Sven Perner
Sven Roger Perner (* 29. Februar 1972 in Ellwangen (Jagst)) ist ein deutscher Pathologe. Von 2015 bis 2023 war er Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, und Inhaber des Lehrstuhls für Pathologie der Universität zu Lübeck. Sein Forschungsgebiet ist die molekulare Pathologie solider Tumoren, mit dem Schwerpunkt des Prostatakarzinoms.
Werdegang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Perner legte 1991 am Hariolf-Gymnasium in Ellwangen das Abitur ab und absolvierte eine Ausbildung an der dortigen Krankenpflegeschule. Von 1992 bis 1999 studierte er Humanmedizin in Ulm, wo er 2003 promovierte. Die Facharztweiterbildung in Pathologie begann er am Universitätsklinikum Ulm.[1]
2004 wechselte er als Postdoctoral Research Fellow an das Brigham and Women’s Hospital der Harvard Medical School in die Arbeitsgruppe von Mark A. Rubin, ab 2007 an das Weill Cornell Medical Center. 2009 habilitierte er sich an der Universität Tübingen. Parallel dazu leitete er von 2008 bis 2010 eine Nachwuchsgruppe im Emmy-Noether-Programm der DFG.[1]
2010 nahm Perner einen Ruf auf eine W2-Professur an der Universität Bonn an; dort war er geschäftsführender Oberarzt am Institut für Pathologie und leitete die Sektion für Prostatakarzinom-Forschung der Rudolf-Becker-Stiftung.[2] 2015 folgte der Ruf nach Lübeck (W3) mit Direktion des dortigen Instituts für Pathologie. Zugleich leitete er die Klinische und Experimentelle Pathologie am Forschungszentrum Borstel (Leibniz Lungenzentrum) und war Principal Investigator im Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Beide Funktionen gab er 2023 ab.[1]
Seit 2023 ist Perner Chief Operating Officer des MVZ Hanse Histologikum in Hamburg und seit 2024 zusätzlich Geschäftsführer des MVZ Zentrum für ambulante Onkologie Tübingen.[3] Im Juli 2024 gründete er in Tübingen das Pathora Institut für Pathologie und Gewebemedizin.[1]
Forschung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Perner arbeitet überwiegend translational, also an der Schnittstelle von experimenteller Tumorbiologie und diagnostischer Pathologie. Im Mittelpunkt stehen das Prostatakarzinom, daneben Tumoren der Lunge und der oberen Atemwege.
Bekannt wurde er durch Arbeiten zur TMPRSS2-ERG-Genfusion, einer Translokation, die bei rund der Hälfte aller Prostatakarzinome auftritt und als frühes Ereignis in deren Entstehung gilt.[4] Im Rahmen seiner Emmy-Noether-Gruppe verfolgte er das Ziel, daraus einen urinbasierten, nicht-invasiven Diagnostikansatz zu entwickeln.[5] Aus Kooperationen mit der Harvard Medical School und der University of Michigan gingen Patente zu ETS-Genfusionen sowie zu PSMA-basierten Diagnose- und Therapieverfahren hervor. Förderung erhielt er unter anderem durch DFG, Rudolf-Becker-Stiftung und das US Department of Defense.[1]
In PubMed sind über 330 Publikationen mit seiner Beteiligung gelistet.[6]
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- mit Glen Kristiansen (Hrsg.): Histopathologische Diagnostik der Prostatastanzbiopsie. Springer, Berlin/Heidelberg 2020, ISBN 978-3-662-60642-1.
- mit Florian Stellmacher (Hrsg.): Pathologie nicht-neoplastischer Lungenerkrankungen. Springer, Berlin/Heidelberg 2024, ISBN 978-3-662-67073-6.
- Mitautor: Thomas Kirchner u. a.: Kurzlehrbuch Pathologie. Elsevier, München, ISBN 978-3-437-43309-2.
- Mitautor: Gerald Höfler u. a.: Lehrbuch Pathologie. Elsevier, München, ISBN 978-3-437-42391-8.
Mitgliedschaften und Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Perner ist Fellow of the Royal College of Pathologists (FRCPath, seit 2019) und International Fellow of the College of American Pathologists. Er war Landesvorsitzender des Berufsverbands Deutscher Pathologen für Schleswig-Holstein[7] sowie Vorsitzender des Vereins der Pathologen Hamburgs und Schleswig-Holsteins. Mit Christiane Kümpers produziert er die Pathologie-Podcasts Patho aufs Ohr und Patho? Logisch!.[8]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Publikationen bei PubMed
- DFG-Projektprofil bei GEPRIS
- Literatur von und über Sven Perner im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von und über Sven Perner in der Deutschen Digitalen Bibliothek
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 Curriculum Vitae Prof. Dr. med. Sven Perner. Deutsche Gesellschaft für Pathologie, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Prof. Dr. Sven Perner. Pressemitteilung der Universität zu Lübeck vom 20. November 2015.
- ↑ BioRegio STERN: Prof. Dr. Sven Perner ist neuer Geschäftsführer des MVZ Zentrum für ambulante Onkologie Tübingen, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Sven Perner, Francesca Demichelis, Rameen Beroukhim u. a.: TMPRSS2:ERG fusion-associated deletions provide insight into the heterogeneity of prostate cancer. In: Cancer Research. Band 66, Nr. 17, 2006, S. 8337–8341, doi:10.1158/0008-5472.CAN-06-1482.
- ↑ TMPRSS2-ERG Genfusion als neuer Biomarker für Prostatakarzinom-Patienten. GEPRIS, Deutsche Forschungsgemeinschaft, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Publikationen von Sven Perner. PubMed, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Pressemitteilung UKSH vom 19. Februar 2018, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Christiane Kümpers, Sven Perner: Pathologie hörbar gemacht. In: Die Pathologie. Band 43, 2022, S. 459, doi:10.1007/s00292-022-01115-y.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Perner, Sven |
| ALTERNATIVNAMEN | Perner, Sven Roger (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Pathologe und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 29. Februar 1972 |
| GEBURTSORT | Ellwangen (Jagst) |