Sun Fo

Sun Fo (chinesisch 孫科, Pinyin Sūn Kē; * 21. Oktober 1891 in Zhongshan, Guangdong, Kaiserreich China; † 13. September 1973 in Taipeh) war ein Politiker der Kuomintang (KMT), der unter anderem 1932 Premierminister der Republik China, zwischen 1932 und 1948 mit einer Unterbrechung Präsident des Legislativ-Yuan sowie von 1948 bis 1949 Premierminister der Republik China (Taiwan) war. Zuletzt fungierte er von 1966 bis zu seinem Tode 1973 als Präsident des Prüfungs-Yuan.
Leben
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Sun Fo war ein Sohn des Revolutionärs und Staatsmanns Sun Yat-sen (1866–1925)[1] und dessen erster Ehefrau Lu Muzhen (1867–1952), reiste ins Ausland und begann zunächst ein grundständiges Studium an der University of California, Berkeley, das er 1916 mit einem Bachelor of Arts (B.A.) an der University of California, Berkeley beendete. Ein darauf folgendes postgraduales Studium an der Columbia University schloss er 1917 mit einem Master of Science (M.Sc.) ab und bekam zudem von der Columbia University eine Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaft (Honorary Doctor of Laws (LL.D.)) verliehen. Nach seiner Rückkehr nach China arbeitete er als Sekretär im Stadtparlament von Guangzhou sowie im Außenministerium und fungierte später als stellvertretender Redakteur der englischsprachigen Tageszeitung „Canton Times“, ehe er nschließend nach Hongkong zog. Als Sun Yat-sen Chen Jiongming zum Gouverneur der Provinz Guangdong ernannte, bat Chen den Sun Fo, die rechtlichen Grundlagen für die Verwaltung des neuen Stadtrats von Guangzhou auszuarbeiten. 1921 ernannte Chen ihn zum Bürgermeister von Guangzhou. Sun setzte sich energisch für den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur Guangzhous ein und finanzierte diese Ausgaben durch eine Erhöhung der Grundsteuern der Stadt, die sich dank seiner Bemühungen zur modernsten Stadt Südchinas entwickelte. Im Oktober 1923 wurde er zum Mitglied des provisorischen Zentralen Exekutivkomitee der Kuomintang (KMT) berufen, wo er eine Verfassung, neue Parteistatuten sowie ein Manifest entwarf. Er wirkte an der Planung des ersten Parteikongresses mit, der vom 20. bis zum 30. Januar 1924 in Guangzhou stattfand und auf dem er seinen Verfassungsentwurf vorstellte.
Im November 1924 reiste Sun Yat-sen nach Nordchina, um Verhandlungen mit den Warlords zu führen, erkrankte dort jedoch. Sun Fo eilte zu seinem Vater und wurde am 11. März 1925 Zeuge der Unterzeichnung von dessen zwei Testamenten. Eines dieser Testamente wurde zum feierlichen Eid erhoben, mit dem künftige Mitglieder der KMT ihre Loyalität gegenüber der Nationalistischen Partei schworen. In der Folge stieg er rasch innerhalb der KMT auf. Im Januar 1926 wurde er Mitglied des Zentralen Exekutivkomitees der Partei, während er weiterhin als Bürgermeister der Stadt Guangzhou sowie als Mitglied des Politischen Rates der KMT tätig war. Er trat vom 10. bis zum 16. März 1926 dem fünfköpfigen Ständigen Ausschuss des Regierungsrates von Wuhan bei und avancierte damit zu einer Schlüsselfigur der Regierung von Wuhan. Gemeinsam mit seinem Kollegen aus der Provinz, Hu Hanmin,[2] sowie weiteren Begleitern unternahm er 1928 eine Reise durch Europa.
Nach seiner Rückkehr schloss Sun Fo sich der Regierung in Nanjing an und bekleidete Ämter im Staatsrat sowie weitere hohe Positionen. Nachdem er unter Premierminister Koo Vi-kyuin[3] von 1926 bis zu seiner Ablösung durch Wang Boqun[4] 1927 Minister für Kommunikation, fungierte er unter den Premierministern Pan Fu[5] und Tan Yankai 1928 als Finanzminister und wurde als solcher von T. V. Soong[6] abgelöst. Er selbst übernahm daraufhin unter den Premierministern Tan Yankai, T. V. Soong und Chiang Kai-shek[7] zwischen 1928 und seiner Ablösung durch Wang Jingwei[8] 1931 das Amt des Eisenbahnministers.
Nachdem Präsident Chiang Kai-shek 1931 Hu Hanmin widerrechtlich verhaften ließ, kehrte Sun in die Provinz Guangdong zurück und schloss sich dort seinen KMT-Genossen im Widerstand gegen Chiangs Parteiführung an. Erst nach der Freilassung Hus kehrte Sun nach Nanjing zurück, um am 1. Januar 1932 von Chen Mingshu[9] das Amt des Präsidenten des Exekutiv-Yuan zu übernehmen. Er bekleidete dieses Amt jedoch nur 27 Tage lang bis 28. Januar 1932 und wurde daraufhin von Wang Jingwei abgelöst.[10] Er selbst übernahm daraufhin im Januar 1932 von Chang Ji das Amt als Präsident des Legislativ-Yuan, des Parlaments der Republik China. Er setzte seinen Widerstand gegen Chiangs autoritäre Herrschaft sowie gegen einige dessen politischer Maßnahmen fort – insbesondere gegen Chiangs moderate Haltung gegenüber Japan. Die beiden Männer einigten sich darauf, ihre Meinungsverschiedenheiten zu akzeptieren; daraufhin setzte Sun Fo seine Laufbahn im Staatsdienst fort. Er war an den Verhandlungen mit der Sowjetunion beteiligt, die im August 1937 zur Unterzeichnung eines chinesisch-sowjetischen Nichtangriffspaktes führten. Er reiste zudem im Januar 1938 sowie im April 1939 als Sondergesandter Chiang Kai-sheks nach Moskau. Während dieser Aufenthalte handelte er umfangreiche Kreditvereinbarungen mit der sowjetischen Führung aus und unterzeichnete ein chinesisch-sowjetisches Handelsabkommen. Die Kriegsjahre verbrachte Sun Fo in der nationalistischen Hauptstadt Chongqing in der Provinz Sichuan.
Am 17. Mai 1948 wurde Sun Fo zum Präsidenten des Legislativ-Yuan der nunmehrigen Republik China (Taiwan) gewählt und übte dieses Amt bis zu seiner Ablösung durch Tung Gun-shin am 24. Dezember 1948 aus. Als Nachfolger von Weng Wenhao[11] wurde er Präsident des Exekutiv-Yuan und fungierte damit bis zu seinem Rücktritt am 12. März 1949 als Premierminister der Republik China (Taiwan), woraufhin He Yinqin[12] ihn ablöste.[13] Anfang 1949 verlegte er das Exekutiv-Yuan nach Guangzhou, da kommunistische Streitkräfte rasch nach Süden vorrückten. Nach seinem Rücktritt im März 1949, zog er sich ins Privatleben zurück und siedelte nach Taiwan über. 1951 zog er nach Frankreich und schließlich 1952 in die Vereinigten Staaten. Im Oktober 1965 ließ er sich dauerhaft in Taiwan nieder, wo er als leitender Berater im Amt von Staatspräsident Chiang Kai-shek tätig war. Am 1. September 1966 löste er Mo Teh-hui[14] als Präsident des Prüfungs-Yuan ab und bekleidete diese Funktion bis zu seinem Tode am 13. September 1973 in Taipeh, woraufhin Yang Liang-kung seine Nachfolge antrat.
Aus seiner Ehe mit Chen Suk-ying und gingen die beiden Söhne Sun Zhiping (1913–2005) und Sun Zhiqiang (1915–2001) sowie die beiden Töchter Sun Suiying (1922–2025) und Sun Suihua (1925–2021) hervor. Aus einer außerehlichen Beziehung mit Yan Aijan stammt zudem die Tochter Sun Suifang (* 1936) sowie aus einer weiteren Beziehung mit Rosa Lam die Tochter Nora Sun (1937–2011).
Veröffentlichungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 抗建七講 („Sieben Vorlesungen über antijapanische Konstruktion“), 1984
- 中國的前途 („Chinas Zukunft“), 2012
- 三民主義新中國 („Die drei Prinzipien des Volkes: Ein neues China“), 2012
- 孫哲生先生最近講演集 („Sammlung aktueller Vorträge von Herrn Sun Zhesheng“), 2013
- in englischer Sprache
- China looks forward, Allen & Unwin, London 1944
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Sun Yat-sen. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Hu Hanmin. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Gu Weijun. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Wang Boqun. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Pan Fu. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Song Ziwen. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Chiang Kai-shek. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Wang Jingwei. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Chen Mingshu. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Republic of China: Presidents of the Executive Yuan (premiers). In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Weng Wenhao. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ He Yingqin. In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Republic of China: Presidents of the Executive Yuan (premiers). In: rulers.org. (englisch).
- ↑ Mo Dehui. In: rulers.org. (englisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sun Fo |
| ALTERNATIVNAMEN | Sūn Kē |
| KURZBESCHREIBUNG | chinesischer Politiker (Kuomintang) |
| GEBURTSDATUM | 21. Oktober 1891 |
| GEBURTSORT | Zhongshan, Guangdong, Kaiserreich China |
| STERBEDATUM | 13. September 1973 |
| STERBEORT | Taipeh |
- Premierminister (Republik China)
- Person der Warlord-Ära (Republik China)
- Person im Chinesischen Bürgerkrieg
- Person im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg
- Person im Zweiten Weltkrieg (China)
- Minister (Republik China)
- Sun Yat-sen
- Kuomintang-Mitglied
- Absolvent der Columbia University
- Chinese
- Geboren 1891
- Gestorben 1973
- Mann