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Tankrabatt

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Tankrabatt ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine vom 1. Juni bis zum 31. August 2022 befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe in Deutschland durch das Kabinett Scholz. Im April 2026 einigte sich das Kabinett Merz auf eine ähnliche Regelung, die vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 gilt.

Die Energiesteuersenkung erfolgte zur finanziellen Entlastung von Bürgern und Wirtschaft, da durch die von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf den russischen Überfall auf die Ukraine 2022 Kraftstoffpreise erheblich gestiegen waren.[1]

Die Maßnahme war Teil des zweiten Entlastungspakets, auf das sich die Regierungskoalition Ende März 2022 verständigt hatte und zu dem auch das 9-Euro-Ticket gehörte.[2]

Umgesetzt wurde der Tankrabatt durch eine Änderung des Energiesteuergesetzes und der Energiesteuer-Durchführungsverordnung. Die Fraktionen der Ampel-Koalition brachten dafür am 10. Mai 2022 einen Gesetzentwurf in den Bundestag ein, der am 19. Mai 2022 beschlossen wurde.[3]

Für Benzin reduzierte sich der Energiesteuersatz um 29,55 Cent/Liter von 65,45 Cent/Liter auf 35,9 Cent/Liter.

Für Dieselkraftstoff reduzierte sich der Energiesteuersatz um 14,04 Cent/Liter von 47,04 Cent/Liter auf 33 Cent/Liter.

Die Steuermindereinnahmen des dreimonatigen Tankrabatts bezifferte der Gesetzentwurf auf 3,15 Milliarden Euro.[4] Eine Auswertung der Plattform Frag den Staat auf Grundlage von Angaben des Bundesfinanzministeriums ergab tatsächliche Kosten von 3,4 Milliarden Euro.[5]

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) bezeichnete im ZDF den Tankrabatt als „ökonomisch und ökologisch unsinnig, enorm teuer, verschwendetes Steuergeld, sozial ungerecht.“[6]

Von vielen Ökonomen wie Michael Hüther, Marcel Fratzscher, Veronika Grimm, Clemens Fuest, Jens Südekum und Monika Schnitzer wurde der Tankrabatt kritisch beurteilt. Bemängelt wurde unter anderem die fehlende Zielgenauigkeit, die „Umverteilung von unten nach oben“ und der für den Klimaschutz schädliche Fehlanreiz der Vergünstigung fossiler Energieträger.[7]

FAZ-Redakteur Tobias Piller regte in einem Kommentar an, nur zwei Gruppen zu subventionieren: das Güterkraftgewerbe sowie Arbeitnehmer, die schlecht bezahlt werden und weit entfernt von ihrem Arbeitsplatz wohnen. Letztere sind den Finanzämtern namentlich bekannt, weil sie eine Pendlerpauschale für mehr als 20 Kilometer Entfernung erhalten.[8] Ähnlich äußerte sich der Präsident des ifo-Instituts Clemens Fuest, der den Tankrabatt als Steuergeschenk für Wohlhabende beschrieb.[9]

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf plädierte dafür, solche Arbeitnehmer (wie zum Beispiel eine Krankenschwester) nicht mit einem Tankrabatt zu fördern, denn

„durch künstlich billigen Sprit [entsteht] der falsche Anreiz, mehr zu verbrauchen und nicht weniger. Und […] es [ist] bevormundend: Gibt man der Krankenschwester mehr Geld, dann hat sie die Freiheit, selbst zu entscheiden, was sie damit machen möchte: weiter mit dem Diesel pendeln oder ein E-Auto anschaffen oder eine teurere Wohnung nah an ihrem Arbeitsplatz mieten.
Wer ihr nur billiges Benzin anbietet, nimmt ihr diese Wahlfreiheit.[10]

Marc Beise, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung, schrieb in einem Kommentar Mitte Juni 2022, dass der Begriff irreführend sei: In Wirklichkeit erhielten die Mineralölunternehmen drei Monate lang eine Steuersenkung.[11]

Eine Untersuchung von FragDenStaat zeigte 2024, dass das Finanzministerium bei der Konzipierung des Tankrabatts interne Warnungen ignorierte, dass die Maßnahme vor allem Ölkonzernen zugutekommen würden.[12]

Obwohl die Spritpreise Anfang Juni sichtbar nachgaben, wurde debattiert, dass die Steuerentlastung von den Ölkonzernen nicht im gleichen Maße eine Preissenkung für den Endkunden zur Folge habe. Weil die Preise an den Tankstellen weiter stiegen, plante Wirtschaftsminister Habeck, das Kartellrecht dahingehend zu verschärfen, dass auch ohne Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht in die Märkte eingegriffen werden kann.[13]

Nachdem erste Erfahrungen mit der Maßnahme gewonnen werden konnten, gaben verschiedene Wissenschaftler auf Basis empirischer Daten bekannt, dass der Umfang der Steuerüberwälzung, also der Anteil der Weitergabe der Steuersenkung an die Kunden, deutlich höher lag als von den Kritikern befürchtet. Die Steuerüberwäzung wurde vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung mit 85 bis 100 Prozent beziffert, Monika Schnitzer gab 89 bis 102 Prozent an und Hans-Jörg Schmerer sprach von fast 100 Prozent.[14] Auch das RWI bestätigte in einer Studie, dass die Steuervorteile „zu sehr großen Teilen, wenn nicht gar gänzlich an die Verbraucher weitergegeben worden“ seien. Hierzu verglichen die Forscher die Tankstellenpreise in Frankreich und Deutschland. Diese bewegten sich weitgehend parallel, mit der Senkung der Steuern sank der Preis im ersten Monat der Maßnahme in Deutschland um etwa den Umfang der Steuersenkung.[15]

Dieses Bild änderte sich spätestens mit der zweiten Hälfte der dreimonatigen Maßnahme. Die Preise stiegen trotz der Steuersenkung wieder bis hin zu dem Punkt, dass der Dieselpreis in Deutschland Ende August das französische Niveau überstieg.[16][17]

Erneuter Tankrabatt 2026

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Angesichts des erneuten Anstiegs der Kraftstoffpreise infolge des Irankriegs beschloss die Regierung Merz im April 2026, erneut einen Tankrabatt vorzuschlagen: Die Mineralölsteuer solle für zwei Monate brutto um 17 Cent pro Liter gesenkt werden; falls die Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern eine Prämie von bis zu 1000 Euro zahlen wollten, solle sie steuerfrei gestellt werden. Die Ausgaben aus dem Bundeshaushalt sollten durch eine Erhöhung der Tabaksteuer gegenfinanziert werden.[18] Am 24. April 2026 beschloss der Bundestag diese Steuersenkung. Die Regelung gilt vom 1. Mai bis 30. Juni 2026.[19] Sie begann damit an einem Feiertag, an dem, wie auch am Sonntag, 3. Mai 2026, ein Fahrverbot für Lastkraftwagen gilt. Die Mineralölsteuer und ihre Ermäßigung wird bei der Abgabe im Großhandel abgerechnet, z. B. an der Raffinerie.

Das Vorhaben wurde in der Öffentlichkeit zumeist kritisch beurteilt: Der Journalist Wolfgang Mulke monierte, dass die Entlastung auch Menschen erreiche, die sich die gestiegenen Benzinpreise ohne weiteres leisten können; es sei nicht sicher, ob die Mineralölkonzerne die Entlastung an ihre Kunden weitergeben würden, und es fehle ein Anreiz, Treibstoff zu sparen und weniger Auto zu fahren. Immerhin verschaffe der Tankrabatt der Regierung Zeit, um Strukturreformen anzugehen. Noch kritischer urteilte die Journalistin Birgit Marschall: Die Straße von Hormus werde auch im Sommer nicht frei sein, weshalb sich die Frage im Sommer erneut stellen werde. Statt in E-Mobilität zu investieren, werfe die Regierung „leichtfertig 1,6 Milliarden € zum Fenster hinaus“.[20]

Wie beim ersten Tankrabatt wurde auch 2026 der Großteil der Steuerreduktion an die Verbraucher weiter gegeben: Eine Studie des ifo-Institutes berechnete vom 10. bis 12. Mai 2026 eine durchschnittliche Weitergabe von 14 Cent bei Diesel, 16 Cent bei Super E5 und 15 Cent bei Super E10, was etwa 82–94 % des Rabattes entspricht.[21]

Einzelnachweise

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  1. Bundestag Presse Kurzmeldungen In: bundestag.de
  2. Kabinett beschließt Entlastungspaket In: mdr.de
  3. Gesetz zur Änderung des Energiesteuerrechts zur temporären Absenkung der Energiesteuer für Kraftstoffe (Energiesteuersenkungsgesetz – EnergieStSenkG). In: Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentsmaterialien. Deutscher Bundestag, abgerufen am 16. April 2026.
  4. Energiesteuersenkungsgesetz In: bundestag.de
  5. Aiko Kempen, Markus Engert: Wie das Finanzministerium beim Tankrabatt alle Warnungen ignorierte. In: fragdenstaat.de. 15. April 2024, abgerufen am 13. April 2026.
  6. Tanken Rabatt Spritpreise Kempfert In: zdf.de
  7. Ökonomen fällen vernichtendes Tankrabatturteil In: ntv.de
  8. Tobias Piller (FAZ): Viele Autofahrer brauchen keinen Tankrabatt. faz.net vom 12. Juni 2022.
  9. Ölkonzerne geben Tankrabatt zu 85 bis 100 Prozent weiter (Pressemitteilung). Ifo Institut für Wirtschaftsforschung, 14. Juni 2022, abgerufen am 14. Juni 2022.
  10. Stefan Rahmstorf: Gastbeitrag (bei spiegel.de): Wie wir uns zu Tode subventionieren (9. Juni 2022)
  11. sueddeutsche.de: Der Tankrabatt - die dümmste Idee der Ampel.
  12. Wie das Finanzministerium beim Tankrabatt alle Warnungen ignorierte. In: FragDenStaat. Abgerufen am 27. April 2024.
  13. Habeck will offenbar Kartellrecht verschärfen. Wieder steigende Spritpreise. tagesschau.de, abgerufen am 12. Juni 2022.
  14. Patrick Bernau: Wie die Kritik am Tankrabatt begann. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 24. Juli 2022, S. 22.
  15. Tankrabatt wurde weitgehend an Verbraucher weitergegeben. SPON, 29. Juli 2022, abgerufen am 1. März 2026.
  16. Christian Siedenbiedel: Die Tücken mit Tankrabatt & Co. FAZ, 18. Juli 2024, abgerufen am 1. März 2026.
  17. Lisa-Marie Eckardt: Wirkung des Tankrabatts ließ sukzessive nach. Zeit Online, 30. August 2022, abgerufen am 1. März 2026.
  18. Geplante Steuersenkung Wann kommen die Entlastungen? tagesschau.de, 14. April 2026.
  19. Zweites Gesetz zur Änderung des Energiesteuergesetzes zur temporären Absenkung der Energiesteuer für Kraftstoffe (2. Energiesteuersenkungsgesetz). In: Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentsmaterialien. Deutscher Bundestag, abgerufen am 30. April 2026.
  20. Gastkommentare: Ist der Tankrabatt richtig? Ein Pro und Contra. das-parlament.de, 15 April 2026.
  21. ifo Tankrabatt-Tracker, abgerufen am 14. Mai 2026