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Tash Aw

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Tash Aw (2025)

Tash Aw (chinesisch 歐大旭; eigentlich Aw Ta-Shi; * 4. Oktober 1971 in Taipeh, Taiwan) ist ein malaysischer Schriftsteller, der auf Englisch schreibt.[1][2] Seine Romane befassen sich mit den sozialen und wirtschaftlichen Umbrüchen Südost- und Ostasiens sowie insbesondere soziale Klasse, Migration, prekäre Arbeit und die Folgen rascher Modernisierung.[3][4][5][2] Drei seiner fünf Romane – The Harmony Silk Factory, Five Star Billionaire und The South – wurden für den Booker Prize nominiert.[6]

Tash Aw wurde in Taipeh als Sohn malaysischer Eltern chinesischer Abstammung geboren und zog mit ihnen im Alter von zwei Jahren nach Malaysia, wo er in Kuala Lumpur aufwuchs.[1] Seine Kindheit war mehrsprachig; er sprach Malaiisch, Mandarin, Kantonesisch und Englisch.[1] Als Jugendlicher ging er ins Vereinigte Königreich und studierte Jura am Jesus College der University of Cambridge sowie an der University of Warwick.[1] Nach seinem Abschluss arbeitete er vier Jahre lang als Jurist und schrieb zugleich an seinem ersten Roman, dessen Manuskript er während eines Studiums des kreativen Schreibens an der University of East Anglia vollendete.[1] Seine Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt; zu seinen Auszeichnungen gehören der Whitbread First Novel Award, der Commonwealth Writers’ Prize und ein O. Henry Award.[6]

Mit seinem 2005 erschienenen Debütroman The Harmony Silk Factory wurde Aw international bekannt. Das Buch erzählt von dem chinesisch-malaysischen Geschäftsmann Johnny Lim und entwirft vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche im Malaysia des mittleren 20. Jahrhunderts ein vielschichtiges Bild seiner Persönlichkeit.[1][6] Der Roman gelangte in die Vorauswahl für den Booker Prize und wurde mit dem Whitbread First Novel Award sowie dem Commonwealth Writers’ Prize für den besten Debütroman aus der Region Asien-Pazifik ausgezeichnet.[1]

Der zweite Roman Map of the Invisible World erschien 2009. Im Mittelpunkt steht der indonesische Junge Adam, der während der politischen Unruhen der 1960er-Jahre nach seinem verschwundenen Adoptivvater sucht und dabei mit seiner eigenen Vergangenheit und der Geschichte Indonesiens konfrontiert wird.[7]

Five Star Billionaire von 2013 verknüpft die Geschichten fünf ehrgeiziger Figuren, die in Shanghai nach wirtschaftlichem Erfolg und einer neuen Identität suchen.[3] Der Roman thematisiert soziale Statusunterschiede, Selbstinszenierung und die Unsicherheit einer Gesellschaft, deren Regeln sich unter den Bedingungen eines rasanten Kapitalismus fortwährend verändern.[3] Auch dieses Werk schaffte es in die Vorauswahl für den Booker Prize.[6]

In der autobiografischen Schrift The Face: Strangers on a Pier (2016) setzt sich Aw mit der Migrationsgeschichte seiner chinesisch-malaysischen Familie sowie mit den sozialen und wirtschaftlichen Trennlinien auseinander, die Bildung und Aufstieg innerhalb der Familie entstehen ließen.[8][7]

Der vierte Roman We, the Survivors erschien 2019 und 2022 unter dem Titel Wir, die Überlebenden auf Deutsch.[5] Darin erzählt der chinesischstämmige Malaysier Ah Hock nach seiner Haftentlassung einer jungen Soziologin seine von Armut, wechselnden Beschäftigungen und bescheidenen Aufstiegshoffnungen belastete Lebensgeschichte, die schließlich in der Tötung eines undokumentierten Arbeitsmigranten mündet.[4][5] Die als Folge von Interviews angelegte Erzählung nimmt die Biografie des Protagonisten aus Ausgangspunkt für die Behandlung von Arbeitsmigration, Menschenhandel und der sozialen Hierarchien der malaysischen Gesellschaft.[4][5] Zugleich zeigt das Verhältnis von Ah Hock zu seiner privilegierteren Interviewerin auf, wie ungleich die Möglichkeiten verteilt sind, die eigene Geschichte zu deuten und öffentlich zu erzählen.[5]

Aws fünfter Roman The South erschien 2025; die deutsche Übersetzung wurde 2026 unter dem Titel Der Süden veröffentlicht.[8][2] Der Roman spielt in den 1990er-Jahren und schildert einen Sommer, den der 16-jährige Jay Lim mit seiner Familie auf einem heruntergewirtschafteten Bauernhof im Süden Malaysias verbringt, wo er sich zu dem 19-jährigen Chuan, dem Sohn des Verwalters, hingezogen fühlt.[8][2] Die Beziehung der beiden ist durch ihre unterschiedliche soziale Stellung, die Eigentumsverhältnisse auf der Farm, fehlende wirtschaftliche Perspektiven und die Unmöglichkeit offen gelebter Homosexualität begrenzt; zugleich bedrohen Dürre und die Klimakrise die Existenzgrundlage der Familie.[2] Die Erzählung wechselt zwischen verschiedenen Zeitebenen und den Perspektiven Jays, seiner Mutter Sui Ching und des Farmverwalters Fong, wodurch die Liebesgeschichte in familiäre und gesellschaftliche Konflikte eingebettet wird.[8][2] The South ist der erste Teil einer geplanten Tetralogie und wurde 2025 für den Booker Prize nominiert.[8][6]

  • The Harmony Silk Factory. 2005; deutsch: Die Seidenmanufaktur zur schönen Harmonie. Übersetzt von Pociao und Roberto de Hollanda, Rowohlt, Reinbek 2006.[1][7]
  • Map of the Invisible World. 2009; deutsch: Atlas der unsichtbaren Welt. Übersetzt von Pociao, Rowohlt, Reinbek 2009.[7]
  • Five Star Billionaire. 2013.[3]
  • We, the Survivors. 2019; deutsch: Wir, die Überlebenden. Übersetzt von Pociao und Roberto de Hollanda, Luchterhand, München 2022.[5]
  • The South. 2025; deutsch: Der Süden. Übersetzt von Pociao und Roberto de Hollanda, Luchterhand, München 2026.[2]

Autobiografische Prosa

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  • The Face: Strangers on a Pier. 2016; deutsch: Fremde am Pier. Porträt einer Familie. Übersetzt von Pociao und Roberto de Hollanda, Luchterhand, München 2024.[1][7]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 AW – Tash Aw Archive. In: The British Archive for Contemporary Writing. University of East Anglia, abgerufen am 5. September 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Jan Behrs: Neuer Roman von Tash Aw: Eine kleine Farm in Zeiten von El Niño. In: die tageszeitung. 4. September 2026, abgerufen am 5. September 2026.
  3. 1 2 3 4 Dwight Garner: Shanghai for Strivers. In: The New York Times. 1. August 2013, abgerufen am 5. September 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 Hannah Beech: An Act of Lethal Violence Shatters the Life of an Upwardly Mobile Malaysian. In: The New York Times. 3. September 2019, abgerufen am 5. September 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 4 5 6 Eva Behrendt: Roman über globalisierte Arbeitswelt: Es sind alles nur Körper. In: die tageszeitung. 6. Juni 2022, abgerufen am 5. September 2026.
  6. 1 2 3 4 5 Tash Aw: Longlisted for the Booker Prize 2025. In: The Booker Prizes. Booker Prize Foundation, abgerufen am 5. September 2026 (englisch).
  7. 1 2 3 4 5 Tash Aw. In: Internationales Literaturfestival Berlin. Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik, abgerufen am 5. September 2026 (englisch).
  8. 1 2 3 4 5 Heller McAlpin: One Steamy Month Charged With Forbidden Longing. In: The New York Times. 26. Mai 2025, abgerufen am 5. September 2026 (englisch).