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Samuel Arthur Saunder

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Samuel Arthur Saunder (* 18. Mai 1852 in London; † 8. Dezember 1912 in Oxford) war ein britischer Mathematiker und Selenograph.

Samuel Arthur Saunder wurde am 18. Mai 1852 als Sohn des Zahnarztes William Deacle Saunder und dessen Frau Sarah Patience, geb. Nokes, in London geboren. Er besuchte die dortige St Paul’s Schule und studierte anschließend Mathematik am Trinity College der Universität Cambridge. 1875 schloss er das Studium ab und fand im Jahr darauf eine Anstellung als Mathematiklehrer am Wellington College in Berkshire, wo er bis zum Ende seines Berufslebens blieb. Am 16. August heiratete er Alice Duthoit, das Paar hatte drei Kinder, eine Tochter, die im Kindesalter starb, und zwei Söhne. Die Mutter starb am 21. August 1893, acht Tage nach der Entbindung des zweiten Sohnes.[1]

Saunder entwickelte eine große Leidenschaft für die Astronomie, insbesondere für den Mond. Er interessierte sich für exakte Positionsbestimmungen auf der Mondoberfläche und veröffentlichte dazu im Jahre 1900 in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society einen längeren Artikel, in dem er die Librations-bedingten Schwächen der Entfernungsangaben zum sichtbaren Mondrand darlegte. Ausgehend von den damals gut bekannten selenographischen Koordinaten von Mösting A bestimmte Saunder einige weitere genaue Positionen, darunter die von Ptolemaeus, Herschel, Dollond und Manilius.[2] Diese Arbeiten setzte er fort und bestimmte mittels Auswertung von Fotoplatten und aufwändiger Reduktionen die selenographischen Koordinaten von insgesamt 2885 Punkten mit einer Genauigkeit von unter einer Zehntel Bogensekunde.[3][4]

Im Zuge seiner Arbeiten fand er auch Schwächen in der verwendeten Nomenklatur für die einzelnen Mondstrukturen. In einem 1905 erschienenen Artikel „On the Present State of Lunar Nomenclature“ (Über den aktuellen Stand der Mondnomenklatur) beklagte er den Wildwuchs, der durch neue Benennungen entstanden war. Er schrieb darin[5]:

There is no map or catalogue in existence giving a complete list of the names which have been used by even half a dozen of our greatest selenographers ; whilst Eiger, in his book on The Moon, published in 1895, almost entirely neglects the names added by Schmidt, although his map claims to be founded on Schmidt’s and to show clearly every named formation. Schmidt, whose knowledge of the lunar surface has probably never been equalled, mentions several names as in use by English selenographers, but representing formations he has been unable to identify. Some of these may be found in Neison or Eiger, but others cannot, and it would require some searching to discover who the authors were and to what formations the names were applied.
(Es existieren weder eine Karte noch ein Katalog mit einer vollständigen Liste von Namen, die von wenigstens einem halben Dutzend unserer besten Selenographen verwendet wurden. Während Elger in seinem 1895 veröffentlichten Buch „The Moon“ die von Schmidt hinzugefügten Namen fast vollständig verwirft, obwohl seine Karte auf der von Schmidt aufbauen und alle benannten Formationen klar zeigen soll, erwähnt Schmidt, dessen Kenntnis der Mondoberfläche wohl unerreicht ist, mehrere Namen, wie sie von englischen Selenographen verwendet werden, aber für Formationen, die er nicht identifizieren konnte. Einige von diesen finden sich bei Neison oder Elger, aber andere nicht, und es würde schon einiger Suche bedürfen, um herauszufinden, wer die Autoren waren und auf welche Formation die Namen angewendet wurden.)

Eine weitere Schwäche, die er benannte, besteht darin, dass die von Mädler eingeführte Benennung von Nebenkratern als „Name des nächstgelegenen, benannten Kraters + Buchstabe“ empfindlich gegenüber der Einführung neuer Namen ist, da sich dadurch der nächstgelegene, benannte Krater ändern kann, und dass sogar der für Positionsbestimmungen zentrale Mösting A betroffen ist, siehe Krater Flammarion.

Auf Betreiben der Royal Astronomical Society und der Royal Society wurde 1907 unter dem Dach der Internationalen Assoziation der Akademien ein internationales Komitee für Mondnomenklatur gegründet, in dem Saunder und Julius Franz die Arbeit aufnahmen. Doch der Tod von Saunder und von Franz (1913) sowie der Erste Weltkrieg verhinderten einen erfolgreichen Abschluss. Diese Probleme konnten erst im Rahmen der 1919 gegründeten Internationalen Astronomischen Union gelöst werden.[6]

Nach einem Wechsel des Schuldirektors am Wellington College wurde Saunder im Alter von sechzig Jahren ohne Bezüge in den Ruhestand versetzt, im Juli 1912 erreichte er das reguläre Pensionsalter. Er zog nach Oxford und plante in seinem Garten ein geeignetes Gebäude für sein Teleskop, doch diese Pläne wurden von einer Erkrankung durchkreuzt, der er am 8. Dezember desselben Jahres erlag.[1]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 H. H. Turner: Samuel Arthur Saunders. In: RAS (Hrsg.): Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 73, Februar 1913, S. 214–217, bibcode:1913MNRAS..73Q.214. (englisch).
  2. ↑ Saunder, S. A.: Moon, determinations of positions on the, and measurement of lunar photographs. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 60, Januar 1900, S. 174–201, doi:10.1093/mnras/60.3.174, bibcode:1900MNRAS..60..174S (englisch).
  3. 1 2 J. A. Hardcastle: S. A. Saunder. British Astronomical Association, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  4. ↑ Mr. S. A. Saunder. In: Nature. Band 90, 1912, S. 415–416, doi:10.1038/090415a0 (englisch).
  5. ↑ S. A. Saunder: On the Present State of Lunar Nomenclature. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society. Band 66, 1905, S. 41–46, doi:10.1093/mnras/66.2.41, bibcode:1905MNRAS..66...41S (englisch).
  6. ↑ Leonard B. Abbey: Saunder, Samuel Arthur. In: T. Hockey (Hrsg.): Biographical Encyclopedia of Astronomers. Springer, New York 2016, ISBN 978-1-4419-9916-0, S. 19191920, doi:10.1007/978-1-4419-9917-7_1219 (englisch).
  7. ↑ Samuel Arthur Saunder. Royal Aastronomical Society, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  8. ↑ Presidents of the British Astronomical Association. BAA, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
  9. ↑ Saunder im Gazetteer of Planetary Nomenclature der IAU (WGPSN) / USGS