Tektite (von griechisch tektos, geschmolzen) sind bis zu einige Zentimeter große Glasobjekte, welche zwar irdischen Ursprungs sind, deren Bildung aber durch den Einschlag großer Meteorite auf der Erdoberfläche verursacht wurde.
Durch den Einschlag wird irdisches Material geschmolzen und bis zu einige hundert Kilometer fortgeschleudert, wobei es zu Glas erstarrt. Obwohl durch einen Meteoriteneinschlag verursacht, sind die Tektite selbst also irdischen und nicht, wie oft behauptet, extraterrestrischen Ursprungs. Farblich sind Tektite schwarz oder grünlich durchsichtig. Die Form variiert von aerodynamisch rundlich, scheiben-, tropfen- oder hantelförmig bis unregelmäßig.
Durch Meteoriteneinschläge werden auch Impaktgläser erzeugt, die anders als die Tektite nicht weggeschleudert werden, sondern in der Umgebung des Kraters bleiben. Ein Beispiel ist Darwin-Glas.
Sowohl Tektite als auch Impaktgläser zählen zu den Impaktiten.
Tektite werden aufgrund ihrer Formen üblicherweise in drei Gruppen eingeteilt:[1]
„Splash-form“ (etwa: Tropfen-Form): die häufigen tropfen-, hantel-, stäbchen- oder kugelförmigen Formen.
Aerodynamisch geformte Tektite: Hierzu gehören ausschließlich die schildförmigen Australite.
Muong Nong-Gläser: Unregelmäßig-blockig geformte Stücke von teilweise ungewöhnlicher Größe mit häufigen Mineraleinschlüssen und erkennbarer Schichtung. Ihre Zuordnung zu den Tektiten ist Gegenstand laufender Diskussionen.
Daneben werden Tektite auch nach ihren Fundgebieten in den jeweiligen Streufeldern benannt und gruppiert. Beispiele hierfür sind:
Dieses größte Streufeld bedeckt rund 10% der Erdoberfläche. In den Bohrkernen 758B des Ocean Drilling Program (ODP) vom Ninetyeast Ridge im östlichen Indischen Ozean als auch vom Cagayan Ridge in Südostasien (Bohrkern 769A) wurden positive Iridium-Anomalien nachgewiesen, die in denselben Sedimentschichten liegen, in denen auch die höchsten Dichten an Mikrotektiten (<1mm) gemessen wurden. Miktotektite, Ir-, Cr- und Co-Gehalte in Tiefseesedimenten von Bohrkern 769A (Cagayan Ridge)Die maximale Ir-Konzentration von 190 pg/g (Ir-Gehalt korrigiert in Bezug auf Karbonat) betrug etwa das Doppelte des Kontinuumsniveaus in Bohrkern 758B.[3][4]Miktotektite, Ir-, Cr- und Co-Gehalte in Tiefseesedimenten von Bohrkern 758B (Ninetyeast Ridge)Bohrkern 758B im östlichen Indischen Ozean zeigt eine positive Iridium-Anomalie, die exakt in derselben Horizontschicht liegt, in der auch die höchste Dichte an australasiatischen Mikrotektiten gemessen wurde.Die Lage des Kraters ist umstritten. Nach einer 2019 erschienenen Studie wird der Krater im Bolaven-Plateau in Laos vermutet und ist wahrscheinlich von Lava überdeckt.[5] Das Alter der Tektite wurde auf rund 790.000 Jahre bestimmt.[6]
Innerhalb des indo-australischen Streufelds findet sich in der Region Port Campbell (Südwest-Victoria / Australien) ein kleineres Streufeld, das ein Alter von ca. 10.000Jahrenbp aufweist und somit bei einem jüngeren Impakt entstanden ist.[7]
Campbellite (Australien / Port Campbell, dunkel, meist schwarz)
Chesapeake-Bay-Krater, USA (Virginia, Maryland), Alter: ca. 35Mio. Jahre. Obwohl die Bediasite seit mehreren Jahrzehnten bekannt sind, wurde der zugehörige Krater erst nach1990 als solcher erkannt, da er größtenteils unter dem Meer liegt und vollständig von Sedimenten bedeckt wurde.
Ein 900 km langes Streufeld erstreckt sich in Brasilien über die Bundesstaaten Minas Gerais, Bahia und Piauí. Die überwiegend schwarzen Gläser, die nach dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais als „Geraisite“ bezeichnet werden, wiegen zwischen <1 g und 85,4 g. Das Entstehungsalter liegt derzeit bei ca. 6,3 Ma. Der zugehörige Krater ist noch nicht bekannt.[8][9]
Johannes Baier: Zur Herkunft und Bedeutung der Ries-Auswurfprodukte für den Impakt-Mechanismus. In: Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins. 91, 2009, S.9–29, doi:10.1127/jmogv/91/2009/9.
↑Gordon R. Osinski, Elisabetta Pierazzo (Hrsg.):Impact Cratering - processes and products. Wiley-Blackwell, Chichester 2013, ISBN 978-1-4051-9829-5, S.136–138 (englisch).
↑Wolfgang Gentner:Cogenesis of the Ries crater and moldavites and the origin of tektites. In: Meteoritics. Band6, 1971, S.274–275.
↑Gerhard Schmidt, Lei Zhou, John T Wasson:Iridium anomaly associated with the Australasian tektite-producing impact: Masses of the impactor and of the Australasian tektites. In: Geochimica et Cosmochimica Acta. Band57, Nr.19, Oktober 1993, S.4851–4859, doi:10.1016/0016-7037(93)90204-A (englisch, Online[abgerufen am 26.Juli 2026]).
↑Christian Koeberl:Extraterrestrial component associated with Australasian microtektites in a core from ODP Site 758B. In: Earth and Planetary Science Letters. Band119, Nr.3, 1.September 1993, ISSN0012-821X, S.453–458, doi:10.1016/0012-821X(93)90153-Z (englisch, Online[abgerufen am 26.Juli 2026]).
↑Kerry Sieh, Jason Herrin, Brian Jicha et al.: Australasian impact crater buried under the Bolaven volcanic field, Southern Laos. In: PNAS. 2019, doi:10.1073/pnas.1904368116 (PDF; 3,8MB).
↑Winfried H. Schwarz, Mario Trieloff, Klemens Bollinger, Niklas Gantert, Vera A. Fernandes, Hans-Peter Meyer, Hal Povenmire, Elmar K. Jessberger, Massimo Guglielmino, Christian Koeberl:Coeval ages of Australasian, Central American and Western Canadian tektites reveal multiple impacts 790 ka ago. In: Geochimica et Cosmochimica Acta. Band178, April 2016, S.307–319, doi:10.1016/j.gca.2015.12.037 (englisch, Online[abgerufen am 26.Juli 2026]).
↑Alvaro P. Crósta, Gabriel G. Silva, Ludovic Ferrière, Philippe Nonnotte, Eugen Libowitzky, Fred Jourdan:Geraisite: The first tektite occurrence in Brazil. In: Geology. Band54, Nr.2, 2.Dezember 2025, ISSN0091-7613, S.163–167, doi:10.1130/G53805.1 (englisch).