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Sazan

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Sazan

Sazan aus Südosten
Gewässer Bucht von Vlora, Adriatisches Meer
Geographische Lage 40° 29′ 37″ N, 19° 16′ 50″ OKoordinaten: 40° 29′ 37″ N, 19° 16′ 50″ O
Sazan (Albanien)
Sazan (Albanien)
Länge 4,7 km
Breite 2 km
Fläche 5,7 km²
Höchste Erhebung 342 m
Einwohner unbewohnt
Zahlreiche Bunker und militärische Bauten an der Westküste der Insel
Zahlreiche Bunker und militärische Bauten an der Westküste der Insel

Sazan (albanisch auch Sazani, italienisch Saseno, griechisch Σάσων Sason, lateinisch Saso) ist eine kleine Insel an der albanischen Adriaküste. Die Insel hat eine strategisch bedeutsame Lage am Eingang zur Bucht von Vlora und der Straße von Otranto, dem Übergang von der Adria zum Ionischen Meer. Sazan ist unbewohnt. Die Insel hat eine Fläche von knapp sechs Quadratkilometer und liegt nicht ganz fünf Kilometer nördlich der Halbinsel Karaburun, dem nördlichen Ausläufer des Ceraunischen Gebirges, etwas mehr als acht Kilometer westlich der Küste bei Zvërnec, einem Dorf nördlich von Vlora.

Die Gewässer vor der Insel sind, mit Ausnahme eines Abschnitts an der Hafeneinfahrt, Teil des im Jahr 2010 gegründeten Marinen Nationalparks Karaburun-Sazan. Allerdings sind die geschützten Gewässer gefährdet, da auf der Insel ein Luxusresort geplant ist.

In der Antike wird die Insel recht häufig erwähnt, zumeist als „Saso“.[1]

Karte der Insel aus dem 16. Jahrhundert

Mehrfach spielte die Insel in den Kämpfen um die Herrschaft über die Adria eine bedeutende Rolle. So unterlag die venezianische Kriegsflotte zur Zeit des Dogen Vitale Falier während der Kämpfe zwischen den Normannen unter Robert Guiskard und Byzanz um 1085. Den Genuesen gelang im August 1264 ein Sieg über eine venezianische Flotte bei Saseno.[2] Die Insel gehörte bis 1797, also bis zur Auflösung der Republik Venedig zu deren überseeischen Territorien.

Danach stand sie unter britischem Protektorat, nämlich als Teil der Republik der Ionischen Inseln. 1864 trat das Vereinigte Königreich die Inseln an das Königreich Griechenland ab. Jedoch nahm Griechenland seine Souveränitätsrechte auf der entlegenen Insel zunächst nicht wahr. Der italienische Botaniker A. Baldacci besuchte die Insel und berichtete 1893: „Saseno ist eine Klippe von 990 ha Fläche, mit einer höchsten Erhebung von 331 m … auf 40°, 29', 45' N. Br. gelegen.“ Zudem berichtet er von einer „osmanischen Besatzung“.[3]

Italien besetzte zu Anfang des Ersten Weltkrieges am 30. Oktober 1914 Saseno. In einem geheimen Vertrag ließ sich Italien im April 1915 das Umland von Vlora mit der vorgelagerten Insel zusichern. Als nach dem Krieg albanische Truppen die Italiener vom albanischen Festland verdrängten, einigten sich die Konfliktparteien in einem Protokoll vom 2. August 1920 darauf, dass wenigstens Saseno/Sazan unter italienischer Hoheit verbleiben sollte. Die Insel blieb bis 1947 von Italien besetzt.[4] Italien unterhielt auf der Insel einen Militärstützpunkt. Als Tochter des Oberkommandanten der Insel verbrachte die italienische Journalistin und Schriftstellerin Caterina (Rita) Durante (1928–2004) ihre Kindheitsjahre bis zum Zweiten Weltkrieg mit ihrer Mutter und ihren Schwestern auf der Insel.

Bunker

Erst mehr als eineinhalb Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt das nunmehr kommunistische Albanien gemäß dem Friedensvertrag vom 10. Februar 1947 die Kontrolle über die Insel. 1946 hatte noch Griechenland die Rückgabe der 1914 von Italien besetzten Insel gefordert, um in der südlichen Adria für seine Sicherheit sorgen zu können, und da sie in seinen Augen noch immer zu den Ionischen Inseln gehörte.[5] In der Folge wurde sie auch von sowjetischen Truppen als Stützpunkt genutzt, bis es 1960 zum Bruch zwischen Tirana und Moskau kam.

Auf der Insel entstand eine kleine Siedlung mit Wohnhäusern für die Angehörigen der Soldaten, einem Kino und einer Schule. Auch eine Chemiewaffenfabrik soll auf Sazan betrieben worden sein.[6] Der Zutritt war Zivilisten verboten.[7]

Hafen von Sazan und alte Wohnhäuser

Heute wird Sazan noch immer von der albanischen Marine als Stützpunkt verwendet. Auch die italienischen Zollbehörden operieren von hier aus gegen albanische Schmugglerbanden. Etliche Yachten haben bereits wegen schlechten Wetters die Insel auf der Nordost-Seite als Nothafen angelaufen, was von den dort stationierten Besatzungen der italienischen Küstenwachboote geduldet wird, da vom Seerecht erlaubt.

Seit Sommer 2015 können Touristen von Vlora aus per Ausflugsboot in Gruppen die Insel erkunden.[8]

Das albanische Tourismusministerium arbeitete wiederholt Pläne aus, nach denen die Insel in ein Ferienziel für Urlauber mit Hotels und einem Kasino verwandelt werden soll. Als problematisch wurde dabei allerdings erachtet, dass das Eiland über keine Süßwasserquellen verfügt.[9]

Im Sommer 2025 besuchten Angehörige des US-Präsidenten Trump die Insel und spekulierten mit einer Übernahme.[10] Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner wollen die Insel in eine Luxus-Destination für ultrareiche Urlauber verwandeln und dafür „1,4 Milliarden Dollar, umgerechnet knapp 1,2 Milliarden Euro, […] in den Umbau der 5,7 Quadratkilometer großen Insel investieren“.[11] Umweltschützer aus ganz Europa riefen die albanische Regierung auf, das Projekt zu stoppen. Die Bauarbeiten und das große Luxusresort würden sich negativ auf die geschützten Küstengewässer auswirken, beispielsweise auf die seltene Mittelmeer-Mönchsrobbe und die Seegraswiesen.[12]

Im Jahr 1923 wurden acht italienische Briefmarken mit SASENO überdruckt.[13]

Commons: Sazan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. „Saso ist die kleine Insel Saseno, die vor den Häfen von Oricum und Apollonia liegt; sie wird bei den Alten ziemlich häufig genannt (Scylax 26; Polybios 5, 110; Strabon 6, 3, 5 p. 281; Silius 7, 480; Plinius 3, 26, 152; Ptolemaeos 3, 13, 47; Itin. Ant. p. 489. 520; geogr. Rav. 5, 24 p. 408, 19, wo sie Sarona heißt) und war bekannt als Piratenstation...“ (Theodor Mommsen: Zu Caesar, in: Hermes 2 (1867), S. 145–146, hier S. 145).
  2. Marco Pozza: Zeno, Ranieri, in: Dizionario Biografico degli Italiani 100 (2020) 663–668.
  3. Escursione botanica allo Scoglio di Saseno, in: Beihefte zum Botanischen Centralblatt 4 (1894), S. 256.
  4. Otto Maull: Albanien, in: E. von Seydlitz'sche Geographie, Hundertjahrausgabe, Europa (ohne Deutschland), Breslau: Ferdinand Hirt, 1931, S. 774, Abb. 883, sowie S. 690.
  5. Neal H. Peterson, William Slany: Foreign Relations of the United States, Bd. IV: Paris Peace Conference: Documents, Washington 1970, S. 696–700.
  6. John Beck: This island used to be a top-secret military base. Now the government wants to open it to tourists. Roads & Kingdoms, 4. September 2018, abgerufen am 22. Dezember 2018.
  7. Nigel West: Historical Dictionary of Cold War Intelligence, Rowman & Littlefield, Lanham 2021, S. 28.
  8. Sazan, une île-bunker d’Albanie ouverte aux touristes. In: Le Soir. AFP, 13. August 2015, abgerufen am 14. August 2015 (französisch, mit Video).
  9. Geheime Orte: Militärinsel soll Touristenattraktion werden. In: bluewin.ch. 8. Juni 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. März 2016; abgerufen am 10. August 2025.
  10. Jannik Deters: Diese Bunkerinsel vor Albanien ist das nächste Übernahmeziel der Trumps. WirtschaftsWoche, 10. August 2025, abgerufen am 10. August 2025.
  11. Sazan in Albanien: Ivanka Trump will unbewohnte Insel zu Luxusresort machen. In: RND via MSN.com. 19. August 2025, abgerufen am 22. August 2025.
  12. Liam Gilliver: Tiefe Sorge: über vierzig Umweltgruppen fordern Stopp des Luxusresorts auf albanischer Insel. In: Euronews. 27. Januar 2026, abgerufen am 9. Februar 2026.
  13. Björn Berge: Atlas der verschwundenen Länder: Weltgeschichte in 50 Briefmarken. dtv, München 2018, ISBN 978-3-423-28160-7, Kindheitsparadies am langweiligsten Ort der Welt, S. 174 ff.