Schott MusicGmbH & Co. KG ist ein großer Musik- und Musikbuchverlag und einer der ältesten noch bestehenden Musikverlage überhaupt. Gründer des Musikverlagsgeschäftes war Bernhard Schott im Jahre 1770.[1] Bei Schott wurde unter anderem ein Großteil des kompositorischen Werks von Richard Wagner ediert, wodurch der Verlag schließlich Weltgeltung erreichte; ebenso z.B. Beethovens9.Sinfonie und Werke von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Firmensitz befindet sich seit der Gründung in Mainz am Rhein. Schott Music weist in der jüngeren Unternehmensgeschichte Merkmale eines internationalen Mischkonzerns der Musikbranche auf.
Der Verlag Schott Music wurde 1770 von Bernhard Schott (1748–1809) in Mainz unter dem Namen B. Schott & Söhne (später B.Schott’s Söhne) gegründet und ist noch heute in einem 1792 erbauten Patrizierhaus im Weihergarten beheimatet, das mittlerweile unter Denkmalschutz steht. Der Musiker und Kupferstecher Bernhard Schott erhielt 1780 das privilegium exclusivum und das Prädikat Hofmusikstecher.[2] Damit durften innerhalb des Kurfürstentums die von ihm hergestellten Werke nicht nachgestochen oder verkauft werden. Der Verlag profitierte als „Großherzoglich-hessische Hofmusikalienhandlung“[3] von dem blühenden kulturellen Leben in Mainz und wuchs rasch zu einer wichtigen Größe im Musikbetrieb. Unter anderen versorgte Schott damals die reich beschäftigte kurfürstliche Hofkapelle und das Orchester des jungen Theaters mit Noten.[4]
Anders als andere Druckereien der Medienstadt Mainz wurde Schott durch die Mainzer Republik und die Jahre der cisrhenanischen Republik und die damit verbundene Abtrennung vom ursprünglichen kurfürstlichen Gebiet kaum betroffen, da Musiknoten weniger sprachgebunden waren.
Bernhard Schott bewies auch auf technischer Linie Innovationsgeist und benutzte als einer der ersten das Vervielfältigungsverfahren der Lithographie. Dies ermöglichte eine konstant hohe Auflage und führte bald zu einer weiten Verbreitung des hochwertigen Notenmaterials. So etablierte sich das Verlagshaus schnell über die Grenzen Deutschlands hinaus und die ersten Niederlassungen wurden von Bernhard Schotts Söhnen Andreas Schott (1781–1840) und Johann Joseph Schott (1782–1855)[5] gegründet: 1823 in Antwerpen, 1830 in Brüssel, bald darauf weitere in London, Wien, Paris und Leipzig.
Dem Genius Richard Wagner, gestiftet vom Schott Verlag 1970
Zu Beginn der Verlagsgeschichte war der damals moderne französische Geschmack für das Verlagsprogramm ausschlaggebend. So wurden vor allem Komponisten wie Adolphe Adam, Daniel Auber, Gaetano Donizetti, Ignaz Pleyel und Gioachino Rossini publiziert. Nur langsam wuchs das Interesse an heimischen Komponisten. Mit Franz Liszt und Peter Cornelius deutet sich schließlich ein Repertoirewechsel an. Doch erst im Jahre 1859 setzte Franz Schott (1811–1874), Enkel des Verlagsgründers Bernhard Schott, einen neuen Schwerpunkt bei deutschen Komponisten: Die Zusammenarbeit mit Richard Wagner und die Herausgabe dessen großer Bühnenwerke Die Meistersinger von Nürnberg, Der Ring des Nibelungen und Parsifal bilden noch heute einen wichtigen Grundstock für den Verlag und das aktuelle Bühnenrepertoire in Deutschland. Die Zusammenarbeit endete schließlich aufgrund der unerfüllbaren finanziellen Forderungen Wagners:[6] „Überhaupt kann ein Musikverleger Ihre Bedürfnisse nicht bestreiten, dies kann nur ein enorm reicher Bankier oder Fürst, der über Millionen zu verfügen hat ...“ (Franz Schott am 21. Oktober 1862 an Wagner). Wagner suchte sich daraufhin anderweitig finanzielle Unterstützung, welche ihm zuletzt nur noch von Johann Weißheimer II., dem wohlhabenden Vater seines Freundes Wendelin Weißheimer gewährt wurde. Erst nach dem bayerischen Thronwechsel fand Wagner in Ludwig II. einen äußerst spendablen Gönner, der Wagner für immer von seinen finanziellen Nöten befreite. 1970 ließ der Verlag B. Schott’s Söhne eine große Bronzeplastik mit der Inschrift „dem Genius Richard Wagner gewidmet“ vor dem Rheinufer-Eingang zur Mainzer Rheingoldhalle aufstellen.
Aufgrund von Nachfolgeproblemen – es gab keinen Nachkommen – setzte die Familie Schott 1874 Geheimrat Dr. jur. Ludwig Strecker (1853–1943) als Erben ein. Dessen Söhne Ludwig Strecker (1883–1978) und Willi Strecker (1884–1958) führten den Verlag weiter. Ihnen folgte Heinz Schneider-Schott (1906–1988). Peter Hanser-Strecker trat 1974 in die Geschäftsleitung ein. Er amtierte bis 2024 als Vorsitzender der Geschäftsleitung von Schott Music.
Die Moderne schlug sich zuerst in der Inverlagnahme der Werke von Igor Strawinsky nieder, der ein langjähriger Freund von Willi und Ludwig Strecker war. Der Verlag veröffentlichte in Deutschland unter anderem Feu d’artifice, Scherzo fantastique, das Ballett L’ oiseau de feu (Der Feuervogel), das Violinkonzert, die Sinfonie in C-Dur und die Sinfonie in drei Sätzen.
Der Verlag in Stiftungseigentum ist international ausgerichtet und hat neben dem Hauptsitz „Weihergarten“ in der Gründungsstadt Mainz einen weiteren deutschen Firmensitz in Mainz-Hechtsheim. Zu den im Weihergarten beheimateten Tochterfirmen gehören unter anderem die Verlage Astoria Verlag, Atlantis Musikbuch, Ars-Viva, Bund-Verlag, Cranz, Ernst Eulenburg, Fürstner, Hohner-Verlag, Panton und Schott Music Enterprise.[11] Darüber hinaus sind hier unter anderen die Firma Schott Music & Media (Tonträger), Schott Liegenschaftsverwaltung (Immobilien) sowie diverse dem Unternehmen zugeordnete Stiftungen und Verbände ansässig. Hier befand sich auch bis zu seinem Verkauf 2014 das verlagseigene Herstellungsarchiv[12] mit ca. 50.000 historischen Titeln.
Selbständige internationale Tochterfirmen befinden sich in Beijing, London, Madrid, New York, Paris, Tokio und Toronto[13]. 2006 wurden alle internationalen Firmen einheitlich in Schott Music umbenannt.
In New York betreibt Schott die Firma European American Music Distributors LLC, die für zahlreiche europäische Großverlage den Vertrieb von Aufführungsmaterial in den USA, Kanada und Mexiko übernimmt.
mds-Vertriebszentrum in Mainz-Hechtsheim
Ein eigenes Vertriebs- und Logistikzentrum, music distribution services GmbH (mds), in Mainz-Hechtsheim, liefert neben dem gesamten Schott-Programm auch die Publikationen von über 120 anderen Verlagen aus.[14] Etwa 130.000 Titel an Noten, Büchern, Ton- und elektronischen Datenträgern werden von Mainz aus rund um den Globus versandt. Das moderne Hochregallager beherbergt zurzeit über 12 Millionen Exemplare.
Mit dem WEGA Verlag Mainz betreibt Schott ein Druckerei- und Herstellungsunternehmen, das Aufträge von Verlagen in aller Welt übernimmt.
Im Jahr 2024 zog sich Peter Hanser-Strecker aus der operativen Arbeit als Verleger zurück. Er ist gemeinsam mit seiner Tochter Saskia Osterhold Vorstand der Strecker-Stiftung, der Eigentümerin des Verlags[15].
Seit den 1980er Jahren werden Noten digital gesetzt, seit den 1990er Jahren gab es Anwendungsprogromme für Musiker und seit 2011 gibt es eine Downloadplattform für Noten. Seit 2025 wird ein Abomodell mit dem österreichischen Start-up Oktav angeboten, über das mehrere tausend Klaviernoten zugänglich sind und das speziell für das Erlernen des Klavierspiels zusätzliche Angebote bietet.[16]
Das Verlagsprogramm enthält Noten (zum Kauf und zum kostenpflichtigen Verleih), Gesamtausgaben, Partituren, Chormusik, Instrumentalschulen und andere pädagogische Ausgaben, Popularmusik und Bücher zu allgemeinen Musikthemen und musikwissenschaftlichen Fragestellungen. In der Edition Schott erscheinen Werkausgaben von Musik aller Epochen für alle Instrumente und Besetzungen. So gibt Schott ein Gitarren-Archiv (begründet als Schott’s Gitarre-Archiv) heraus. Der Verlag verwertet bestehende Urheberrechte und nimmt regelmäßig neue Komponisten auf.
Marlene Hübel: Gedruckte Musik: 225 Jahre Musikverlag Schott in Mainz. Ausstellungskatalog hrsg. v. Gutenberg-Museum Mainz und B. Schott’s Söhne, Mainz 1995.
Rainer Mohrs: Eine große Tradition für die Zukunft. 100 Jahre Edition Schott Einzelausgabe. In: Musikhandel. Heft 3, (Bonn) 2013, S. 86.
Hans-Christian Müller: Bernhard Schott, Hofmusikstecher in Mainz. Die Frühgeschichte seines Musikverlages bis 1797. Mit einem Verzeichnis der Verlagswerke 1779–1797 (= Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte. Nr. 16). Schott, Mainz 1977, ISBN 3-7957-1316-1.
Susanne Gilles-Kircher, Hildegard Hogen, Rainer Mohrs (Hrsg.): Die Schott Music Group. 250 Jahre Verlagsgeschichte. Schott Music, Mainz 2020, ISBN 978-3-7957-2055-1.