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Sega Meganet

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Sega Meganet (auch bekannt als Net Work System) war ein Online-Dienst für die Mega Drive-Spielkonsole in Japan und später in Brasilien. Mithilfe eines Einwahlmodems stellte Meganet Segas ersten Online-Mehrspielerdienst dar und funktionierte nach dem Pay-to-Play-Prinzip. Der Zugriff erfolgte über ein externes Gerät namens Mega Modem, mit dem mehrere exklusive Titel heruntergeladen werden konnten; einige davon boten Mehrspielermodi über die Telefonleitung. Darüber hinaus teilte sich das System Technik und Hardware mit der für Bankgeschäfte genutzten Anwendung Mega Anser.

Eine Veröffentlichung in Nordamerika war unter dem Namen „Tele-Genesis“ geplant, wurde jedoch nie realisiert. Letztlich war der Dienst nur kurzlebig und wurde etwa ein Jahr nach seiner Einführung eingestellt. Dennoch gilt Meganet als Vorläufer späterer Online-Angebote wie dem Sega Channel und XBAND sowie als einer der ersten Versuche, Online-Gaming auf Spielkonsolen zu etablieren. Rückblickend wurde Segas frühe Initiative für Online-Spiele gelobt, der Dienst selbst aber wegen logistischer Probleme und seines geringen Spieleangebots kritisiert.

Sega-Mega-Modem, das den Zugang zum Meganet ermöglichte

Segas 16-Bit-Konsole Mega Drive erschien am 29. Oktober 1988 in Japan, wurde jedoch von Nintendos Veröffentlichung von Super Mario Bros. 3 eine Woche später überschattet. Positive Berichterstattung in Magazinen wie Famitsu und Beep! verschaffte der Konsole eine erste Anhängerschaft, doch im ersten Jahr wurden lediglich rund 400.000 Geräte ausgeliefert.[1]

Um ein breiteres Publikum zu erreichen, begann Sega mit der Entwicklung eines Internetdienstes – ähnlich dem von Nintendo eingeführten Family Computer Network System für das Famicom.

Am 3. November 1990 wurde Meganet in Japan veröffentlicht. Das Mega Modem kostete 12.800 Yen (rund 100 US-Dollar), die monatliche Gebühr für den Dienst betrug 800 Yen.[2] Das Modem wurde an den rückseitigen EXT-9-Pin-Port der Konsole angeschlossen und über eine Telefonleitung verbunden. Es wurde mit einer Modul-Cartridge ausgeliefert, die den Zugriff auf die Meganet-Spielebibliothek ermöglichte; zum Start standen etwa sechs Titel bereit. Die Übertragungsgeschwindigkeit lag bei bis zu 1.200 Bit/s.[3]

Der Dienst wurde auf der Winter Consumer Electronics Show (CES) im Januar 1990 auch für Nordamerika unter dem Namen „Tele-Genesis“ angekündigt und in Zeitschriften wie Electronic Gaming Monthly beworben, jedoch nie veröffentlicht.

Ebenfalls 1990 stellte Sega in Japan das Mega Anser-System vor, das in Zusammenarbeit mit der Nagoya Bank entwickelt wurde. Es umfasste eine Mega-Drive-Konsole, das Mega Modem, die Mega-Anser-Cartridge und ein Tastenfeld. Damit konnten Banktransaktionen wie Kontostandsabfragen, Überweisungen und Kreditanfragen durchgeführt werden. Das Komplettpaket kostete 34.000 Yen, eine Version mit Drucker 72.800 Yen.[4]

Aufgrund des geringen Softwareangebots, der hohen Preise und des schwachen Erfolgs der Mega Drive in Japan blieb Meganet ein kommerzieller Fehlschlag. Bereits 1992 war das Mega Modem zu stark reduzierten Preisen im Handel erhältlich, und eine 1993 veröffentlichte überarbeitete Version der Konsole verzichtete gänzlich auf den EXT-Port, wodurch eine Verbindung mit Meganet unmöglich wurde.[5]

1995 wurde der Meganet-Dienst in Brasilien erneut eingeführt. Dort lag der Schwerpunkt zunächst auf E-Mail-Funktionalität; ab 1996 waren auch Online-Mehrspielerfunktionen und Chats möglich. Analog zum japanischen Mega Anser wurde zudem ein Homebanking-System angeboten. Hardware und Serviceleistungen stellte der brasilianische Sega-Vertrieb Tectoy bereit.[6]

Einzelnachweise

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  1. David Sheff: Game Over. Random House, 1993.
  2. IGN: Sega Meganet retrospective, 1999.
  3. Retro Gamer: Online before Online, Ausgabe 23, 2005.
  4. Beep! Magazin, Ausgabe 1990.
  5. Edge Magazin, Nr. 121, 2003.
  6. Tectoy Pressemitteilung, 1996.
Commons: Sega Meganet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien