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Splendid isolation

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George Eulas Foster (Fotografie um 1920)
George Goschen (Fotografie vor 1903)

Splendid isolation (wörtlich übersetzt: „wunderbare Isolation“) ist ein politischer Begriff, der die Bündnisfreiheit des Britischen Empire positiv hervorhebt. Voraussetzung war dafür auch die geographischen Insellage des Vereinigten Königreichs, da sie nur durch Seemächte gefährdet war. Die weltbeherrschende Stellung des Britischen Empire im 19. Jahrhundert und bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs ermöglichte es zudem, weil selbst bündnisfrei, alle Bündnisse anderer zu verhindern und dabei als unparteiischer Schiedsrichter im Interesse des Friedens aufzutreten. Diese Aufrechterhaltung des europäischen Mächtegleichgewichts im britischen Verständnis der Balance of Power-Doktrin.[1] war das wichtigste Mittel zur Erhaltung der unbeschränkten Herrschaft über das Kolonialreich. Dieser Sachverhalts war insbesondere für die Regierungszeiteit der beiden Premierminister Benjamin Disraeli und Robert Gascoyne-Cecil charakteristisch, auch wenn der Ausdruck selbst jüngeren Datums ist. Wesentlich für das britische Gleichgewichtsverständnis war, nicht selbst Teil des Gleichgewichts zu sein, sondern dieses unter den anderen kontinentalen Großmächten dadurch herzustellen, dass die mögliche Hegemonie eines Landes auf dem europäischen Kontinent durch Unterstützung der anderen Mächte verhindert werden konnte. Durch diese gegenseitige Neutralisierung der Mächte auf dem Kontinent sicherte sich Großbritannien freie Hand in der Weltpolitik und verhinderte, dass ihm auf dem Kontinent ein weltpolitischer Rivale entstehen konnte, der trotz seiner Insellage und vor allem hinsichtlich seiner Handelsrouten (Mittelmeer) und Kolonien gefährlich werden könnte.

Der Begriff splendid isolation wurde später von dem kanadischen Politiker George Eulas Foster geprägt, der die Redewendung erstmals am 16. Januar 1896 im kanadischen Unterhaus verwendete:[2]

“In these somewhat troublesome days when the great Mother Empire stands splendidly isolated in Europe.”

„In diesen etwas unangenehmen Tagen, in denen das große Mutterreich in Europa wunderbar isoliert steht.“

George Eulas Foster[3]

Am 22. Januar 1896 erschien der Begriff splendid isolation als Schlagzeile in der Tageszeitung The Times.[4] Am 5. Februar 1896 verwendete der kanadische Oppositionsführer Wilfrid Laurier im Unterhaus ebenfalls diese Redewendung. Populär wurde der Begriff, nachdem ihn George Goschen als First Lord of the Admiralty in einer Rede am 26. Februar 1896 gebraucht hatte:

“We have stood here alone in what is called isolation – our splendid isolation, as one of our colonial friends was good enough to call it.”

„Wir haben hier allein in einer so genannten Isolation gestanden – unserer wunderbaren Isolation, wie einer unserer Kolonialfreunde gut genug war, dies zu nennen.“

George Goschen[5]

Charakteristisch für die splendid isolation war eine äußerste Zurückhaltung bei der Beteiligung an dauerhaften Allianzen oder anderen Verpflichtungen gegenüber anderen Weltmächten bei gleichzeitigem Ausbau der überseeischen Kolonien, Protektorate und abhängigen Gebiete. Man war über Jahrhunderte hinweg praktisch unangreifbar und versuchte auch, sich so wenig wie möglich auf dem Festland einzumischen, oder wenn, dann als übergeordneter Schiedsrichter. Zusätzlich wollte das Vereinigte Königreich seine Kolonien verteidigen, da das Land wesentlich vom Handel lebte. Besonders der Seeweg nach Indien war wichtig.

Die splendid isolation wurde durch die Anglo-Japanische Allianz 1902 und insbesondere die Entente cordiale mit Frankreich im Jahr 1904 beendet. Das zunächst nur zur Klärung kolonialer Streitpunkte entworfene Bündnis mit Frankreich bildete den Grundstock für das Allianzsystem der Triple Entente, das 1907 zwischen dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Russland geschaffen wurde.

Die britische Zeitung The Guardian griff den Begriff der splendid isolation in einem Artikel über das Nichtbeitreten des Vereinigten Königreichs zur geplanten europäischen Fiskalunion am 9. Dezember 2011 auf.[6]

Einzelnachweise

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  1. „Term used to describe Britain’s diplomatic isolation and attitude towards foreign policy before the outbreak of the First World War.“ World War One Glossary. BBC Schools Online; abgerufen am 10. Dezember 2011.
  2. John W. Wheeler-Bennett: A Wreath to Clio: Studies in British, American and German Affairs. Palgrave Macmillan, London 1967, ISBN 978-1-349-81663-7, S. 22.
  3. George Eulas Foster zitiert nach Elizabeth Knowles (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Quotations. University Press, Oxford 1999, ISBN 0-19-860173-5, S. 544.
  4. Elizabeth Knowles (Hrsg.): The Oxford Dictionary of Quotations. University Press, Oxford 1999, ISBN 0-19-860173-5, S. 544.
  5. George Goschen zitiert nach Nigel Rees: Mark my words: great quotations and the stories behind them. Barnes & Noble, New York City 2002, ISBN 0-7607-3532-8, S. 243.
  6. The European question: will it be splendid isolation or miserable? guardian.co.uk, 9. Dezember 2011.