Zum Inhalt springen

Shellhuset

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Shellhuset bezeichnet zwei Bürogebäude an der Kampmannsgade in Kopenhagen: den 1934 errichteten funktionalistischen Ursprungsbau und den 1951 fertiggestellten Nachfolger an derselben Stelle.[1][2] Historisch bekannt wurde es als dänische Gestapo-Zentrale und durch den britischen Luftangriff vom 21. März 1945, bei dem auch die Französische Schule in Frederiksberg irrtümlich getroffen wurde.[3][4]

Bau und Nutzung als Gestapo-Zentrale

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Ursprüngliches Shellhuset

Gerhard Rønne entwarf den Ursprungsbau im Jahr 1932 für Dansk Shell; 1934 wurde er fertiggestellt, mit Kalksteinfassade und langen Stahlfensterbändern als markanten funktionalistischen Merkmalen.[5][1] Im Frühjahr 1944 übernahm die Gestapo im Rahmen der deutschen Besatzung Dänemarks das Gebäude und richtete in der obersten Etage rund zwanzig Gefängniszellen ein.[3][1] Dort wurden Angehörige des Widerstands verhört und misshandelt; zu den berüchtigten dänischen Gestapo-Mitarbeitern im Haus gehörte Ib Birkedal Hansen.[6] Nach zahlreichen Verhaftungen im Februar 1945 drohte die Gestapo den Kopenhagener Widerstand aufzulösen, worauf dessen Führung einen Luftangriff auf die Zentrale und die Archive verlangte.[7][6]

Operation Carthage

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. März 1945 griff die Royal Air Force das Shellhuset auf Bitte des dänischen Widerstands unter dem Decknamen Operation Carthage mit 20 Mosquito-Jagdbombern an.[1][4] Ziel war die Zerstörung der Zentrale und insbesondere ihrer Unterlagen über den Widerstand.[4][8] Ein Flugzeug der ersten Welle streifte einen Lichtmast, verlor seine Bomben über dem Sønder Boulevard 106 und stürzte neben der Französischen Schule ab; mehrere nachfolgende Flugzeuge hielten den Rauch des Wracks irrtümlich für das Zielgebiet.[4] Dadurch wurde die Schule getroffen und brannte aus; dort starben 86 Kinder und 18 Erwachsene.[9][4] Das Shellhuset selbst wurde zerstört, umfangreiches Archivmaterial verbrannte, acht der festgehaltenen dänischen Widerstandskämpfer kamen ums Leben und 18 entkamen, darunter Mogens Fog.[1][8] Die Vernichtung von Akten und der Zentrale lähmte die Gestapo-Arbeit für den Rest der Besatzungszeit.[1]

Shellhuset-Neubau

Im Jahr 1951 entstand an gleicher Stelle Vilhelm Lauritzens modernistischer Neubau mit zurückgesetzten Fenster- und Brüstungsfeldern; 2022 wurde er restauriert und umgebaut und dient heute als Bürohaus.[2] Britische Bordkameras und die nationalsozialistisch kontrollierte Wochenschau Dansk Film-Avis dokumentierten den Angriff; britische Luftaufnahmen erschienen später in Theodor Christensens Det gælder din Frihed (1946) und in De fem år.[8] Martin Sundstrøm und Simon Bang rekonstruierten die Ereignisse 2013 im Dokumentarfilm Angrebet på Shellhuset mit historischem Bildmaterial und Zeitzeugeninterviews.[6] Ole Bornedals Spielfilm Skyggen i mit øje (2021) griff den Angriff und die Katastrophe der Französischen Schule erneut auf.[8]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 4 5 6 Aage Trommer: Shellhuset. In: Lex. 12. September 2024, abgerufen am 17. August 2026 (dänisch).
  2. 1 2 Shellhuset. In: Det Kongelige Akademi. Abgerufen am 17. August 2026 (dänisch).
  3. 1 2 Frihedsmuseets fotoarkiv: Gestapos hovedkvarter i Shellhuset. In: Nationalmuseet. 8. April 2022, abgerufen am 17. August 2026 (dänisch).
  4. 1 2 3 4 5 Henrik Ahlmann; Aage Trommer; Charlie Krautwald: Den Franske Skole. In: Lex. 10. Juni 2026, abgerufen am 17. August 2026 (dänisch).
  5. ↑ Jette Lokvig: Gerhard Rønne. In: Weilbachs Kunstnerleksikon. 26. Mai 2026, abgerufen am 17. August 2026 (dänisch).
  6. 1 2 3 Henrik Palle: Tv i aften: Tankevækkende dokumentar går tæt på dansk krigstraume. In: Politiken. 9. Dezember 2013, abgerufen am 17. August 2026 (dänisch).
  7. ↑ Aage Trommer; Tage Kaarsted: Den politiløse tid. In: Gyldendal og Politikens Danmarkshistorie. 1. März 2012, abgerufen am 17. August 2026 (dänisch).
  8. 1 2 3 4 Lars-Martin Sørensen: 75-året for bombningen af Den Franske Skole. In: Det Danske Filminstitut. 12. März 2020, abgerufen am 17. August 2026 (dänisch).
  9. ↑ Hanne Boock: Erik Petersens befrielse. In: Politiken. 4. Mai 2020, abgerufen am 17. August 2026 (dänisch).