Tazieffit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, konnte aber bisher nur in Form von faserigen Aggregaten, bestehend aus winzigen Kristalle mit nadeligem Habitus, einer Länge von bis zu 400μm und einer Breite bis zu 10μm gefunden werden. Die undurchsichtigen Kristalle zeigen auf der Oberfläche einen metallischen Glanz und sind von silbergrauer Farbe, die gelegentlich einen Stich ins Magentarote annimmt. Die Strichfarbe ist dagegen schwarz.
Erstmals entdeckt wurde Tazieffit an einer Hochtemperatur-Fumarole am VulkanMutnowski (englisch: Mutnovsky) im südlichen Teil der russischenHalbinselKamtschatka im Föderationskreis Ferner Osten. Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral durch Michael Zelenski, Anna Garavelli, Daniela Pinto, Filippo Vurro, Yves Moëlo, Luca Bindi, Emil Makovicky und Elena Bonaccorsi, die es nach dem bekannten französischen Vulkanologen Haroun Tazieff (1914–1998) benannten.
Da Mutnovskit erst 2008 von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz nicht aufgeführt. Einzig im „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/E.27-15. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“, wo Tazieffit zusammen mit Kirkiit, Mutnovskit und Vurroit eine eigenständige, aber unbenannte Gruppe bildet (Stand 2018).[3]
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte[7]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Tazieffit in die Abteilung der „Sulfosalze mit PbS als Vorbild“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der strukturellen Verwandtschaft entsprechender Leitminerale, so dass das Tazieffit (hier noch unter seiner IMA-Eingangs-Nr. IMA 2008-012) entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Galenit-Derivate mit Blei (Pb)“ zu finden ist, wo er vorerst direkt unter der System-Nr. 2.JB ohne eigene Gruppe eingeordnet wurde.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Tazieffit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfosalze“ ein. Hier ist er zusammen mit Zinkenit, Pillait und Pellouxit in der „Zinkenitgruppe“ 03.08.01 innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 1 < z/y < 2 und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ zu finden.
Außer seiner Typlokalität, der etwa 13 km südöstlich vom Krater des Mutnowski liegenden Fumarole (52°21′0″N, 158°16′12″O52.35158.27[5]), sind bisher (Stand 2017) keine weiteren Fundorte für Mutnovskit bekannt.[8]
Michael Zelenski, Anna Garavelli, Daniela Pinto, Filippo Vurro, Yves Moëlo, Luca Bindi, Emil Makovicky, Elena Bonaccorsi:Tazieffite, Pb20Cd2(As,Bi)22S50Cl10, a new chloro-sulfosalt from Mutnovsky volcano, Kamchatka Peninsula, Russian Federation. In: American Mineralogist. Band94, 2009, S.1312–1324 (rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 27.November 2017]).
Peter A. Williams, Frédéric Hatert, Marco Pasero:New minerals approved in 2008. In: International Mineralogical Association. 2008, S.1–13 (englisch, rruff.info[PDF; 147kB; abgerufen am 1.Mai 2020] IMA No. 2008-012).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
123456Michael Zelenski, Anna Garavelli, Daniela Pinto, Filippo Vurro, Yves Moëlo, Luca Bindi, Emil Makovicky, Elena Bonaccorsi:Tazieffite, Pb20Cd2(As,Bi)22S50Cl10, a new chloro-sulfosalt from Mutnovsky volcano, Kamchatka Peninsula, Russian Federation. In: American Mineralogist. Band94, 2009, S.1312–1324 (rruff.info[PDF; 1,4MB; abgerufen am 1.Mai 2020]).
↑Tazieffite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 1.Mai 2020(englisch).