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Splitterbombe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Deutsche Splitterbombe des Typs SD 2 (2 kg) aus dem Zweiten Weltkrieg

Splitterbomben sind Fliegerbomben deren Hauptwirkung auf dem Ausbringen einer Vielzahl von Splittern mittels der Detonation von Sprengstoff beruht.

Während des Ersten Weltkriegs entwickelten die Kriegsparteien die ersten Splitterbomben. Diese kleinen Fliegerbomben wurden oftmals von Hand auf Schützengräben und Truppenansammlungen abgeworfen.[1][2]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Splitterbomben zur Bekämpfung von Truppenansammlungen, Fahrzeugen, Kampfpanzern, militärischen Stellungen sowie abgestellten Flugzeugen verwendet. Dabei kamen sie oftmals auch bei der Luftnahunterstützung zum Einsatz. Weiter wurde auch bei den Flächenbombardements von Städten, neben Sprengbomben und Brandbomben, eine geringe Anzahl kleiner Splitterbomben abgeworfen. Diese waren in der Regel mit Langzeitzündern versehen, um Lösch- und Instandsetzungsarbeiten sowie das öffentliche Leben zu behindern.[3][4][5][6][7]

Im Koreakrieg und Vietnamkrieg wurden Splitterbomben primär bei der Luftnahunterstützung verwendet. Ab den späten 1960er-Jahren wurde der Bombentyp zusehends durch Streubomben mit Splitter-Streumunition, Mehrzweckbomben sowie Splitter-Sprengbomben ersetzt.[8]

Seit den 1970er-Jahren spielen herkömmliche Splitterbomben in der Luftkriegsführung immer mehr eine untergeordnete Rolle. Als Abwurfmunition für Unbemannte Luftfahrzeuge gewinnen kleine Splitterbomben aber wieder zusehends an Bedeutung.[8][9][10]

Technische Beschreibung

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Aufbau einer US-amerikanischen Splitterbombe des Typs AN-M81 (118 kg) aus dem Zweiten Weltkrieg

Splitterbomben aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges waren normalerweise Kleinbomben mit einem Gewicht von 0,5 bis rund 150 kg.[3][4] Das Gewicht aktueller Splitterbomben liegt der Regel zwischen 5 bis 250 kg; selten auch bis zu 500 kg.[11] Splitterbomben haben einen dickwandigen Bombenkörper. Dieser ist an der Innenseite vielfach mit Kerben oder sägezahnförmigen Längs- und Querrillen versehen, welche für eine optimale Splitterbildung sorgen. Daneben können auf der Innenseite des Bombenkörpers auch kantige Stahlteile oder Stahlkugeln verbaut sein, welche die Splitterwirkung verstärken. In der Mitte des Bombenkörpers ist der Sprengstoff laboriert. Gegenüber konventionellen Sprengbomben besitzen Splitterbomben einen geringeren Sprengstoffanteil sowie eine geringere Sprengkraft. Die Masse Sprengstoffs in den Bomben beträgt rund 8 bis 20 % ihres Gewichts. Man unterscheidet zwischen Splitterbomben, die schwere, und solchen, die leichte Splitter erzeugen. Schwere Splitter (über 10 g) wirken primär gegen Fahrzeuge und Material. Leichte Splitter wirken gegen lebende Ziele (sog. Weichziele). Für die Bombenzündung werden in der Regel Aufschlagzünder oder Näherungszünder, selten auch Zeitzünder verwendet. An die Zünder wurden in der Vergangenheit auch Verlängerungsrohre wie der Dinort-Stab oder der Daisy Cutter montiert, womit die Bomben dicht über der Erdoberfläche detonierten. Weiter können Splitterbomben auch mit einem Fallschirm abgeworfen werden. Durch diesen haben die Bomben einen steilen Aufschlagwinkel und einen großen Splitterwirkungskreis.[12][13][14][15][16]

Einsatz & Wirkung

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Windradentsicherung einer kleinkalibrigen Splitterbombe (ca. 10–12 kg) in Dresden nach der Bombardierung vom 13./14. Februar 1945

Splitterbomben können von einer Vielzahl von Kampfflugzeugen, Bombern, Kampfhubschraubern wie auch von Unbemannten Luftfahrzeugen eingesetzt werden. Sie werden aus großer und mittlerer Flughöhe sowie aus dem Tiefflug oder Sturzflug abgeworfen. Zu den Zielen gehören Infanterieziele, Fahrzeuge, abgestellte Flugzeuge sowie Material und Gerät.[11][12][13]

Bei flachem Aufschlagwinkel verteilen sich rund 2/3 der Splitter in unmittelbarer Nähe zum Eischlagpunkt in den Boden und nur der Rest wirkt gegen das Ziel. Erst durch einen steilen Winkel gegenüber der Horizontalen entwickeln Splitterbomben bei der Detonation eine optimale Flächenwirkung. Dabei kann die Wirkung von Splitterbomben erhöht werden, in dem sie knapp über der Erdoberfläche oder mittels Luftdetonation über dem Ziel gezündet werden. Die Sprengwirkung sowie die Detonationswelle (Gasschlag) ist dabei relativ gering. Die Splitter werden bei der Detonation mit hoher kinetischer Energie, mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 700 bis 3000 m/s verteilt. Der Splitterwirkungskreis steht in Abhängigkeit zur Bombengröße sowie dem verwendeten Splittermaterial und kann wenige dutzend bis weit über hundert Meter betragen.[13][14][15][17]

Zum Beispiel hat die Splitterbombe 250 kg PFHE von Norinco ein Gewicht von 250 kg sowie einen Sprengstoffanteil von 48 kg. Im Bombenkörper sind knapp 16.000 Stahlkugeln mit Durchmesser 11,5 mm sowie über 14.000 mit einem Durchmesser von 16 mm verbaut.[18] Bei der Detonation durchschlagen die großen Stahlkugeln auf rund 40 m Panzerstahlplatten mit einer Wanddicke von 15 mm. Die kleinen Stahlkugeln wirken auf eine Distanz von bis zu 150 m, mit einer mittleren Trefferdichte von zwei Stahlkugeln pro m² Fläche gegen lebende Ziele.[18] Die Fragmente des Bombenkörpers können bis in eine Entfernung von rund 200 m schwere oder tödliche Verletzungen verursachen.

  • Jefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons since World War Two. Midland Publishing, 2004, ISBN 978-1-8578-0188-0.
  • Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
  • Wolfgang Thamm: Fliegerbomben. Die Spreng- und Brandbombenentwicklung in der Luftwaffe. Von der einfachen Fliegerbombe zur modernen Abwurfmunition und ihre Einsätze – mit Gegenüberstellung der Entwicklungen in England, USA und Russland sowie anderer Staaten. Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2003, ISBN 3-7637-6228-0.
  • Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuchverlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-02286-9.
Wiktionary: Splitterbombe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Royal Air Force Historical Society Journal 45: The Development of RAF Bombs, 1919-1939. (PDF) In: rafmuseum.org.uk. Royal Air Force Historical Society, abgerufen am 16. März 2026 (englisch).
  2. Wolfgang Fleischer: Deutsche Abwurfmunition bis 1945. Sprengbomben, Brandbomben, Sonderabwurfmunition, Abwurfbehälter, Zünder. Motorbuch Verlag, 2003, S. 137–163.
  3. 1 2 Dtic.mil: Italian and French Explosive Ordnance 1953 (PDF)
  4. 1 2 Bulletpicker.com: TM-9-1325-200 Bombs and Bomb Components
  5. OP 1666: German Explosive Ordnance, 1946, S. 46–50. (PDF) In: stephentaylorhistorian.com. United States. Navy Department. Bureau of Ordnance, abgerufen am 26. Februar 2026 (englisch).
  6. Aveaprom.ru: Авиабомбы осколочные (АО)
  7. Airpages.ru: Малые Осколочные Авиабомбы Времен Великой Отечественной Войны
  8. 1 2 Poltekbangsby.ac.id: Air Warfare – An International Encyclopedia (PDF)
  9. Gichd.org: Explosive Ordnance Guide for Ukraine - Third Edition
  10. 1 2 Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, 2003, S. 426–427, S. 275–572.
  11. 1 2 Ordtech-industries.com: Pre-Fragmented (Shrapnel) Bombs
  12. 1 2 3 Gichd.org: EXPLOSIVE WEAPON EFFECTS (PDF; 3,8 MB)
  13. 1 2 Whs.mil: Fragment and Debris Hazards (PDF)
  14. 1 2 Semanticscholar.org: Damage Assessment Software Program (PDF)
  15. Wikimedia.org: On the Characteristics of Torpex as a Filler in Fragmentation Bombs (PDF)
  16. Army.mil: Bomb Incident-A Controlled Study
  17. 1 2 Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, 2003, S. 330.