Santa Maria della Fava


Santa Maria della Fava, auch Santa Maria della Consolazione, ist eine Kirche im äußersten Westen des Sestiere Castello in Venedig. Sie liegt südlich der Kirche San Lio, unweit des Campo San Bartolomeo; ihr Hauptportal weist westwärts auf den Campo de la Fava. Die Geschichte des Gebäudes reicht zwar bis in das späte 15. Jahrhundert zurück, doch das heutige Gebäude entstand erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Geschichte
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Ursprünglich lautete der Name der Kirche Santa Maria della Consolazione, doch wurde dieser durch den heutigen Namen ersetzt, der auf die kleine Brücke vor der Kirche zurückgeht, den Ponte della Fava. Wegen der Wunderwirksamkeit einer Ikone verlegten die Amadi, eine Händlerfamilie, eine Straßenikone auf einen kleinen Holzaltar in der Nähe der besagten Favabrücke. Nur drei Monate später, am 10. November 1480, erteilte der venezianische Patriarch Maffeo Gherardi, nachdem er die dem Bildnis zugeschriebenen Wunder überprüft hatte, der Familie Amadi und anderen Patriziern die Erlaubnis, eine Kapelle zu Ehren und zum Schutz der Ikone zu errichten. Das Oratorium wurde nach dem ikonografischen Typ der Ikone Santa Maria della Consolazione geweiht, wurde aber allgemein als Santa Maria della Fava bezeichnet, nach der gleichnamigen Brücke.[2]

Die Kirche wurde von der Gemeinde San Lio erbaut, um das besagte Bildnis der Madonna aufzunehmen, das an einer Wand der Ca’ Dolce hing. Das Bauwerk wurde im Jahr 1500 fertiggestellt. Am 5. Juli 1515 veranlasste der Patriarch drei Nobili und zwei Cittadini, die die Aufsicht über die Kirche und ihre Schätze ausüben sollten. Diese fünf Männer wählten selbstständig ihre jeweiligen Nachfolger in diesem Amt. 1621 räumte Gregor V. dem Altar Privilegien ein, den Besuchern 1622 volle Indulgenz ein. Weiterhin dienten Weltpriester als Kaplane.[3]
Im Jahr 1662 wurde sie der Gerichtsbarkeit der Prokuratoren von San Marco unterstellt, um dann am 21. November 1674 an die 1575 gegründete Kongregation vom Oratorium des heiligen Philipp Neri überzugehen. Dies gelang umso einfacher, als die Kirche weiterhin der Jurisdiktion des Patriarchen unterstehen sollte.
Die Kirche wurde abgerissen und durch einen Neubau von Antonio Gaspari ersetzt. Den Grundstein dazu legte am 5. August 1705 der Patriarch Gianalberto Badoer. Am 11. Dezember 1715 konnte die erste Messe zelebriert werden; die alte Kapelle wurde abgerissen. Diesen Bau stellte schließlich 1750 Giorgio Massari fertig, auf den die Apsis zurückgeht. Nahe der Kirche lebte Canaletto.
Ihren besonderen Rang erhielt die neue Kirche durch die Ausstattung mit in den Augen der Zeitgenossen besonders wertvollen Reliquien. So gelangten zwei Splitter des Kreuzes Christi, deren Echtheit durch eine Feuerprobe nachgewiesen wurde, in das neue Gebäude, ebenso wie Haare der Mutter Gottes, sowie der Fuß des Märtyrers und Heiligen „Mamante“ (gemeint ist Mamas von Kappadokien). Diese Reliquien konnten aus der von den Osmanen eroberten Hauptstadt der Insel Kreta gerettet werden. Sie wurden von dem Dogen Francesco Morosini an eine Verwandte verschenkt. Diese Regina Giustinian Morosini übergab sie 1690 der Marienkirche. 1693 erhielt die Kirche vom selben Dogen die Dornenkrone Christi zum Geschenk.[4]
Unter Napoleon wurde die Kongregation zunächst aufgehoben, jedoch 1821 wieder eingerichtet. Sie blieb bis 1912, als sie die Stadt verließ. Ihr folgten die Redemptoristen, die sich heute vorrangig um die philippinischen Gemeindemitglieder kümmern.
Ausstattung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das einschiffige Bauwerk wird von einem Tonnengewölbe mit Lünetten überspannt. Acht Statuen von Heiligen und Evangelisten stammen von Giuseppe Bernardi (1694–1773). Derselbe Künstler schuf auch die Reliefs, die Episoden aus dem Leben des Heiligen Filippo Neri darstellen.
Die Apsis hat einen viereckigen Grundriss und wird von einer Kuppel überspannt. Dort befindet sich der barocke Hochaltar mit den Skulpturen zweier Engel, die Giovanni Maria Morlaiter schuf. An der Rückwand, über einem Chor, befindet sich die Orgel aus dem Jahr 1754, die von Pietro Nacchini (1694–1769) gebaut und in einen vergoldeten Holzschrank eingebaut wurde.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, Leipzig 2008, 2. Aufl. 2013, S. 98 f.
- Flaminio Corner: Notizie storiche delle chiese e monasteri di Venezia, e di Torcello, tratte dalle chiese venezian, e torcellane, Padua 1758, S. 89–92 (Chiesa della Madonna, detta la Fava). (Digitalisat)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ciexa de la Fava, veneziamuseo.it
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ So nennt das Gemälde Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, 2. Aufl., Leipzig 2013, S. 98.
- ↑ Margarita Voulgaropoulou: From Domestic Devotion to the Church Altar: Venerating Icons in the Late Medieval and Early Modern Adriatic, in: Religions (MDPI) 10 (2019) https://doi.org/10.3390/rel10060390.
- ↑ Corner, S. 91.
- ↑ Corner, S. 92.
Koordinaten: 45° 26′ 13″ N, 12° 20′ 18″ O