Der Rapide Mistral wurde ab 1947 zwischen Paris und Marseille auf die Strecke geschickt. Der prestigeträchtige Zug erhielt die Zugnummer „R 1“ (in der Gegenrichtung: „R 2“). Er führte ausschließlich Wagen der damaligen ersten und zweiten Klasse sowie Pullmanwagen der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL). 1952 wurde die Fahrstrecke bis Nizza verlängert. Für die 1088km benötigte der Zug genau 11Stunden.[1] Zwischen Paris und Lyon hatte der Zug elektrische Traktion, zwischen Lyon und Marseille wurden dafür die damals noch neuen Dampflokomotiven der Baureihe241 P und im Abschnitt zwischen Marseille und Nizza ölgefeuerte 141 R verwendet.
Ab 1953[2] wurden für den Zug neuartige INOX-Wagen aus rostfreiem Stahl beschafft, die später als „Mistral 56“ bezeichnet wurden.[3][4] Europaweit erstmals besaßen diese Wagen eine Klimaanlage. Weiterhin mitgeführt wurden ein Vorkriegspullmanwagen und ein Speisewagen der CIWL, die keine Klimaanlage hatten, aber bis 1969 eingesetzt wurden – der Mistral wurde damit später zum einzigen TEE, der einen Pullmanwagen mitführte. Nach der europäischen Klassenreform von 1956 führte der Mistral nur noch die (neue) 1. Klasse.
Der Zug wurde mit dem Fahrplanwechsel im Sommer 1965 in das TEE-Netz eingegliedert. Er fuhr nun als TEE1 von Paris nach Nizza und als TEE2 in der Gegenrichtung. Abschnittsweise wurde die Höchstgeschwindigkeit des Zuges zwischen 1965 und 1968 auf 160km/h angehoben.[1] Zwischenhalte waren Dijon (bis Februar 1969 nur TEE1), Lyon, Valence, Avignon, Marseille, Toulon, Saint-Raphaël, Cannes und Antibes. Der TEE1 begann seine Fahrt um 13:10 Uhr in Paris und erreichte Nizza um 23:20 Uhr, später wurde die Ankunftszeit auf 22:25 Uhr vorverlegt. Der Gegenzug nach Paris fuhr um 13:20 Uhr in Nizza ab (später 14:35 Uhr) und erreichte die französische Hauptstadt um 23:25 Uhr (23:35 Uhr). Zeitweise führte der Zug auch einen Kinowagen.[1]
1981 wurde die neue SchnellfahrstreckeParis–Lyon eröffnet und mit den Hochgeschwindigkeitszügen TGV befahren. Damit bestand kein Bedarf mehr an der teuren und nun relativ langsamen Verbindung mit einem TEE. Der Zug fuhr am 26. September 1981 zum letzten Mal als TEE 10 und TEE 11.[1] Bis 1982 lief er noch als zweiklassiger Zug mit Corail-Wagen zweiter Klasse und wurde danach eingestellt.[5]
Maurice Mertens:TEE. Trans Europ Express. Alba-Verlag, Düsseldorf 1987, ISBN 3-87094-114-6 (französisch: Les TEE - Trans Europ Express. Übersetzt von Berndt von Mitzlaff).
Stefan Vockrodt: Mistral, Capitol und andere Legenden. Berühmte Züge von, nach und über Paris. In: Eisenbahnen in Paris = Eisenbahngeschichte Spezial 2 (2015). ISBN 978-3-937189-94-9, S. 60–67.