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Stephen Pearl Andrews

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Stephen Pearl Andrews

Stephen Pearl Andrews (* 22. März 1812 in Templeton, Massachusetts; † 21. Mai 1886 in New York City) war ein US-amerikanischer libertärer Sozialist, individualistischer Anarchist, Linguist, politischer Philosoph und prominenter Abolitionist.[1]

Andrews wurde am 22. März 1812 in Templeton, Massachusetts, als jüngstens von acht Kindern geboren.[1][2] Sein Vater, Elisha Andrews, war Baptistenprediger und Erweckungsprediger.[1][2] Er schloss sein Studium der Klassischen Philologie am Amherst College ab.[3] Er studierte Rechtswissenschaften und wurde 1833 als Rechtsanwalt zugelassen.[3] Er zog nach New Orleans, wo er ein wohlhabender Anwalt und Sklavenhalter wurde.[1] Er bekehrte sich zum Abolitionismus und wurde zu einem führenden Abolitionisten.[1]

1839 zog er nach Houston, Texas.[3] Er war ein prominenter Verfechter der Sklavereigegnerbewegung in der Republik Texas und aktives Mitglied der Liberty Party.[1] Andrews wurde wegen seiner abolitionistischen Rhetorik in Texas angegriffen, was ihn im Juni 1843 dazu veranlasste, den Staat zu verlassen und nach England zu gehen.[3] In England suchte er nach Mitteln, um Sklaven in den Vereinigten Staaten zu kaufen und sie zu befreien.[2]

Bereits im September 1843 kehrte er nach Texas zurück und siedelte im November 1843 mit seiner Familie nach Boston über.[4.1] Anschließend wandte er sich dem phonographischen Schreiben nach Isaac Pitman zu.[3] und veröffentlichte Lehrbücher sowie einschlägige Zeitschriften. 1845 trug er auch zur Einführung eines phonotypischen Alphabets in Boston bei, das auf einer konsequent phonetischen Schreibung des Englischen beruhte. 1847 zog er nach New York City.[3]

1846 wurde er als Associate Fellow in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.[5]

Ende der 1840er Jahre begann Andrews, seine Energie auf utopische Gemeinschaften zu konzentrieren. Sein Mitstreiter, der individualistische Anarchist Josiah Warren, war für Andrews' Bekehrung zum radikalen Individualismus verantwortlich, und 1851 gründeten sie die utopische Kommume „Modern Times“ in Brentwood, New York.[6]

1855 startete Andrews in New York City ein weiteres Gemeinschafts-Experiment unter den Namen „Brownstone Utopia“ und „Unitary Home“.[7]

1857 gründete Andrews die „Unitary Homes“ an der East 14th Street und Stuyvesant Street in New York City.[8]

Andrews war ein Befürworter der Frauenwahlrechtsbewegung[3] und der freien Liebe.[4]

In den 1870er Jahren propagierte Andrews neben seiner eigenen „Universologie“ auch die von Joseph Rodes Buchanan entwickelte Psychometrie und sagte voraus, dass a priori abgeleitetes Wissen die empirische Wissenschaft als exakte Wissenschaft ablösen würde.[9] Darüber hinaus galt Andrews als führende Persönlichkeit der religiösen Bewegung des Spiritualismus.[2]

Der Anarcho-Syndikalist Rudolf Rocker bezeichnete Andrews als bedeutenden Exponenten des libertären Sozialismus in den USA.[10]

Andrews' individualistischer Anarchismus ist eine Form des wirtschaftlichen Mutualismus.[11]

Wirken als Linguist

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Andrews hatte als Linguist die Kenntnis von über 30 Sprachen.[2] Außerdem beschäftigte er sich intensiv mit Phonetik und Kurzschrift. Zudem entwickelte er die konstruierte Sprache „Alwato“ als Teil seines „Universologie“-Projekts.

Familie und Tod

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1835 heiratete Andrews Mary Ann Gordon, mit der er vier Kinder hatte. 1856 ging er seine zweite Ehe mit Esther Hussey Bartlett Jones ein, diese blieb kinderlos.[3] Er starb am 21. Mai 1886 in der Wohnung seines Sohnes in New York City.[2]

Werke (Auswahl)

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Commons: Stephen Pearl Andrews – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c d e f Harvey Wish: Stephen Pearl Andrews, American Pioneer Sociologist. In: Social Forces. 19. Jahrgang, Nr. 4, 1941, ISSN 0037-7732, S. 477–482, doi:10.2307/2571204, JSTOR:2571204 (englisch).
  2. a b c d e f Stephen Pearl Andrews.; Death of the Well Known Abolitionist, Philosopher, and Linguist. The New York Times, 23. Mai 1886
  3. a b c d e f g h Stephen Pearl Andrews: Lawyer, Abolitionist, and Education Innovator. Texas State Hisorical Association, 20. Juni 2023, abgerufen am 31. Januar 2026.
  4. Madeleine B. Stern: The Pantarch. A Biography of Stephen Pearl Andrews. Austin (Texas) 1968, Neudruck 2014, ISBN 978-1-4773-0512-6
    1. S. 54
  5. Book of Members 1780–present, Chapter A. (PDF; 1,1 kB) In: amacad.org. American Academy of Arts and Sciences, abgerufen am 2. Februar 2026 (englisch).
  6. A History of Modern Times. Brentwood Public Library, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. März 2012; abgerufen am 31. Januar 2026.
  7. Andrews, Stephen (1812-1886). In: The Vault at Pfaff's. An Archive of Art and Literature by the Bohemians of Antebellum New York. Lehigh University, 2026, abgerufen am 6. Februar 2026.
  8. TimesMachine: Thursday July 7, 1859 - NYTimes.com. via TimesMachine; (englisch).
  9. "A discourse on Seven Sciences.; Cerebral Physiology, Cerebral Psychology, Sarcognomy, Psychometry, Pneumatology, Pathology, and Cerebral Pathology". The New York Times. 17. März 1878
  10. Rudolf Rocker: Pioneers of American Freedom. New York, 1949, S. 85 ff.
  11. James J. Martin: Men Against the State. Colorado Springs: Ralph Myles Publisher, 1970, S. 44
  12. The science of society. 1888; (englisch).