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Schloss Chambray

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Schloss Chambray in Gouville

Das Schloss Chambray (französisch: Château de Chambray) ist ein Landschloss der Spätrenaissance und des frühen 17. Jahrhunderts. Es befindet sich in der Gemeinde Gouville im Département Eure (Region Normandie) in Frankreich. Das Anwesen steht seit dem 29. Oktober 1971 als Monument historique unter Denkmalschutz.[1]

Das Schloss liegt im Tal des Iton südlich der Ortschaft Gouville, inmitten eines weitläufigen Parks mit Alleen, Wiesen und Wassergräben.

Das Gut Chambray geht auf die Baronie von La Ferté-Fresnel zurück, deren Seitenlinie sich im 12. Jahrhundert in Chambray und Blandé niederließ. Stammvater war Simon I. de Chambray († vor 1210), Sohn von Richard II. de La Ferté-Fresnel und Emmeline de L’Aigle aus der Familie der Herren von L’Aigle.

Nach mittelalterlichen Quellen bestand hier zunächst eine Burganlage mit vier Türmen und einer umlaufenden Wehrmauer. Sie wurde vermutlich um 1096 von Amaury de Chambray errichtet, einem Gefolgsmann des Herzogs Robert II. von der Normandie.

Im 12. Jahrhundert ließ Simon I. de Chambray die zerstörte Burg seiner Vorfahren wiederaufbauen. Er errichtete eine rechteckige Anlage mit vier Rundtürmen, von denen zwei bis in das 19. Jahrhundert erhalten blieben. Die Kapelle Saint-Laurent, ein harmonisches Bauwerk des 13. Jahrhunderts, wurde 1239 von Simon II. de Chambray und seiner Gemahlin Eustache de Lombelon des Essarts errichtet und dem Kloster du Désert übergeben.

Im 16. Jahrhundert ließ Gabriel de Chambray (1541–1612), Kammerherr Heinrichs III. und Gefolgsmann unter Heinrichs IV. bei der Schlacht von Ivry, das heutige Schloss als Neubau errichten anlässlich seiner Vermählung mit Jeanne d’Angennes.[2] Sein Nachkomme Nicolas-François de Chambray (1675–1750) wurde unter Ludwig XIV. und Ludwig XV. zum ersten Marquis erhoben.

Im 19. Jahrhundert war der General Georges de Chambray (1783–1848), Marquis de Chambray, eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Familie. Er trat 1801 in die École polytechnique ein und diente anschließend in der kaiserlichen Artillerie. Er nahm an den Feldzügen von Boulogne, Ulm und Austerlitz sowie 1806 und 1807 in Pommern und 1812 in Russland teil, wo er in Gefangenschaft geriet. Diese Erlebnisse schilderte er später in seinem Werk Histoire de l’expédition de Russie. Nach 1815 stieg er bis zum Rang eines maréchal de camp (Brigadegenerals) auf und veröffentlichte weitere Schriften wie Philosophie de la guerre, Mélanges littéraires und ein botanisches Werk über Nadelhölzer gemäßigter Klimazonen.[3] Dessen Enkel Jacques II. de Chambray (1828–1910), „le Grand Veneur“, ließ 1881 umfangreiche Restaurierungen durchführen.[4]

Im Jahr 1944 schenkte der letzte Marquis Simon III. de Chambray (1874–1948) das Anwesen dem französischen Landwirtschaftsministerium, um in Erinnerung an seinen im Mai 1940 gefallenen Sohn Édouard de Chambray ein landwirtschaftliches Lehrinstitut zu errichten.[5]

Der Hauptbau (corps de logis) wurde auf den Fundamenten eines Herrenhauses des 15. Jahrhunderts errichtet. Nach der Beschreibung des Abbé Pierre-Émile de La Balle bestand das alte Herrenhaus aus „einem großen, rechteckigen Gebäude, flankiert von vier mächtigen Türmen, die ihm zugleich Stärke, Würde und Adel verliehen“. Zwei dieser Türme sind bis heute erhalten.[6]

Die Fassade zeigt ein für die französische Renaissance typisches Backstein Mauerwerk mit hellen Steineinfassungen und Kreuzstockfenstern (meneaux cruciformes). Erhalten sind außerdem die Poterne (Torhaus), der Taubenturm (colombier) und die Kapelle Saint-Laurent.

Im 19. Jahrhundert wurde das Ensemble durch Jacques II de Chambray erweitert; es entstanden eine Orangerie, ein Arboretum und eine kleine Kartause, die bereits 1740 erbaut worden war. Das Schloss liegt in einer weitläufigen Parklandschaft mit Wiesen, Alleen und Teichen. Seit 1944 ist das Anwesen Eigentum des französischen Ministeriums für Landwirtschaft und dient als Landwirtschaftliches Gymnasium.

Das Château de Chambray steht seit dem 29. Oktober 1971 teilweise unter Denkmalschutz als historisches Gebäude frz. Monument historique.[1] Geschützt sind die Fassaden und Dächer des Schlosses, der Kapelle, der Poterne sowie drei Türme der alten Umfassungsmauer und die im Park gelegene Kartause (Parzellen AM 12 und 23). Das Gelände und der Park wurden am 15. Dezember 1972 als Naturdenkmal (site classé) ausgewiesen; die Lindenallee bereits am 20. August 1941.[5]

  • Abbé Pierre-Émile de La Balle: Le Château de Chambray à Gouville, in: La Normandie monumentale et pittoresque, Eure, 1re partie, Le Havre 1896, S. 51–53.
  • Les remparts de Chambray (Eure), Remparts de Normandie.
  • Claude Frégnac: Merveilles des châteaux de Normandie. Hachette, Paris 1966, S. 305
  • Base MériméeNotice n° PA00099437 – Château de Chambray (Ministère de la Culture).
  • Base MériméeNotice n° IA27000552 – Parc du domaine du château de Chambray (Inventaire général du patrimoine culturel).
  • Charles Mullié: Biographie des célébrités militaires des armées de terre et de mer de 1789 à 1850, Band 1, Poignavant et Compagnie, Paris 1851
Commons: Schloss Chambray – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b Château de Chambray in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  2. Claude Frégnac: Merveilles des Châteaux de Normandie, Éd. Hacchettes, 1965, S. 305.
  3. Charles Mullié: Biographie des célébrités militaires des armées de terre et de mer de 1789 à 1850, Band 1, Poignavant et Compagnie, Paris 1851, S. 289 (Volltext bei archive.org).
  4. Les remparts de Chambray (Eure). In: Remparts de Normandie, Eklablog. Abgerufen am 30. Oktober 2025 (Online bei eklablog.com).
  5. a b Parc du domaine du château de Chambray in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  6. Abbé Pierre-Émile de La Balle: Le Château de Chambray à Gouville. In: La Normandie monumentale et pittoresque. Eure. Le Havre: Alphonse Lemâle & Cie 1896, S. 51–53 (Volltext und Abbildungen bei Gallica).

Koordinaten: 48° 54′ 27″ N, 1° 0′ 27″ O