Zum Inhalt springen

Sheila Coronel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Sheila S. Coronel (* 1958 in Manila) ist eine philippinische Investigativjournalistin, Autorin und Hochschullehrerin.[1] Sie ist Mitbegründerin des Philippine Center for Investigative Journalism (PCIJ), Leiterin des Toni Stabile Center for Investigative Journalism an der Columbia University und Trägerin des Ramon-Magsaysay-Preises (2003).[2][3]

Leben und Wirken

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Coronel wurde 1958 in Manila als Tochter eines Rechtsanwalts und einer Literaturlehrerin geboren.[1] Sie studierte Politikwissenschaften an der Universität der Philippinen und erwarb später einen Masterabschluss in politischer Soziologie an der London School of Economics and Political Science.[4] Während der späten Marcos-Diktatur arbeitete sie in ihren frühen Zwanzigern für das Untergrundblatt News From a Free Philippines, entging bei einer Razzia knapp der Verhaftung und tauchte zeitweise unter.[1] Im Dezember 1982 wechselte sie zur Sonntagszeitschrift Philippine Panorama des Manila Bulletin und schrieb dort über soziale Missstände und politische Gewalt.[1] Nach der Ermordung Benigno Aquinos im Jahr 1983 berichtete sie über die Proteste gegen Ferdinand Marcos und wurde später als Chronistin der EDSA-Revolution wahrgenommen.[5][3] Nach dem Ende der Diktatur arbeitete sie für The Manila Times und Manila Chronicle und baute sich mit investigativen Recherchen den Ruf einer profilierten politischen Reporterin auf.[5] 2006 ging sie an die Columbia Journalism School, wo sie Leiterin des Toni Stabile Center for Investigative Journalism wurde; 2014 wurde sie dort zur Dekanin für akademische Angelegenheiten berufen und blieb zugleich Professorin und Leiterin des Stabile Center.[2][4]

Coronel gründete 1989 mit acht weiteren Journalisten das PCIJ, weil sie den engen Routinen klassischer Redaktionen eine langfristige, dokumentenbasierte und gemeinwohlorientierte Recherche entgegensetzen wollte.[3][6] Unter ihrer Leitung entwickelte sich das PCIJ zu einer der wichtigsten investigativen Redaktionen Asiens und veröffentlichte Recherchen zu Militär, Armut, Korruption, illegalem Holzeinschlag sowie Machtmissbrauch in Regierung, Justiz und Medien.[2][3] Zu ihren folgenreichsten Arbeiten zählten die PCIJ-Recherchen über das Vermögen des philippinischen Präsidenten Joseph Estrada, darunter der Bericht Can the President Explain His Wealth?, die 2000 in das Amtsenthebungsverfahren einflossen und 2001 zum Sturz Estradas beitrugen.[1][2] Der Ramon-Magsaysay-Preis würdigte Coronel 2003 für ihren Beitrag zur Verankerung des investigativen Journalismus als Bestandteil demokratischer Öffentlichkeit auf den Philippinen.[3] In ihrer akademischen Arbeit an der Columbia Journalism School bildete sie Journalisten aus, verfasste Lehrtexte zum investigativen Journalismus und veröffentlichte und edierte mehr als ein Dutzend Bücher über die Philippinen, Informationsfreiheit und Recherchemethoden.[2] Coronel schrieb für The Atlantic über Rodrigo Duterte; in der gemeinsam mit Mariel Padilla, David Mora und dem Stabile Center veröffentlichten Recherche The Uncounted Dead of Duterte’s Drug War kam das Team 2019 zu dem Ergebnis, dass zahlreiche Tötungen im philippinischen Antidrogenkrieg nicht in offiziellen Zählungen erschienen.[7] Im Jahr 2022 analysierte sie im New Yorker unter dem Titel The Triumph of Marcos Dynasty Disinformation Is a Warning to the U.S. die Rolle von Desinformation, Rappler und sozialen Medien bei der Rückkehr der Familie Marcos an die Macht.[8] Im Columbia Journalism Review schrieb sie 2024 in Ten Tips for Reporting in an Autocracy über journalistisches Arbeiten unter autoritärem Druck und 2025 in On the Arrest of an Autocrat über die Festnahme Dutertes und die Bedeutung langfristiger Dokumentation durch Medien, Juristen, Geistliche und Menschenrechtsgruppen.[9][10] Auf der PCIJ-Konferenz zum 35-jährigen Bestehen des Zentrums rief Coronel 2024 erneut zu kontrollierendem Journalismus auf.[11]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 3 4 5 The Cynical Optimist. In: Columbia Magazine. 2007, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 Sheila Coronel. In: Columbia Journalism School. Abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 5 Coronel, Sheila. In: Ramon Magsaysay Award Foundation. Abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  4. 1 2 PHL journalist Sheila Coronel named academic dean at Columbia J-school. In: GMA News Online. 22. Januar 2014, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  5. 1 2 Digging for Dirt: Sheila Coronel. In: Worldpress.org. Dezember 2003, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  6. Our History. In: PCIJ.org. 2024, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  7. The Uncounted Dead of Duterte's Drug War. In: The Atlantic. 19. August 2019, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  8. The Triumph of Marcos Dynasty Disinformation Is a Warning to the U.S. In: The New Yorker. 17. Mai 2022, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  9. Ten Tips for Reporting in an Autocracy. In: Columbia Journalism Review. 11. November 2024, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  10. On the Arrest of an Autocrat. In: Columbia Journalism Review. 17. März 2025, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).
  11. Sheila Coronel: ‘We need watchdog reporting now more than ever’. In: PCIJ.org. 12. Mai 2024, abgerufen am 4. Mai 2026 (englisch).