Shabnam Parvaresh
Shabnam Parvaresh (persisch شبنم پرورش; * 1983 in Teheran) ist eine iranische Musikerin (Klarinette, Bassklarinette, Komposition) und Malerin. Nach ihrem Jazz-Abschluss an der Hochschule Osnabrück wurde sie durch ihre Kompositionen und Performances von Avantgarde Jazz und improvisierter Musik bekannt, unter anderem beim Moers Festival und beim Tehran Contemporary Music Festival. Ab 2026 ist sie die Leiterin des Morgenland Festivals Osnabrück.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Parvaresh, die in Teheran aufwuchs, erhielt Privatunterricht auf der Klarinette bei Mitgliedern des Teheraner Sinfonieorchesters. Sie begann ihre musikalische Karriere als Bassklarinettistin im Teheraner Sinfonieorchester und im National Traditional Orchestra. Sie erhielt ihren Bachelor in Bildender Kunst und Malerei und verfolgte trotz politischer Hindernisse eine Karriere als Künstlerin und Musikerin in Teheran. Als das Osnabrücker Symphonieorchester 2007 im Iran zu Gast war, nahm Parveresh Kontakt zu diesem Orchester auf. Um der repressiven politischen Situation im Iran zu entkommen und ihre musikalische Ausbildung zu erweitern, entschloss sie sich 2014 den Iran zu verlassen, und absolvierte ein Jazzstudium am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück.[1][2]
2020 gründete Parvaresh das Sheen Trio, dessen Debütalbum Gozar (dt.: Passagen) 2023 erschien; das Ensemble konzertierte auf Festivals und in Jazzclubs. Sie ist auch als Instrumentalistin in zahlreichen anderen Projekten, etwa The Dorf, Jan Klares Kind und Unland aktiv, mit denen sie Alben aufnahm. Sie trat bei Festivals wie der Kölner Jazzwoche, dem Moers Festival, dem Tehran Contemporary Music Festival und dem Multiphonics Festival auf.[3] Mit dem syrischen Klarinettisten Kinan Azmeh konzertierte sie beim Morgenland Festival Osnabrück.[1]
Als Komponistin beschäftigte Parvaresh sich mit iranischer Lyrik und der Biografie der Lyrikerin und Filmemacherin Forugh Farrochzad.[4] Musikalisch griff sie dabei auf unterschiedliche Genres zurück, auch auf Neue Improvisationsmusik. Für sie gehört dazu besonders die Improvisation als spontane musikalische Kommunikation, in der Musiker einander zuhören und im Moment aufeinander reagieren. Sie hob hervor, dass Jazz gerade durch diese Unwiederholbarkeit geprägt sei und klanglich nicht immer gefällig ausfallen müsse.[5]
Im März 2026 war Parvaresh Mitbegründerin und Kuratorin des Festivals Jazz49 in Osnabrück.[6] Weiterhin kuratierte Parvaresh die Osnabrücker Konzertreihe Klangfenster in der hase29 für improvisierte Musik. Als Nachfolgerin von Michael Dreyer übernahm sie 2026 die künstlerische Leitung für das Morgenland Festival.[7]
Als Bildende Künstlerin hatte Parvaresh Soloausstellungen ihrer Werke in Teheran, Osnabrück und den Vereinigten Arabischen Emiraten. 2022 war sie für den Osnabrücker Kunstpreis nominiert.[8]
Wirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Parvareshs Musik wurde von der niederländischen Organisation European Clarinet Congress als eine Kombination aus persischer Musik, elektronischer Elemente, Improvisation und Jazz beschrieben, bei der sie „eine neue musikalische Ästhetik auf der Klarinette“ schafft.[8]
Mit Bezug auf Parvareschs Solidarität mit Reformbewegungen im Iran schrieb die Neue Osnabrücker Zeitung: „Parvaresh liebt die tiefen, sonoren Töne ihrer Bassklarinette, in denen jener Schmerz der Unterdrückung mitschwingt, den der Iran tagtäglich erlebt.“[9] In ihrem Blog One to Watch beschrieb die Saatchi Art Galerie in London den Einfluss von Musik auf ihre abstrakten Gemälde als „einen Versuch, Klang mit Farbe zu visualisieren.“[10]
Preise und Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2018 gewann Parvaresh mit dem Lukas Schwegmann Quintet den Study Up Award für Jazz.[1] 2020 erhielt sie den Zonta-Musikpreis.[11]
Diskographische Hinweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sheen Trio: Gozar (Berthold Records 2023, mit Ula Martyn-Ellis, Philipp Buck)
- Parvaresh / Raffel: Rising Red (Timezone Records 2023)
- Shabnam Parvaresh / Katharina Maschmeyer / Joachim Raffel: World of Improvisation (Alina Records 2024)
- Sheen Trio: Transitory (Unit Records 2026, mit Ula Martyn-Ellis, Philipp Buck)[12]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Webpräsenz
- Shabnam Parvaresh bei Discogs
- Gemälde von Shabnam Parvaresh bei Saatchi Art Gallery
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Kurzporträt. In: womenofmusic.de. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Lena Bathge: Shabnam Parvaresh: Die neue Leiterin des Morgenland-Festivals. In: NDR. 22. August 2024, abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Shabnam Parvaresh · Duisburger Philharmoniker · Spielzeit 2025/2026. Abgerufen am 15. März 2026.
- ↑ Land fördert herausragende Nachwuchskomponistinnen und -komponisten. In: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur. 2024, abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Wilfried Hippen: Festivalkoordinatorin über Jazz: „Ich wollte Musikerinnen präsentieren“. In: taz.de. 12. März 2026, abgerufen am 12. März 2026.
- ↑ Jazz Festival Osnabrück - Samstag. Abgerufen am 15. März 2026 (deutsch).
- ↑ New artistic director. In: morgenland-festival.com. 2026, abgerufen am 15. März 2026 (englisch).
- 1 2 Shabnam Parvaresh - European Clarinet Congress. 27. November 2023, abgerufen am 15. März 2026 (englisch).
- ↑ Ralf Döring: Musikerin und Künstlerin: Shabnam Parvaresh gestaltet Osnabrück. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 4. Januar 2023, abgerufen am 15. März 2026.
- ↑ Saatchi Art: Shabnam Parvaresh. In: Canvas: A Blog By Saatchi Art. 20. Januar 2015, abgerufen am 15. März 2026 (englisch).
- ↑ Marie Busse: Wie eine Klarinettistin im Iran um jedes Notenblatt kämpfte. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 24. Januar 2020 (noz.de).
- ↑ Martin Laurentius: Sheen Trio – Transitory. In: Jazz thing. 16. Januar 2026, abgerufen am 15. März 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Parvaresh, Shabnam |
| KURZBESCHREIBUNG | iranische Musikerin (Klarinette, Bassklarinette, Komposition), Kuratorin und Malerin |
| GEBURTSDATUM | 1983 |
| GEBURTSORT | Teheran |