telefon- und Internet-Anbieter HanseNet und bot seine Internetdienste unter dem Markennamen Alice an. Mitte September 2006 verkündete die Telecom Italia die geplante Übernahme des deutschen AOL-Geschäfts für Internetzugänge, die im März 2007 vollzogen wurde. Am 5. November 2009 wurde eine Vereinbarung zum Verkauf von HanseNet/Alice für 900 Mio. Euro an Telefónica Germany unterzeichnet. Einschließlich einer Prüfung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden sowie deren erforderlicher Genehmigungen wurde der Verkauf im Februar 2010 abgeschlossen. Die unter dem Namen Alice laufenden Aktivitäten in Frankreich wurden bereits 2008 an Iliad verkauft.
Seit dem Jahr 1998 ist Telecom Italia auch auf dem brasilianischen Markt aktiv unter dem Namen TIM Brasil.
2025 gab die Telecom Italia an, ihre Unterseekabelsparte Sparkle, welche 600.000 Kilometer Datenkabel zwischen Europa, dem Mittelmeer und Amerika halten soll, für €700 Millionen an den Italienischen Staat zu veräußern.[22][23] Dies entspräche einem Preis von ca. 86ct pro Meter.
Die TIM S.p.A. hält über 100-prozentige sowie in Mehrheitsbesitz stehende Tochtergesellschaften Beteiligungen an Unternehmen in 29 Ländern und vier Kontinenten.[2]
Die Eigentümerstruktur der Telecom Italia (TIM) hat sich seit der Privatisierung mehrfach grundlegend verändert. Nach der Börsennotierung wurde das Kapital breit gestreut. Zunächst dominierte neben der staatlichen Cassa Depositi e Prestiti (CDP) die Telco S.p.A., ein Investmentvehikel von Assicurazioni Generali, Intesa Sanpaolo, Mediobanca und Telefónica das 2007 einen Anteil von 22% erwarb.
Mitte 2015 begann der französische Medienkonzern Vivendi mit dem Aufbau einer Beteiligung und stockte innerhalb weniger Monate seine Anteile auf 24%. Fast zur gleichen Zeit stieg auch der französische Telekommunikationsunternehmer Xavier Niel kurzzeitig mit 15% ein, zog sich jedoch 2016 zurück, um später mit Iliad Italia ein eigenes Netz aufzubauen. Ab 2018 erwarb der US-amerikanische Finanzinvestor Elliot Management einen Anteil von knapp 10%, verkaufte diesen aber in den darauffolgenden Jahren wieder.
Im Frühjahr 2025 übernahm die Poste Italiane die Anteile der staatlichen Cassa Depositi e Prestiti und erwarb zusätzlich die Vivendi-Anteile. Somit ist die Poste Italiane seit 2025 der größte Einzelaktionär von TIM. Dadurch hat sich der Einfluss des italienischen Staates, der rund 65% an der Poste Italiane hält, erheblich verstärkt.[24]