Tachyhydrit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem, ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt meist rundliche, farblose oder wachs- bis honiggelbe Massen. Synthetisch gezogen bildet das Mineral auch rhomboedrische oder tafelige Kristalle aus.
Mit einer Mohshärte von 2 gehört Tachyhydrit zu den weichen Mineralen und lässt sich ähnlich wie das Referenzmineral Gips mit dem Fingernagel ritzen.
Tachyhydrit verdankt seinen Namen seiner hygroskopischen Eigenschaft, der Umgebungsluft die Feuchtigkeit zu entnehmen und dann rasch zu zerfließen. Abgeleitet wurde der Name von den altgriechischen Worten ταχύς [tachýs] für schnell und ὕδωρ [hydor] für Wasser, zusammengesetzt also „schnelles Wasser“.
Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Tachyhydrit zur Klasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung der „Doppelhalogenide“, wo er zusammen mit Carnallit die „Carnallit-Tachyhydrit-Gruppe“ mit der System-Nr. III/B.08 und den weiteren Mitgliedern Koenenit und dem inzwischen als Mineralgemenge diskreditierten Almerait bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. III/C.08-30. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der etwas verfeinerten Abteilung „Doppelhalogenide (meist mit OH, H2O)“, wo Tachyhydrit zusammen mit Carnallit, Koenenit und Redikortsevit unbenannte Gruppe III/C.08 bildet.[7]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Tachyhydrit dagegen in die Abteilung der „Einfachen Halogenide mit H2O“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Metall (M) zu jeweiligem Halogen (X), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M:X=1:2“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 3.BB.35 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Tachyhydrit zwar ebenfalls in die Klasse der „Halogenide“, dort allerdings in die Abteilung der „Komplexen Halogenide – Aluminiumfluoride“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 11.05.05 innerhalb der Unterabteilung der „Komplexen Halogenide - Aluminiumfluoride mit (A)mB(X)6“ zu finden.
Der bisher einzige österreichische Fundort ist die Steinsalz-Lagerstätte bei Hallein in Salzburg.
Des Weiteren wurde Tachyhydrit noch im Grubenfeld Mengo im Departement Kouilou der Republik Kongo, in der Anhydritgrube Billingham und im Kaliwerk Carlsbad im Eddy County des US-Bundesstaates New Mexico gefunden.[11]
Ein Patent beschreibt, wie sich durch Behandlung magnesiumhaltiger Karbonate mit starker Salzsäure Tachyhydrit bildet.[12] Dies kann zu einem Hindernis bei der Erdölförderung werden, wenn dadurch Poren verschlossen werden.
C. F. Rammelsberg:Ueber den Tachyhydrit, ein neues Mineral aus dem Steinsalzlager von Stassfurth. In: 'Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie. Band98, 1856, S.261–263 ([PDF; 295kB; abgerufen am 21.Juli 2022]).
123456Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.158 (englisch).
↑Hans Jürgen Rösler:Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S.366,841.
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Tachyhydrite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 68kB; abgerufen am 21.Juli 2022]).
123Tachyhydrite.In:mindat.org.Hudson Institute of Mineralogy,abgerufen am 21.Juli 2022(englisch).
↑Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑
Fundortliste für beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 21. Juli 2022.
↑PatentUS3550686A:Utilization of high strength acid on dolomite.Angemeldetam28.Februar 1969,veröffentlichtam29.Dezember 1970,Anmelder:Halliburton Co,Erfinder:John A. Knox.