Zum Inhalt springen

Simon Steen-Andersen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Simon Steen-Andersen (* 24. April 1976 in Odder) ist ein dänischer Komponist und Installationskünstler.

Simon Steen-Andersen studierte Komposition (1998–2006) bei Karl Aage Rasmussen in Aalborg, Mathias Spahlinger in Freiburg, Gabriel Valverde in Buenos Aires und bei Bent Sørensen und Hans Abrahamsen in Kopenhagen. Seine Zusammenarbeit erfolgte zum Beispiel mit dem Ensemble Modern, dem Ensemble recherche, bei den Donaueschinger Musiktagen, den Darmstädter Ferienkursen, dem Französischen Nationalorchester und der Radio-Kammerphilharmonie Hilversum. Ab 2008 war Steen-Andersen Lehrer für Komposition am Jütländischen Musikkonservatorium in Aarhus. Seit 2018 ist er Professor in der Abteilung Komposition und Théâtre musical an der Hochschule der Künste Bern.[1] Daneben ist er adjungierter Professor am Jütländischen Musikkonservatorium.[2] Steen-Andersen ist seit 2014 Mitglied der Akademie der Künste (Berlin) und seit 2018 Mitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie.[3] Er lebt in Berlin.[4]

Der Musikverlag Edition·S veröffentlicht Steen-Andersens Musik.

Steen-Andersen arbeitet an der Schnittstelle von Musik, Bühnenkunst und visuellen Medien.[2] Sein Schaffen ist für eine audiovisuelle, häufig ortsspezifische Kompositionsweise bekannt, in der Klang, Geste, Bühnenraum und visuelle Elemente als gleichwertige musikalische Parameter behandelt werden.[4] Bereits in den Solo- und Kammermusikwerken seiner Studienzeit entwickelte er ein Interesse am Verhältnis von musikalischer Geste, Bewegungsenergie und Klang, das seine spätere Arbeit prägte.[4] In frühen Werken wie Praesens (2001), Amid (2004), In-side-out-side-in … (2001) und Rerendered (2003) verdichtete sich dieses Interesse zu performativen und szenischen Experimenten mit audiovisuellen Mitteln.[4]

Im fortlaufenden Werkkomplex Run Time Error seit 2009 bewegt sich Steen-Andersen durch eine bestimmte Institution oder ein Gebäude und bespielt auf einer festgelegten Route Gegenstände des jeweiligen Ortes.[4] Das Geschehen wird gefilmt und in Echtzeit als Video gezeigt, wodurch sich das Werk mit jedem Aufführungsort verändert.[2] Zu den Orten dieses Konzepts gehörten unter anderem die Schwarze Diamant in Kopenhagen und das Bayreuther Festspielhaus.[4]

In Black Box Music (2012) für Ensemble, das ihm 2014 den Musikpreis des Nordischen Rates einbrachte, steht eine schwarze, an ein Puppentheater erinnernde Box im Zentrum der Aufführung.[4] Zwei Hände im Inneren der Box werden per Video sichtbar gemacht und scheinen zunächst das Ensemble zu dirigieren, bis die Beziehung zwischen sichtbarer Geste und klingendem Ereignis zunehmend unklar wird.[4] Das Werk bündelt Steen-Andersens Beschäftigung mit dem Verhältnis von Körperbewegung, Klangproduktion und medialer Vermittlung.[4]

In Piano Concerto (2014) bildet eine Zeitlupenaufnahme eines Flügels, der aus acht Metern Höhe auf einen Betonboden fällt und zerbricht, den Ausgangspunkt des Werks.[4] Der Solist spielt darin sowohl auf einem Konzertflügel als auch auf einem MIDI-Keyboard, das Aufnahmen eines zerstörten Klaviers auslöst.[4] Das Werk wurde 2014 mit dem Orchesterpreis des SWR und 2015 mit dem Carl Prisen ausgezeichnet.[4]

Das groß angelegte multimediale Werk Trio (2019) ist für Symphonieorchester, Bigband, Konzertchor und Video geschrieben.[4] Es entstand auf Initiative von DR in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk und wurde für das DR Symfoniorkestret, das DR Big Band und den DR Koncertkoret geschrieben.[3] Für das Werk sichtete Steen-Andersen mehr als 400 Stunden Archivmaterial mit den drei Ensembletypen und montierte daraus kurze historische Film- und Tonfragmente, die in die live gespielte und gesungene Musik eingehen.[3] Die dänische Erstaufführung fand am 11. März 2022 im DR Koncerthuset statt.[3]

Auch in musikdramatischen Arbeiten greift Steen-Andersen häufig auf vorhandene Traditionsbestände zurück und setzt sie mit medialen und performativen Verfahren neu zusammen.[4] Walk the Walk (2020) untersucht mit Performern auf Laufbändern, aufgenommenen Schritten und szenischen Interviews das Gehen als akustisches und körperliches Phänomen.[2] In The Loop of the Nibelung, das während der COVID-19-Pandemie in Bayreuth aufgeführt wurde, bezog sich Steen-Andersen auf den Wagner-Kontext des Aufführungsortes.[2] Die Oper Don Juans Inferno (2023) setzt nach dem Ende von Mozarts Don Giovanni ein und gewann 2024 einen Reumert als Oper des Jahres.[4]

Werke (Auswahl)

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Wie du warst! Wie du bist! (2025)[4]
  • no Concerto für Schauspieler, Pianist, Orchester, Video u. a. (2024)[4]
  • Don Juans Inferno (2023)[4]
  • The Return (2022)[4]
  • Transit (55') (2021)
  • Walk the Walk für vier Performer und Laufbänder (90') (2020)[4]
  • The Loop of the Nibelung – a.k.a. Run Time Error @ Bayreuth (Online-Version 37', Live-Version 60') (2020)
  • Trio für Big Band, Chor, Orchester und Video (45') (2019)
  • Asthma (22') (2017)
  • if this then that and now what (135') (2016)
  • Korpus – für drei Harry-Partch-Instrumente (12') (2015)
  • Piano Concerto für Klavier, Sampler, Orchester und Video (28') (2014)
  • Inszenierte Nacht (55') (2013)
  • Black Box Music (32') (2012)
  • String Quartet No. 2 (2012)
  • Im Rauschen (9') (2011)
  • Study for String Instrument # 3 (5') (2011)
  • Double Up für Sampler und Kammerorchester (18') (2010)
  • Ouvertures für verstärkte Guzheng, Sampler und Orchester (15') (2008/2010)
  • Study for String Instrument # 2 (5'–6') (2007)
  • Run Time Error (2009)
  • Self Simulator (2009)
  • Pretty Sound (Up And Down) (7'30) (2008)
  • Beloved Brother (7') (2008)
  • On And Off And To And Fro für Vibraphon, Sopran-Saxophon, Kontrabass und drei Musiker mit Megaphonen (15') (2008)
  • SoundTAG (2008)
  • Ouvertures (8') für verstärkte Guzheng, Sampler und Orchester (2008)
  • Study for String Instrument # 1 (3'30–4'30) (2007)
  • Nothing Integrated (21') (2007)
  • In Her Frown (12') (2007)
  • In Spite Of, And Maybe Even Therefore (9') (2007)
  • Chambered Music (11') (2007)
  • Loloopop (2006)
  • [Speech sounds] (2005)
  • Within Amongst (5') (2005)
  • Amongst (33') (2005)
  • Next To Beside Besides # 1-13 (+ ...) verstärkte Solostücke (3'30'') (2003 / '05)
  • Amid (9') (2004)
  • Beside Besides (Next To Beside Besides # 0) (4'30) (2003)
  • Besides (18') (2003)
  • Drownwords (10') (2003)
  • Rerendered (10') (2003, rev. '04)
  • Among (Unattended Ones) (12') (2002)
  • Split Point (12') (2002)
  • Spin-Off (3') (2002)
  • Praesens (16') (2001)
  • Electro Miniature (the band) (2'30) (2001)
  • In-side-out-side-in ... (10') (2001)
  • De Profundis (12') (2000)
  • Impromptu (2000)
  • String Quartet (10') (1999)
  • Punctus Contra Punctum (1999)
  • Polaroid (1999)
  • Sinfonietta Variations (1999)
  • Aurora (1999)
  • Study for Percussion and Saxophone (1999)
  • 4 Petitesses (1998)
  • Suite for Ensemble für Solo Cello (1998)
  • 2020: Drownwords Complete Works for Guitar, Francesco Palmieri: classical & electric guitar, Brian Archinal: performer, Ensemble VERTIGO der Hochschule der Künste Bern, Lennart Dohms: conductor, Contrastes Records.
  • 2011: Pretty Sound, Ensemble Asamisimasa (Norwegen), Dacapo Records. 8.226523: On And Off And To And Fro (2008), Rerendered (2003), Pretty Sound (Up and Down) (2009), Study for String Instrument #2 (2009).
  • 2003: Praesens/Present, Danish Contemporary Music for 14 Musicians, SNYK, Kopenhagen, Dänemark; 1 CD.
  • 1999: "getString", Silesian String Quartet, Dacapo Records, 8.226530: String Quartet (1999).

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Website des Fachbereichs Musik an der Hochschule der Künste Bern
  2. 1 2 3 4 5 Thomas Michelsen: Han er et kæmpe navn i Tyskland. Snart kan du opleve ham i Danmark. In: Politiken. 24. April 2026, abgerufen am 24. April 2026 (dänisch).
  3. 1 2 3 4 Cecilie Rosenmeier: Dansk komponist skaber spektakulært storværk til DR’s kor og orkestre. In: DR. 22. Februar 2022, abgerufen am 24. April 2026 (dänisch).
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 Jakob Gustav Winckler: Simon Steen-Andersen. In: Lex.dk. 19. Februar 2026, abgerufen am 24. April 2026 (dänisch).
  5. Simon Steen-Andersen mit Orchesterpreis ausgezeichnet. In: SWR Donaueschinger Musiktage. 20. Oktober 2019, archiviert vom Original am 21. Oktober 2019.
  6. Frederik Bjerre Andersen: Danske Simon har smadret et flygel - nu modtager han international musikpris. In: DR. 21. Februar 2017, abgerufen am 24. April 2026 (dänisch).