Soazza
| Soazza | |
|---|---|
| Staat: | |
| Kanton: | |
| Region: | Moesa |
| BFS-Nr.: | 3823 |
| Postleitzahl: | 6562 |
| Koordinaten: | 737458 / 136522 |
| Höhe: | 620 m ü. M. |
| Höhenbereich: | 459–2966 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 46,42 km²[2] |
| Einwohner: | 324 (31. Dezember 2024)[3] |
| Einwohnerdichte: | 7 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) |
18,8 % (31. Dezember 2024)[4] |
| Website: | www.soazza.ch |
Soazza
| |
| Lage der Gemeinde | |
Soazza (deutsch veraltet Sowaz oder Zauatz) ist eine Ortschaft und eine politische Gemeinde im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden. Sie gehört zur Region Moesa.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Haufendorf Soazza liegt auf den Überresten eines durch die Moesa zerstörten Gletscherriegels an der Grenze zwischen dem oberen und unteren Misox. Die Westgrenze bildet eine Gebirgskette, die das Misox vom Calancatal trennt. Im Osten reicht die weitflächige Gemeinde bis zur Grenze zu Italien. Dieser östliche Gemeindeteil ist mit Ausnahme des Weilers Druna auf der linken Talgrundseite der Moesa kaum besiedelt. Vom gesamten Gemeindegebiet von über 46 km² sind beinahe 25 km² – genau 2490 ha – von Wald und Gehölz bedeckt. Weitere 1746 ha sind unproduktive Fläche (meist Gebirge). Zwar gibt es 333 ha landwirtschaftlich nutzbaren Boden, doch sind darunter 286 ha Alpwirtschaften. Die restlichen 68 ha sind Siedlungsfläche. 2 Kilometer südlich des Ortes liegt der Wasserfall Cascata di Buffalora.
Nachbargemeinden sind Mesocco, Rossa, Calanca, Lostallo (alle Kanton Graubünden) sowie San Giacomo Filippo in Italien.
Geschichte
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Eine erste Erwähnung findet das Dorf im Jahre 1203 unter dem damaligen Namen Soaza[5]. Die Gemeinde war schon 1359 selbständig, stand aber kirchlich lange unter der Collegiata von San Vittore; noch 1626 musste es an diese den Zehnten entrichten. 1480 trat Soazza mit Mesocco freiwillig dem Grauen Bund bei. Gerichtlich gehörte Soazza zum Vikariat Mesocco, verwaltungsmässig zur mittleren Squadra. Die ab 1219 erwähnte Pfarrkirche S. Martino wurde 1626 bis 1639 erweitert und 1957 restauriert. Sie liegt auf einem Geländesporn und wird von der 1751 erbauten Kapelle Madonna Addolorata aus über eine Treppe erreicht. Die 1530 fassbare Dorfkirche S. Rocco wurde 1633 neu erbaut und 1937 restauriert. Das oberhalb des Dorfs erstellte Hospiz aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts diente den Kapuzinern 1636 bis 1922 als Sitz und ist mit Fresken von Francesco Antonio Giorgioli ausgestattet.[6]
1710 kaufte Soazza die Alp Ingamba auf Gebiet der Gemeinde Lostallo für 1000 Thaler. Auf dem Saumpfad des Val della Forcola,[7] der Soazza mit Menarola bzw. Chiavenna verbindet, transportierten Säumer bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts Salz, Seide und Textilien.[6]
Während Jahrhunderten bildeten Ackerbau und Weidewirtschaft, die noch heute betrieben werden, die Haupterwerbsquellen. Die knappen Ressourcen zwangen zu einer beträchtlichen Auswanderung unter anderem von Kaminfegern, Glasern und Flachmalern sowie zur Entwicklung von neuen Erwerbsquellen, wie z. B. der Verarbeitung von Lavezstein.[6]
Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Blasonierung: «In Gold (gelb) auf schwarzem Pferd der Heilige Martin, den roten Mantel mit dem Bettler teilend» | |
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Der Heilige Martin ist Patron der Pfarrkirche San Martino und war auch schon im Gemeindesiegel abgebildet. |
Bevölkerung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Bevölkerungsentwicklung | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1650 | 1802 | 1850 | 1900 | 1950 | 2000[6] | 2004 | 2010 | 2020 | |||
| Einwohner | 427 | 311 | 315 | 339 | 348 | 359 | 374 | 351 | 324 | |||
Von den Ende 2004 374 Bewohnern waren 327 (87 %) Schweizer Staatsangehörige.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- katholische Pfarrkirche Sankt Martino[8][9]
- Palazzo a Marca erbaut 1642[10]
- Pfarrhaus als Missionsstation der Kapuziner nach 1636 erbaut[11] mit Fresken auf der Fassade[12]
- der astronomische Schalenstein von Soliva[13]
- mehrere andere Schalensteine[14]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bilder
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Kirche San Martino. Bild von Leo Wehrli (1935)
-
Bahnhof der Bellinzona-Mesocco-Bahn, 1907–1978
-
Fluss Moesa
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Michael Alder, Peter F. Althaus (Hrsg.): Soazza. Ortsbild, Bauten, Typologie. Ingenieurschule Beider, Basel 1988.
- Michael Alder (Hrsg.): Palazzine in, a Soazza: die Typologie des Korridorhauses. Ingenieurschule Beider, Basel 1995.
- Paolo Mantovani: I toponimi del comune di Soazza. Con 80 fotografie e 2 carte del territorio. Testimonianze di cultura locale. Biblioteca comunale, Soazza 2011.
- Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 497–499.
- Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9.
- Balser Puorger: Soazza. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 6: Sisikon – Steg. Attinger, Neuenburg 1921, S. 391 (Digitalisat).
- Cesare Santi: Soazza. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 21. November 2011.
- Verschiedene Autoren: Soazza. In: Storia dei Grigioni. 3 Bände. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2000.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Soazza auf der Plattform ETHorama
- Offizielle Website der Gemeinde Soazza
- Bundesamt für Kultur: Soazza im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (italienisch)
- Bundesinventar ISOS: Soazza (italienisch)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
- ↑ Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
- ↑ Cesare Santi: Soazza. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 21. November 2011.
- ↑ a b c d Cesare Santi: Soazza. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht. - ↑ Martin Bundi: Forcola. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 8. Dezember 2005.
- ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Katholische Pfarrkirche San Martino (Foto) ( vom 25. September 2023 im Internet Archive)
- ↑ Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 497–499, ISBN 978-88-7713-482-0
- ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Palazzo a Marca (Foto) ( vom 2. Februar 2022 im Internet Archive)
- ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Hospiz (Foto) ( vom 2. Oktober 2023 im Internet Archive)
- ↑ Maler Francesco Antonio Giorgioli: Affreschi del vecchio Ospizio di Soazza Affresco all’entrata del giardino (italienisch) auf lanostrastoria.ch/entries/
- ↑ Franco Binda, Il masso ‘astronomico’ di Soliva. (italienisch) auf e-periodica.ch/digbib (abgerufen am 15. Januar 2017).
- ↑ Franco Binda, Locarno 2013.


