Siderazot kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und findet sich überwiegend in Form sehr dünner Krusten auf Lava. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der silberweißen Krusten einen metallischen Glanz.
Entdeckt wurde Siderazot erstmals am VulkanÄtna, genauer an dessen Fumarolen, auf der italienischen Insel Sizilien. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1876 durch Orazio Silvestri. Zur Benennung des Minerals schlug Silvestri die Bezeichnung Siderazot vor, ohne jedoch anzugeben, worauf sich diese Bezeichnung bezieht.[7] Man kann jedoch davon ausgehen, dass sich der Name auf die Zusammensetzung des Minerals[5] aus Eisen (altgriechischσίδηροςsideros, siehe auch Siderit) und Stickstoff (französischazote, zurückgehend auf altgriechischἄζωτοςázōtos für ‚lebensfeindlich‘) bezieht.
Das Typmaterial des Minerals wird im Natural History Museum in London aufbewahrt. Dabei handelt es sich um eine 1,23g schwere und etwa 10mm×10mm×20mm große, blasenförmige Lavaprobe, die Silvestri 1874 nach einem Ausbruch des Ätna gesammelt hatte.[3] Die Sammlungsnummer der Holotyp-Probe ist allerdings nicht dokumentiert. Der Aufbewahrungsort des Typmaterials von Siderazot wird zudem nicht vom IMA-Typmineralkatalog bestätigt.[8]
Siderazot war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Siderazot theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 2021 erfolgten Publikation Confirmation of siderazot, Fe3N1.33, the only terrestrial nitride mineral von Sebastian Bette, Thomas Theye, Heinz-Jürgen Bernhardt, William P. Clark und Rainer Niewa wurde die Struktur von Siderazot entschlüsselt und die Zusammensetzung anhand des Typmaterials neu definiert.[3] Diese wurde von der IMA offiziell anerkannt,[9] daher wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 2021 s.p.“ (special procedure) geführt.[1] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Siderazot lautet „Saz“.[2]
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. I/A.10-040. In der Lapis-Systematik entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“, wo Siderazot zusammen mit Carlsbergit, Nierit, Osbornit, Qingsongit, Roaldit und Sinoit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/A.10 bildet.[6]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10]9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den hier noch als fraglich geltendes Mineral Siderazot in die Abteilung der „Metallische Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphorverbindungen“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den zugehörigen Stoffgruppen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Nitride“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 1.BC.10 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Siderazot die System- und Mineralnummer 01.01.18.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Elemente“, wo das Mineral zusammen mit Roaldit in einer unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 01.01.18 innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Metallische Elemente außer der Platingruppe“ zu finden ist.
Orazio Silvestri:Das Vorkommen des Stickstoffeisens unter den Fumarolen-Producten des Aetna und Künstliche Darstellung dieser Verbindung. In: Annalen der Physik und Chemie. Band157, 1876, S.165–172 (rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 21.Mai 2024]).
Orazio Silvestri:La scombinazione chimica (dissociazione) applicata alla interpetrazione di alcuni fenomeni vulcanici; sintesi e analisi di un nuovo minerale trovato sull’Etna e di origine comune nei vulcani. In: Atti Dell’Accademia Gioenia di Scienze Naturali in Catania. Band10, 1876, S.17–27 (italienisch, rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 21.Mai 2024]).
Sterling B. Hendricks, Peter R. Kosting:The crystal structure of Fe2P, Fe2N, Fe3N and FeB. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band74, 1930, S.511–533 (englisch, rruff.info[PDF; 810kB; abgerufen am 21.Mai 2024]).
Sebastian Bette, Thomas Theye, Heinz-Jürgen Bernhardt, William P. Clark, Rainer Niewa:Confirmation of siderazot, Fe3N1.33, the only terrestrial nitride mineral. In: Minerals. Band11, 2021, S.290 (englisch, rruff.info[PDF; 2,7MB; abgerufen am 21.Mai 2024]).
Siderazot search results.In:rruff.info.Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF);abgerufen am 21.Mai 2024(englisch).
12345678Sebastian Bette, Thomas Theye, Heinz-Jürgen Bernhardt, William P. Clark, Rainer Niewa:Confirmation of siderazot, Fe3N1.33, the only terrestrial nitride mineral. In: Minerals. Band11, 2021, S.290 (englisch, rruff.info[PDF; 2,7MB; abgerufen am 21.Mai 2024]).
↑Hugo Strunz, Ernest H. Nickel:Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S.49 (englisch).
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Siderazot. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org[PDF; 52kB; abgerufen am 21.Mai 2024]).
12Stefan Weiß:Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
↑Orazio Silvestri:Das Vorkommen des Stickstoffeisens unter den Fumarolen-Producten des Aetna und Künstliche Darstellung dieser Verbindung. In: Annalen der Physik und Chemie. Band157, 1876, S.172 (rruff.info[PDF; 1,1MB; abgerufen am 21.Mai 2024]).
↑R. Miyawaki, F. Hatert, Marco Pasero, S. J. Mills:IMA Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) – Newsletter 61. In: European Journal of Mineralogy. Band33, 2021, S.304, Confirmation of siderazot as a valid species (englisch, rruff.info[PDF; 107kB; abgerufen am 21.Mai 2024]).