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Supplicatio

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Die Supplicatio war in der antiken römischen Religion ein Bitt-, Sühn- oder Dankritus. Im weiteren Sinn wurde darunter die Darbringung eines Wein- und Weihrauchopfers auf einem Altar, oft unter Begleitung von Flötenspiel, durch einen Privatmann verstanden, im engeren Sinn eine staatlich befohlene religiöse Feier. Ob griechischer Einfluss bei ihrer Entstehung eine größere Rolle spielte, ist unklar.[1]

In Zeiten großer Bedrängnis befragten Priester, meist die Quindecimviri sacris faciundis oder die Pontifices, die Sybillinischen Bücher und beantragten nach Einholen dieses sakralen Gutachtens Bitt- oder Sühn-Supplicationes. Diese wurden auf Beschluss des Senats durchgeführt, nachdem sie von den Magistraten verkündet worden waren. Auslöser war häufig das Auftreten von Prodigien, die als Zeichen göttlichen Zorns interpretiert wurden; Ziel der Abhaltung der Supplicationes war in diesem Fall, die Vergebung der Götter zu erflehen. Auch zur Abwehr drohenden Unheils wie z. B. Seuchen wurden solche religiösen Bittfeste angeordnet.[2]

Üblicherweise dauerten die Supplicationes einen Tag, doch konnte der Senat bei gravierenden Vorfällen auch mehrtägige Feiern anordnen.[2] Während der Supplicatio waren die Tempel geöffnet, damit die mit Lorbeer bekränzten Teilnehmer sie in einem Prozessionszug nacheinander besuchen und in ihnen Wein- und Weihrauchopfer vollziehen konnten. Ferner beugten sie das Knie vor den Götterbildern und sprachen die von den Quindecimviri vorgetragenen Gebete nach. Frauen waren als Teilnehmerinnen an dem Ritus von großer Bedeutung und verliehen ihm einen auffällig emotionalen Charakter.[1][3]

Eine Dank-Supplicatio diente beispielsweise dazu, den Göttern für einen Sieg über die Feinde zu danken. In den letzten Jahrzehnten der römischen Republik verlor sie immer mehr ihren religiösen Charakter und diente vielmehr, einhergehend mit einer zunehmend längeren Dauer, dem politischen Zweck, erfolgreiche Heerführer zu ehren. So wurde 45 v. Chr. im Hinblick auf die Siege Caesars eine 50-tägige Dank-Supplicatio abgehalten. In der Prinzipats-Zeit waren die Supplicationes hauptsächlich im Rahmen des Kaiserkults geäußerte Loyalitätsbezeugungen gegenüber dem römischen Herrscher.[3]

  1. 1 2 Karlhans Abel: Supplicatio. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 5, Stuttgart 1975, Sp. 434f.
  2. 1 2 Anne Viola Siebert: Supplicatio. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 11, Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-01481-9, Sp. 1116.
  3. 1 2 H. Le Bonniec: Supplicationes, in: Lexikon der Antike, Artemis-Verlag, Neuausgabe Zürich und München 1990, ISBN 3-7608-1034-9, Bd. 3, Sp. 2952.