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Sebastian Schmidtke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Sebastian Schmidtke, 2018

Sebastian Schmidtke (* 1985 in Strausberg) ist ein deutscher Neonazi. Er war Aktivist in verschiedenen neonazistischen Organisationen und im Spektrum der sogenannten Autonomen Nationalisten aktiv.[1] Ab Juli 2011 war er Betreiber des Ladens „Hexogen“ für „Militär, Outdoor, Camping und Security“. Außerdem war er als Politiker der deutschen Kleinpartei NPD, die sich seit 2023 Die Heimat nennt, aktiv. Bis November 2024 war er stellvertretender Parteivorsitzender der Partei. Seit 2020 ist er auch als Webvideoproduzent aktiv, anfänglich mit dem Schwerpunkt auf Survival-Themen. Seit Februar 2025 ist er als Video-Streamer aktiv und filmt auf Demonstrationen verschiedener politischer Richtungen.

Neonazi-Aktivist und Kader

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Schmidtke war Aktivist im „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ sowie des „Märkischen Heimatschutzes“ und der am 9. März 2005 verbotenen Kameradschaft Tor.[2] Er galt „über Jahre als Aushängeschild, des insbesondere durch Anti-Antifa-Aktivitäten bekannten NW-Berlin (Nationaler Widerstand Berlin), sei es als Verantwortlicher im Sinne des Presserechtes, als Redner auf Veranstaltungen oder als Demonstrationsanmelder“, bis dieser 2012 seine öffentlichen Aktionen einstellte.[3][4]

Parteifunktionär

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Schmidtke war von 2010 bis 2012 stellvertretender Vorsitzender und vom 4. März 2012 bis zum 8. Oktober 2016 Vorsitzender des Berliner Landesverbandes der NPD.[5][6] Seit 2010 ist er Mitglied des Bundesvorstands der NPD (ab 2023 „Die Heimat“), in wechselnder Funktion als „Bundesorganisationsleiter“ oder während seines Vorsitzes in Berlin, als Beisitzer des Landesverbandes.[7]

Im Verfassungsschutzbericht 2018 des Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt heißt es:

„Anlässlich des Konzertes einer Band am 6. November in Dessau-Roßlau teilte der NPD-Bundesorganisationsleiter Sebastian SCHMIDTKE (Berlin) auf der Facebook-Seite des Kreisverbandes Anhalt-Bitterfeld per Videobotschaft mit, dass er an den Intendanten des Anhaltischen Theaters Dessau und den Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau einen „Offenen Brief für mehr Kunst“ gerichtet habe. In diesem fordert er, im Rahmen der künstlerischen Freiheit die rechtsextremistischen Rockbands „Lunikoff Verschwörung“ und „Stahlgewitter“ auftreten zu lassen und fragte diverse Termine an. Sein Video kommentierte er mit den Worten: ‚Da sind wir mal gespannt, mit wievielerlei Maß hier dann gemessen wird und ob die künstlerische Freiheit auch für nationalistische Künstler zählt. Oder wir wieder einmal die heuchlerische Verlogenheit dieser ‚Demokratie‘ offenlegen.‘“[8]

Auch als NPD-Funktionär blieb er des bewegungsförmigen Neo-Nazismus verbunden. So kam es bspw. am 7. Juni 2018, im Vorfeld der „Tage der nationalen Bewegung“ zu einer Veranstaltung in Kloster Veßra im Gasthaus Goldener Löwe des Neonazi-Aktivisten, Unternehmer, Konzertveranstalter und Gastwirt Tommy Frenck, auf der er ebenso wie der Holocaustleugner und Neonazi-Liedermacher Axel Schlimper[9][10][11][12] auftrat.[13]

Auf dem Bundesparteitag 2022 im hessischen Altenstadt wurde er zum stellv. Vorsitzenden gewählt.[14] Im Jahr 2014 rückte er als Ersatz für Udo Voigt, der ins EU-Parlament wechselte, in die Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-Köpenick nach[15]. Zur Europawahl 2024 kandidierte er für Die Heimat auf Listenplatz 5.[16][17]

Schmidtke betrieb ab Juli 2011 in der Brückenstraße im Ortsteil Niederschöneweide, der aufgrund der Anhäufung rechtsextremer Läden und Kneipen, sogenannten „braunen Straße“, gleich nahe der damals seit 28. Februar 2009 existenten zentralen Neonazi-Kneipe „Zum Henker“ (Brückenstraße 14), den Laden „Hexogen“ (Brückenstraße 9), mit der Fensteraufschrift „Militär, Outdoor, Camping und Security“.[18][19][20][21][22][23]

Anlässlich der Operation Protective Edge teilte Schmidtke auf seiner Facebook-Seite mit, er solidarisiere sich „mit Palästina und dessen unterdrücktem Volk“, und forderte „Schluss mit dem Zionismus“.[24]

Mehrere Strafverfahren

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Gegen Sebastian Schmidtke wurde im Januar 2013 ein Verfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung eingeleitet, nachdem er in Lingen (Ems) auf einen Gegendemonstranten eingeschlagen hatte. Dieses Verfahren wurde im November 2013 eingestellt mit der Auflage, 900 Euro an die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit zu zahlen.

Schmidtke wurde am 4. Dezember 2013 vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten zu acht Monaten Freiheitsstrafe wegen Volksverhetzung und Gewaltdarstellung verurteilt, nachdem die Polizei im März 2012 in dem damals von Schmidtke betriebenen Militarialaden Hexogen Rechtsrock-CDs mit strafbaren Inhalten gefunden hatte. Die Vollstreckung der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Am 20. Januar 2016 hob das Landgericht Berlin das Urteil des Amtsgerichtes Berlin-Tiergarten vom 4. Dezember 2013 auf und sprach ihn vom Vorwurf der Volksverhetzung frei, verurteilte ihn jedoch zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro wegen Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz.

Am 16. Mai 2014 wurde Schmidtke erneut vom Landgericht Berlin wegen Volksverhetzung verurteilt, da er 2011 die Schulhof-CD der NPD inhaltlich zusammengestellt und zur Herstellung gegeben hatte. Das Urteil lautete auf zehn Monate Freiheitsstrafe, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten verurteilte Schmidtke am 19. Mai 2014 zu drei Monaten Haft auf Bewährung.[25] Schmidtke hatte eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, nichts mit dem Netzwerk Nationaler Widerstand zu tun zu haben; das Gericht ging jedoch davon aus, dass dies nicht stimmt.[26] Die entsprechende Anzeige wurde von Udo Wolf erstattet.

Im Januar 2017 wurde ein Verfahren wegen einer mutmaßlich während einer Kundgebung vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin begangenen Volksverhetzung vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten ausgesetzt, um die Möglichkeit einer Verbindung mit einem weiteren anhängigen Verfahren wegen Volksverhetzung zu prüfen.[27] Schließlich wurde der Fall im Juni 2018 doch separat verhandelt und Schmidtke wurde freigesprochen.[28]

Im August 2017 wurde Schmidtke in einem Verfahren wegen versuchter Körperverletzung vom Amtsgericht Halle (Saale) freigesprochen.[29]

Im Februar 2025 untersagte die Stadt Braunschweig Schmidtke den „Erwerb und die Ausübung der tatsächlichen Gewalt über Waffen und Munition, zu deren Erwerb es keiner besonderen behördlichen Erlaubnis bedarf“[30]. Schmidtke stellte daraufhin seinen Online-Shop, in dem er Hieb- und Stichwaffen vertrieb, ein.[31][32]

Webvideoproduzent und Demo-Video-Streamer

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Seit dem Jahr 2020 ist Schmidtke auch als Webvideoproduzent im Survival-Bereich mit seinem Youtube-Kanal „LebensART - Outdoor&Survival“ aktiv und präsentiert dort Themen wie Outdoor-Survival, Bushcraft und Notfallvorsorge auf seinem eigenen YouTube-Kanal "LebensART"[33]. In seinem Online-Shop vertreibt Schmidtke unter anderem Armbrüste und Survival-Ausrüstung sowie Produkte von Attila Hildmann, während dieser in seinem Telegram-Kanal für den Shop wirbt.[34]

Seit Februar 2025 ist er als Video-Streamer und dem Label „Schmidtkes Welt“ aktiv und filmt auf Demonstrationen verschiedener Richtungen.[35][36] Als Kontaktadresse für seinen Youtube-Kanal hat er die Bundeszentrale der Partei „Die Heimat“ und deren Jugendverband „Junge Nationalisten“ (JN) angegeben.

Commons: Sebastian Schmidtke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Christina Hebel: NPD-Landeschef Schmidtke – Der Brandstifter von Berlin. In: Spiegel Online. 24. August 2013, abgerufen am 5. Februar 2021.
  2. Führungswechsel bei Berliner NPD? Abgerufen am 21. Oktober 2025 (deutsch).
  3. Bundestag: Erkenntnisse der Bundesregierung über eine rechte Anschlagsserie in Berlin Zu den zentralen Figuren im Umfeld des NW zählte auch der damalige Vize- und spätere Vor-sitzende der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) Berlin,Sebastian Schmidtke. Mittlerweile betreibt er einen Telegram-Kanal (t.me/schmidtkeswelt) auf dem er unter anderem für „Solidarität mit dem Flieder Volkshaus“ wirbt.
  4. Simone Rafael: Der NPD-Bundesvorstand 2016. 1. Oktober 2016, abgerufen am 19. Dezember 2023 (deutsch).
  5. Berliner NPD mit neuem Chef Monoton und stockend, von Sebastian Puschner, taz 5. Februar 2012
  6. Theo Schneider: Chaos bei der Berliner NPD. In: zeit.de. 12. Oktober 2016, abgerufen am 17. Juli 2021.
  7. Der NPD-Bundesvorstand 2016. In: Belltower.News. 1. Oktober 2016, abgerufen am 25. Mai 2022 (ursprünglich veröffentlicht auf netz-gegen-nazis.de).
  8. Verfassungsschutzbericht 2018 des Verfassungsschutzes Sachsen-Anhalt, S. 27.
  9. „Europäische Aktion“ Eine internationalistische Neonazi-Avantgarde?, Antifaschistisches Infoblatt 2. Dezember 2015
  10. Das Ende der „Europäischen Aktion“? , Antifaschistisches Infoblatt 3. März 2018
  11. Das mörderische Netz der Holocaustleugner, von Kai Budler, Störungsmelder (Weblog) 15. Juni 2018
  12. Angriffe auf Journalist*innen bei rassistischer und antisemitischer Volkslehrer-Kundgebung, Democ 4. Juli 2020
  13. Kloster Veßra Im Vorfeld der extrem rechten „Tage der nationalen Bewegung“ gab es eine Veranstaltung im Gasthaus Goldener Löwe. Hier sprach u.a. Sebastian Schmidtke (NPD) und es spielte der Neonazi-Liedermacher Axel Schlimper.
  14. Urteil vom 23. Januar 2024 NPD-Verbotsverfahren Bundesverfassungsgericht: Als Anmelder und Versammlungsleiter fungierte der Bundesorganisationsleiter und stellvertretende Bundesvorsitzende der Antragsgegnerin Sebastian Schmidtke.
  15. Hansjürgen Mai: Schmidtke will in die BVV. In: Die Tageszeitung. 27. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2023.
  16. EU-Wahl 2024. In: Die Heimat. Archiviert vom Original; abgerufen am 19. Dezember 2023.
  17. Abgeordnetenwatch.de: Sebastian Schmidtke
  18. Rechtsextremismus in Berlin: Jetzt will auch der NPD-Chef aus Schöneweide weg von Hannes Heine, Tagesspiegel 19. Februar 2014
  19. Szeneladen von Berliner NPD-Chef Schmidtke vor dem Aus, Blick nach Rechts / Endstation Rechts 20. Februar 2014
  20. Die braune Brückenstraße15 Minuten im Problemkiez, von Malene Gürgen, taz 12.3.2012
  21. „Braune Straße“ am Ende Störungsmelder (Weblog) 31. März 2014
  22. 22.08.PM: Die „Braune Straße“ in Berlin Schöneweide muss endlich weg! Neonazis schlagen erneut zu: Solidarität mit dem Köpenicker Bezirksverordneten Hans Erxleben!, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Berlin 22. August 2012
  23. Die braune Straße von Berlin PDF
  24. Jörn Hasselmann: Gaza-Demo in Berlin – American Jewish Committee stellt Strafanzeige wegen Volksverhetzung. In: tagesspiegel.de. 21. Juli 2014, abgerufen am 22. April 2020.
  25. Schon wieder Bewährungsstrafe für NPD-Chef Schmidtke. In: rbb-online.de. 19. Mai 2014, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. Mai 2014; abgerufen am 7. März 2022.
  26. Theo Schneider: Gericht erklärt Schmidtke zu einem der Köpfe von NW-Berlin. In: Störungsmelder. 19. Mai 2014, abgerufen am 18. März 2021.
  27. Strafprozess gegen Ex-NPD-Landeschef vertagt. In: rbb-online.de. 5. Januar 2010, archiviert vom Original am 4. September 2017; abgerufen am 25. Januar 2017.
  28. Vorwurf der Volksverhetzung: NPD-Funktionär Sebastian Schmidtke freigesprochen. In: rbb-online.de. 12. Juni 2018, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  29. Gaza-Demo in Berlin: American Jewish Committee stellt Strafanzeige wegen Volksverhetzung. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 19. Dezember 2023]).
  30. Waffenverbot: Rechtsextremist scheitert mit Eilantrag. (niedersachsen.de [abgerufen am 14. Februar 2026]).
  31. https://www.endstation-rechts.de/news/gericht-bestaetigt-waffenverbot-fuer-neonazi Gericht bestätigt Waffenverbot für Neonazi, von Oliver Kreuzfeld, Endstation Rechts 28. Mai 2025
  32. Waffenverbot für Sebastian Schmidtke AIB 25. November 2025
  33. LebensART - Outdoor&Survival. In: LebensART. Abgerufen am 19. Dezember 2023.
  34. Felix Huesmann: Attila Hildmann und der Berliner Ex-NPD-Chef: Judenhass und legale Waffen. In: rnd.de. 20. Mai 2021, abgerufen am 13. Oktober 2021.
  35. Polizei schützt rechte Streamer von Matthias Meisner M – Menschen Machen Medien 16. März 2026
  36. Rechtsextremer Streamer provoziert bei Gedenkdemonstration 7. Januar 2026