Saint-Imier
| Saint-Imier (dt. Sankt Immer) | |
|---|---|
(dt. Sankt Immer) | |
| Staat: | |
| Kanton: | |
| Verwaltungskreis: | Berner Jura |
| BFS-Nr.: | 0443 |
| Postleitzahl: | 2610 |
| Koordinaten: | 566736 / 222517 |
| Höhe: | 820 m ü. M. |
| Höhenbereich: | 746–1492 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 20,87 km²[2] |
| Einwohner: | 5144 (1. Januar 2026)[3] |
| Einwohnerdichte: | 246 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) | 30,9 % (1. Januar 2026)[4] |
| Gemeindepräsident: | Corentin Jeanneret (FDP) |
| Website: | www.saint-imier.ch |
Saint-Imier, vom Château d'Erguël aus | |
| Lage der Gemeinde | |
(dt. Sankt Immer) | |
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1850 | 2632 |
| 1888 | 7557 |
| 1900 | 7455 |
| 1910 | 7442 |
| 1930 | 6504 |
| 1950 | 5972 |
| 1960 | 6704 |
| 1970 | 6740 |
| 1980 | 5430 |
| 1990 | 4921 |
| 2000 | 4807 |
| 2010 | 4831 |
| 2020 | 5163 |
Mit 5144 Einwohnern (Stand 1. Januar 2026) ist Saint-Imier die grösste Gemeinde des Berner Juras. Von den Bewohnern sind 84,2 % französischsprachig, 6,6 % deutschsprachig und 3,8 % italienischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Saint-Imier erreichte bereits um 1890 mit rund 7600 Einwohnern ihren Höchststand. Die wirtschaftliche Situation der Gemeinde widerspiegelt sich in der Entwicklung der Einwohnerzahl während des 20. Jahrhunderts. Besonders grosse Rückgänge wurden von 1910 bis 1950 und während der 1970er Jahre verzeichnet.
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Legislative heisst Conseil de ville (Stadtrat) und umfasst 31 Mitglieder. Sie wird von den Stimmberechtigten auf vier Jahre gewählt. Die Grafik zeigt die Sitzverteilung des Stadtrates nach der Wahl vom 27. November 2022. Die FDP gewann 3 Sitze, die ARC (Alternative régionale et communale) verlor 2 und die SP 1 Sitz.[30]
Die Exekutive von Saint-Imier ist der Conseil municipal (Gemeinderat). Er umfasst sieben Personen darunter den Gemeindepräsidenten. Zurzeit (2024) hat er folgende parteipolitische Zusammensetzung: FDP 4 Sitze, ARC 2 Sitze, SP 1 Sitz. Gemeindepräsident ist Corentin Jeanneret (FDP; Stand 2024).[31]
Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Saint-Imier (in Klammern die Veränderung im Vergleich zu den Wahlen 2019 in Prozentpunkten): SVP 30,39 % (+5,28), SP 28,43 % (+6,99), Grüne 14,91 % (−2,36), FDP 14,18 % (+1,26), EVP 3,43 % (−0,23), glp 3,36 % (−0,69), Mitte 2,00 % (−5,32), EDU 1,18 % (−0,10), SD 0,31 % (−0,11).[32]
Wirtschaft
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Weiterhin finden sich hier das Sonnenkraftwerk auf dem Mont Soleil und das Windkraftwerk auf dem Mont Crosin, beide die jeweils grössten Anlagen ihrer Art in der Schweiz.
Auf den Jurahöhen spielt auch die Landwirtschaft noch eine bedeutende Rolle, wobei Viehzucht und Milchwirtschaft mit der Käsespezialität Tête de Moine überwiegen.
Gesundheitswesen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Saint-Imier verfügt über ein öffentliches Spital mit 24-Stunden-Notaufnahme. Bei Fällen, welche seinen Aufgabenbereich überschreiten, besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Spitalzentrum Biel. Das Spital gehört zum Klinikverbund des Hôpital du Jura Bernois (inoffizielle deutsche Übersetzung: Spitäler des Berner Juras). Im Januar 2020 wurde bekannt, dass der Regierungsrat des Kantons Bern 35 % des Aktienkapitals der Spitalgruppe an Swiss Medical Network veräussert.[33] Per 30. August 2021 wurde die privatwirtschaftliche Beteiligung um weitere 17 % auf 52 % erhöht.[34] In Saint-Imier befindet sich die Schule für Pflege und Sozialbetreuung des Centre de formation professionnelle Berne francophone (CEFF).[35]
Verkehr
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Die Gemeinde ist verkehrsmässig gut erschlossen. Sie liegt an der rege befahrenen Hauptstrasse von Biel nach La Chaux-de-Fonds sowie an der Kantonsstrasse von Tramelan via Saint-Imier und den Passübergang Col des Pontins in das Val de Ruz.
Die Eisenbahnlinie von Biel nach Convers wurde am 30. April 1874 mit einem Bahnhof in Saint-Imier eröffnet. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen ein Ortsbus, eine Buslinie auf den Chasseral (nur während des Sommers) und der Postautokurs von Saint-Imier nach Tramelan.
Seit 1903 führt eine Standseilbahn auf den Mont Soleil (Funiculaire Saint-Imier – Mont-Soleil).[36]
Sehenswürdigkeiten
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Erhalten geblieben ist die ehemalige Kollegiatkirche Saint-Imier, die im 11. Jahrhundert im spätottonischen Stil als dreischiffige Pfeilerbasilika mit drei Apsiden erbaut wurde. Ihr Frontturm wurde im 12. und 13. Jahrhundert errichtet und enthält ein Michaelsoratorium. Die Tour Saint-Martin, fälschlicherweise oft auch als Tour de la Reine Berthe bezeichnet, ist der übriggebliebene romanische Frontturm einer im Jahr 1828 abgebrochenen Kirche, deren ursprüngliche Teile auf dem Grab des Heiligen Himerius errichtet wurden. Von der Kirche sind nur das romanische Taufbecken (11. und 12. Jahrhundert) sowie die Sankt-Himerius-Glocke von 1512 erhalten. Zu den neueren Kirchen in Saint-Imier gehören die neugotische katholische Pfarrkirche Saint-Martin (1862–1866) und die christkatholische Kirche Saint-Paul von 1912.
Im städtisch geprägten Ortsbild fallen die vier- bis achtstöckigen kubischen Wohnhäuser aus der Zeit um 1850 bis 1900 auf. Das Strassennetz entstand in Anlehnung an dasjenige von La Chaux-de-Fonds: ein rechtwinkliges System mit Strassen, die entweder hangparallel oder quer zum Hang verlaufen. Das terrassierte Gebäude der Sekundarschule wurde 1960–1962 errichtet. Auf den Jurahöhen befinden sich noch zahlreiche charakteristische alte Bauernhäuser mit weissgetünchter Fassade und grossflächigem Dach aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Albert Locher (1856–1917), Politiker (FDP)
- Alfred Jaquet (1865–1937), Pharmakologe
- Charles Guyot (1890–1958), Radrennfahrer
- Charles Jeanneret (1892–1979), Unternehmer und Politiker (FDP)
- Clemente Rezzonico (1897–1976), Diplomat, Botschafter[37]
- Adrien Holy (1898–1978), Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Kunstpädagoge
- Clarisse Francillon (1899–1976), Schriftstellerin
- Ernst Held (1901–2005), Gynäkologe
- Trudi Kocher (1902–1986), Politikerin (KPS, später SP)
- André Francillon (1913–2002), Unternehmer, Schulleiter und parteiloser Politiker
- Alfred Glauser (1913–2003), Romanist und Literaturwissenschaftler
- Georges Schneider (1919–2010), Bildhauer
- Denise Bindschedler-Robert (1920–2008), Völkerrechtlerin
- Jean-Pierre Monnier (1921–1997), Schriftsteller
- Robert Moser (1922–2005), Politiker und Verbandspräsident (FDP)
- Raymond Tschumi (1924–2015), Schriftsteller, Dichter und Hochschullehrer
- Charles Guyot (1925–1973), Radrennfahrer
- Marco Richterich (1929–1997), Kunstmaler
- Silvano Fasolis (* 1942), Komponist und Blasorchestermeister
- Daniel Jeandupeux (* 1949), Fussballspieler
- Elisabeth Baume-Schneider (* 1963), Politikerin (SP), Bundesrätin
- Markus Gerber (* 1972), Politiker (SVP)
- Christian Dorer (* 1975), Journalist
- Clarence Chollet (* 1984), Politikerin (Grüne)
- Raymond Künzli (* 1984), Radrennfahrer
- Jonathan Hirschi (* 1986), Auto-Rennfahrer
- Gaëtan Augsburger (* 1988), Eishockeyspieler
- Conny Perrin (* 1990), Tennisspielerin
- Marie Krüttli (* 1991), Musikerin
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christine Gagnebin-Diacon; Andrea Schüpbach (Übersetzung): Saint-Imier (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Film
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Cyril Schäublin (Regie): Unruh. Spielfilm, 93 Minuten. Schweiz 2022.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Höhenbereiche zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991-2025. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 22. August 2026 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst).
- ↑ Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit 2010-2025. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2025 zusammengefasst. Abruf am 22. August 2026
- ↑ Michel Monbaron: Impacts de météorites ou cicatrices d'érosion? Etude de quelques formes en hémicycle du Jura plissé suisse. In: Bulletin de la Société Neuchâteloise des Sciences Naturelles 113 (1990), S. 146–156, Zitat S. 155. (Digitalisat in E-Periodica).
- ↑ Philippe Bourquin kannte keine sichere Interpretation des Phänomens: Philippe Bourquin: Atlas géologique de la Suisse 1:25'000. Feuilles 114 Biaufond, 115 Les Bois, 116 La Ferrière, 117 St-Imier. Notice explicative. Bern 1946, S. 18. (Digitalisat).
- ↑ Champ Meusel, Objektblatt des Bundesinventars der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung.
- ↑ Franz Hofmann und Kurt Bächtiger stellten diese Hypothese vor in ihrem Beitrag Die Oberflächenstruktur Les Chenevières-Champ Meusel am Mont Soleil bei St-Imier (Berner Jura) als vermutliches Ergebnis eines Meteoriten-Einschlags. In: Eclogae Geologicae Helvetiae. 69 (1976), Nr. 1 (9. April), S. 177–179 (Digitalisat in E-Periodica). Siehe auch: Franz Auf der Maur: Wanderungen zu Denkmälern der Natur. Geologische Sehenswürdigkeiten der Schweiz in 17 Ausflügen. Thun: Ott Verlag 1987, S. 198–203.
- ↑ Les Pontins, Objektblatt des Bundesinventars der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung.
- ↑ Chasseral Objektblatt des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler.
- ↑ Samuel Jaberg: Wenn eine rumänische Firma in die Schweiz zieht. In: Swissinfo. 24. Oktober 2016, abgerufen am 1. September 2021.
- 1 2 3 4 5 6 7 Mémoires d’Ici (Centre de recherche et de documentation du Jura bernois) / Municipalité de Saint-Imier (Hrsg.): Itinéraires imériens – Energies horlogères. S. 4, 7 f., 12, 21 f. (m-ici.ch).
- 1 2 François Kohler: La Grève générale dans le Jura. Avec Marc Vuilleumier, Eliane Ballif, Mauro Cerrutti, Bernard Chevalley. Éditions Grounauer, Genève 1977, S. 63–78, hier S. 64 ff.
- ↑ Marc Perrenoud: De la «Fédération jurassienne» à la «commune socialiste» : Origines et débuts du parti socialiste neuchâtelois (1885–1912). In: Les origines du socialisme en Suisse romande, 1880–1920. Avec Claude Cantini, Alain Clavien, François Kohler, Alain Meyer, Jean-Claude Piguet, Charles F. Pochon, Brigitte Studer et Marc Vuillemier (= Cahiers de Association pour l’étude de l’histoire du mouvement ouvrier. Band 5). Éditions d’en bas, Lausanne 1989, S. 123–147, hier S. 131.
- ↑ Emma Chatelain: Meyrat, Henriette (1874–1954). In: Dictionnaire du Jura. Abgerufen am 16. September 2026.
- ↑ Emma Chatelain: Theurillat, Herbert (1896–1987). In: Dictionnaire du Jura. Abgerufen am 16. September 2026.
- ↑ Raphaël Rey: Geel, Werner (1889–1937). In: Dictionnaire du Jura. Abgerufen am 16. September 2026.
- ↑ Emma Chatelain: Warmbrodt, Pierre-Philippe (1905–1985). In: Dictionnaire du Jura. Abgerufen am 16. September 2026.
- ↑ Henri Piccot. In: SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. Abgerufen am 13. Oktober 2026.
- ↑ Emma Chatelain: Stampfli, Pierre (1916–1975). In: Dictionnaire du Jura. 27. Februar 2007, abgerufen am 13. Oktober 2026.
- ↑ Emma Chatelain: Holy, Adrien (1898–1978). In: Dictionnaire du Jura. 31. Oktober 2005, abgerufen am 13. Oktober 2026.
- 1 2 3 Marcel Schwander: Le brûlot jurassien. Traduit en français par Marie-José Reichler-Béguelin. Édition du «Jura Libre», Moutier (ohne Jahr), S. 52 f. (Ersterscheinung: Jura, Konfliktstoff für Jahrzehnte, Benziger Verlag, Zürich 1977).
- 1 2 Klaus Petrus: Die ewigen Anarchisten von St. Imier. 2022, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 21. November 2022; abgerufen am 21. November 2022.
- ↑ Benedikt Meyer: Anarchisten im Jura Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 7. Oktober 2019
- 1 2 Saint Imier und seine Bedeutung in der Geschichte des Anarchismus. In: anarchismus.at. Abgerufen am 5. August 2017.
- ↑ Anarchisten aus der ganzen Welt treffen sich im Berner Jura. In: Tages-Anzeiger. 8. August 2012, abgerufen am 5. August 2017.
- ↑ Kaspar Surber: 151. Jubiläum Anarchismus-Kongress. Anständiger Anarchismus. In: Die Tageszeitung. 26. Juli 2023, abgerufen am 28. Juli 2023.
- ↑ Benjamin von Wyl (Text), Thomas Kern (Fotos): «Sabotage überall»: Am Ursprungsort des globalen Anarchismus. In: Swissinfo. 25. Juli 2023, abgerufen am 31. Juli 2023.
- ↑ Nos actIivités. Mémoires d’Ici (Centre de recherche et de documentation du Jura bernois), abgerufen am 26. November 2024.
- ↑ Votations et élections. Website der Gemeinde Saint-Imier, abgerufen am 25. Juli 2023 (französisch).
- ↑ Conseil municipal. Website der Gemeinde Saint-Imier, abgerufen am 25. Juli 2023 (französisch).
- ↑ Eidgenössische Wahlen 2023, NR – Ergebnisse Parteien (csv). In: opendata.swiss. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 17. Februar 2024.
- ↑ Swiss Medical Network steigt bei öffentlichem Spital ein. In: medinside.ch. 10. Januar 2020, abgerufen am 11. Januar 2020.
- ↑ Swiss Medical Network erhöht Beteiligung an der Hôpital du Jura bernois SA. In: be.ch. Winsider AG, 30. August 2021, archiviert vom am 31. August 2021; abgerufen am 4. Dezember 2023.
- ↑ CEFF Santé-Social. Abgerufen am 16. September 2026.
- ↑ Weitere Informationen – Die Geschichte des Funi. Abgerufen am 6. August 2023.
- ↑ Marc Perrenoud: Clemente Rezzonico. In: Historisches Lexikon der Schweiz.








