Sierentz
| Sierentz | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Grand Est | |
| Département (Nr.) | Haut-Rhin (68) | |
| Arrondissement | Mulhouse | |
| Kanton | Brunstatt-Didenheim | |
| Gemeindeverband | Saint-Louis Agglomération | |
| Koordinaten | 47° 39′ N, 7° 27′ O | |
| Höhe | 244–301 m | |
| Fläche | 13,22 km² | |
| Einwohner | 4.409 (1. Januar 2023) | |
| Bevölkerungsdichte | 334 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 68510 | |
| INSEE-Code | 68309 | |
| Website | www.sierentz.fr | |
Bürgermeisteramt und Schulgebäude | ||
Sierentz (deutsch Sierenz) ist eine französische Gemeinde mit 4409 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Sie gehört zum Kanton Brunstatt-Didenheim und zum Gemeindeverband Saint-Louis Agglomération.
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Gemeinde Sierentz liegt in der Oberrheinischen Tiefebene am südwestlichen Rand des Harthwalds zwischen Mülhausen (23 km entfernt) und der Schweizer Stadt Basel (17 km entfernt).
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch Ausgrabungen konnte eine über Jahrtausende anhaltende Siedlungskontinuität festgestellt werden. Die frühesten Siedlungsspuren stammen aus dem älteren Neolithikum (5000–4000 v. Chr.). Ebenso wurden Siedlungsspuren der mittleren Bronzezeit (1500–1250 v. Chr.), Gräber und ein Wohnplatz der ausgehenden Bronzezeit (1250–750 v. Chr.) sowie Überreste aus der Hallstattzeit (750–480 v. Chr.) und der La-Tène-Zeit entdeckt. Aus der gallo-römischen Zeit stammen die Funde einer Straßenstation (3. Jahrhundert nach Christus) und ein Gräberfeld aus dem 4. Jahrhundert.[1]
In der Zeit der Römer kreuzten sich in Sierentz zwei Verkehrswege in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung. Dank ihnen entwickelte sich der Ort zu einem gut frequentierten Handelsplatz.
Ersterwähnung 835 in einer am Ort ausgestellten Urkunde von König Ludwig dem Deutschen und dem Abt von Murbach.
Ab dem 10. Jahrhundert gehörte Sierentz zum weltlichen Besitz des Bistums Basel. 1522 kam der Ort an die protestantische Familie Waldner von Freundstein aus Sulz und blieb zur Französischen Revolution in deren Besitz. Im Westfälischen Frieden 1648 ging das Dorf mit dem ganzen habsburgischen Besitz im Elsass an die französische Krone.
Die heute in Basel ansässige Bankiersfamilie Dreyfus hat ihre Wurzeln in Sierenz. Ihre Angehörigen gehörten zu den rund 200 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, die auch eine Talmudschule und ein Rabbinat unter sich hatte. Von der Synagoge bestehen heute nur noch Überreste. An die Familie erinnert heute der Dreyfusplatz (La Place Dreyfus) im Zentrum der Gemeinde.
Weitere ehemalige Bauten sind eine Indiennedruckerei und eine Fayencerie. Bis in die 1960er Jahre existierte am Dorfeingang eine Ziegelei, deren Gebäude heute noch steht. Die Eisenbahnlinie wurde 1840 eröffnet, das Bürgermeisteramt und Schulgebäude (Mairie-école) wurde 1865 gebaut.
Am nördlichen Ortsausgang erinnern noch der Flurname Hochkirch und eine Kapelle mit kleinem Friedhof an das im 15. Jahrhundert abgegangenen Dorf Hohenkirch. Dieses ist urkundlich bereits 870 im Vertrag von Mersen erwähnt. Die Dorfkirche, die Hochkirch, war Mutterkirche für eine ganze Anzahl umliegender Dörfer. Diese Hochkirch, die an Bedeutung verlor, als ihre Filialdörfer selbständige Pfarreien wurden, wurde 1836 abgebrochen, nachdem schließlich auch Sierentz eine eigene Kirchengemeinde geworden war.
Der Mühlgrabenbach schied einst den zur habsburgischen Vogtei Ober-Landser gehörenden Dorfteil von dem der Herren von Landenberg.
Bevölkerungsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Jahr | 1962 | 1968 | 1975 | 1982 | 1990 | 1999 | 2006 | 2018 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 1530 | 1633 | 1711 | 1666 | 2106 | 2442 | 2647 | 3750 |
Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gebäude
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Kirche St. Martin wurde 1836 errichtet. Sie ist mit einer Statue des Gekreuzigten aus dem 17. Jahrhundert sowie einem Gemälde des Heiligen Martin ausgestattet. Die 2014 restaurierte Orgel stammt aus dem Jahr 1773; sie verfügt über 20 Register auf zwei Manualen und Pedal.[2]
Der traditionsreiche Gasthof Saint-Laurent (früher Gasthof Krone) war bis 1870 die Ausspanne der Familie Karm.
Die Mairie-École ist ein Walmdachbau aus der Zweiten Kaiserzeit (1864/65). Die Gebäudemitte ist durch einen säulengestützten Balkon, einen breiten Uhrengiebel und ein diesem aufsitzenden Türmchen betont.
Das Haus 12/14 rue Rogg Haas: Fachwerkbau von 1608 auf steinernem Erdgeschoss. Dekoratives Fachwerk. Der Hauseingang mit profiliertem Kragsteinbogen und Wappen.
-
Kirche St. Martin
-
Gasthof Saint-Laurent
-
Kapelle St. Wendelin
-
Friedhofskapelle Hochkirch
Regelmäßige Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Größtes Fest im Ort ist das jährliche Erntedankfest.
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Sierentz ist zentraler Ort für die nähere Umgebung. Wirtschaftlich von Bedeutung sind die im Ort ansässigen Hotels und Restaurants. Auch Industriebetriebe, Banken, Arztpraxen und das Kleingewerbe sind gut vertreten.
Im 400-kV-Unterwerk wird elektrische Energie für Deutschland, Frankreich und die Schweiz gehandelt.
Dank der guten wirtschaftlichen Lage erhielten die Dorfbewohner den Beinamen „Däusiger“. Das ist elsässische Mundart und bedeutet „Tausender“.
Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sierentz liegt an der Bahnstrecke Strasbourg–Basel und der Autoroute A35 (Anschluss 34). Der Bahnhof wurde von der Linie S1 der S-Bahn Basel bedient und hatte dadurch direkte Zugverbindungen einerseits nach Mülhausen, andererseits über Basel nach Frick und Laufenburg im Schweizer Kanton Aargau. Stand 2024 verkehrt ausschließlich eine TER-Linie der SNCF zwischen Basel SBB und Mulhouse. Eine Wiederaufnahme der Verbindungen über Basel hinaus ist geplant.[3]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Charles Jaeckle (1872–1923), Porträtplastiker
- Klaus Jürgen Bade (* 1944), deutscher Historiker
- Jean-Marie Zoellé (1944–2020), Politiker und Bürgermeister von Saint-Louis
- Mito Loeffler (1961–2011), Jazzgitarrist
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Meister von Sierentz, Notname eines deutschen Malers der Spätgotik, der um 1445/50 am Oberrhein tätig war
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 1145–1155.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Orgel St. Martin Sierentz – Beitrag Orgel-Verzeichnis
Nachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ A. Munck u. a.: Le Guide du Sundgau. Hrsg.: Société d' histoire sundgovienne. Strasbourg 1989, S. 132.
- ↑ Orgel: Sierentz - St. Martin in der Orgeldatenbank orgel-verzeichnis.de mit Disposition und zahlreichen Abbildungen von Kirche und Orgel
- ↑ "Trinationale S-Bahn Basel: Angebot im Agglomerationskern" | Zielzustand im Horizont 2030 ( vom 6. Dezember 2025 im Internet Archive) (PDF), auf trireno.org, abgerufen am 11. Dezember 2024.
