Das Swiss Science Center Technorama (im allgemeinen Sprachgebrauch meist einfach nur Technorama) in Winterthur ist das einzige Science Center der Schweiz. Es wird von der gleichnamigen Stiftung betrieben. Auf einer Fläche von 6'500 Quadratmetern im Innenbereich können an über 500 interaktive Stationen naturwissenschaftliche Phänomene erlebt und erforscht werden. In der Parkanlage «Technorama Draussen» werden rund 30 interaktive Exponate und Kunstwerke präsentiert. Ergänzend dazu werden in sieben Labore Workshops zu Biologie, Chemie und Physik angeboten und es finden Vorführungen zu den Themen Elektrizität und Gase statt.
Das Technorama wird als grösster ausserschulischer Lernort der Schweiz regelmässig von Schulklassen genutzt. 2025 zählte das Technorama 369'211 Eintritte.[1]
Während das Technorama selbst als Kulturgut von überregionaler Bedeutung geführt wird, zählt die zum Museum gehörende Spielzeugeisenbahn-Sammlung Bommer zum Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung.[2]
1947 wurde ein Verein zur Förderung und Entwicklung eines technischen Museums der Schweiz gegründet. 1969 entstand die StiftungTechnorama der Schweiz mit dem Ziel, «Wissenschaft und Technik in lebendiger Schau» in Form einer Ausstellung zu präsentieren. Diese Ausstellung war ab 1982 noch als konventionelle, eher museale Schau zu sehen. Ab 1990 entwickelte man unter Leitung des damaligen Direktors Remo Besio ein neues Leitbild, die Umwandlung von einem Museum in ein Experimentierfeld, das handelnde Erfahrungen ermöglichen soll. Diese Umwandlung wurde etwa im Jahr 2000 abgeschlossen. Seit November 2008 leitet der deutsche Diplom-Biologe und Marketing-Spezialist Thorsten-D. Künnemann das Technorama.[3]
Ein Grossteil der Ausstellungsfläche des Technorama wird durch die Dauerausstellungsbereiche belegt. Dort finden sich gut 500 fest installierte Experimentierstationen, aufgegliedert in unterschiedliche Themenbereiche:
Der Ausstellungsbereich «Du entscheidest» wurde im Frühling 2025 eröffnet und befasst sich mit Phänomenen der Psychologie und Entscheidungstheorie. Es handelt sich um eine noch nicht fertiggestellte Ausstellung, die kontinuierlich weiterentwickelt wird. Die Anleitungen der fertiggestellten Exponate werden zum Nachbau als Open Source zur Verfügung gestellt.[4]
Im temporären Ausstellungsbereich des Technorama werden in unregelmässigen Abständen zwischen zwei und vier Jahren unterschiedliche Ausstellungen gezeigt. Seit März 2025 sind dort die «Klangwelten» ausgestellt. Die Exponate behandeln Phänomene der Akustik.[5]
Der 2021 eröffnete Park «Technorama Draussen»[6] erstreckt sich über eine Fläche von 15'000 Quadratmetern und bietet Besuchern jeden Alters rund 30 interaktive Exponate und Kunstwerke, die Naturphänomene erlebbar machen. Die Experimente rund um die Themen Wind, Licht und Wasser laden zum Entdecken und Forschen ein.[7] Im Zentrum steht die 130 Meter lange Wunderbrücke[8], die als neues Wahrzeichen Winterthurs gilt.[9] Der Park wurde vom Winterthurer Architekturbüro Krebs und Herde gestaltet.[10]
Als «Highlight» gilt das Exponat «Fallendes Wasser». Aus dem Würfel an der Wunderbrücke stürzen fünf Tonnen Wasser aus einer Höhe von 9 Metern auf die Halfpipe. So schiesst ein Teil des Wassers wieder auf die doppelte Höhe hoch.
Galerie
Die Parkanlage
Exponat «Fallendes Wasser», fünf Tonnen Wasser fallen in die Tiefe
In den sieben Laboren des Technorama zu den Themengebieten Physik, Chemie und Biologie werden täglich wechselnde Workshops und OpenLabs angeboten. Seit dem Jahr 2021 kommt im Rahmen des Workshopangebots der Biologie ein für Science Center äusserst seltenes Rasterelektronenmikroskop zum Einsatz.[11]
2017 eröffnete das Technorama in Zusammenarbeit mit AdventureRooms einen Escape Room unter dem Namen AdventureRooms Technorama. Die zwei Spiele hiessen Spektrum und Kontinuum. Viele der Rätsel basierten auf naturwissenschaftlichen und technologischen Phänomenen. Die AdventureRooms Technorama wurden 2023 dauerhaft geschlossen.[12]
Das Projekt «Technorama 2050»[13] sieht eine umfassende Sanierung und Erweiterung des Technorama bis 2030 vor. Neben der Modernisierung der Haustechnik und Gebäudehülle sollen vor allem die Ausstellungsflächen attraktiver, inklusiver und barrierefrei gestaltet werden. Eine zentrale «Piazza» mit Naturerlebnissen soll das Herzstück des neuen Technorama bilden und dazu beitragen, die Faszination für Wissenschaft und Technik nachhaltig zu fördern.[14]
Die Erträge des Technorama stammen zu 19 Prozent von der Öffentlichen Hand und zu 9 Prozent von Wirtschaft, Stiftungen und Privaten; die übrigen 72 Prozent erwirtschaftet das Technorama selbst (Zahlen des Geschäftsjahres 2025).[15]
↑Claudia Schwalfenberg:Erster Schritt zur Wunderbrücke.Baukultur: Neugestaltung Park des Technorama Winterthur.In:espazium.espazium.ch,28.August 2015,abgerufen am 5.Juni 2024.